Harz Feuer am Brocken: Regen hat die Situation entspannt

Das Feuer am Brocken ist unter Kontrolle. Der anhaltende Regen am Donnerstag hat die Lage etwas entspannt. Wegen starker Nebelbildung, konzentrierten sich die Einsatzkräfte auf die Arbeit am Boden. Dort suchten sie weiter nach Glutnestern. Die Zahl der Einsatzkräfte konnte am Donnerstag auf 300 reduziert werden, teilte ein Sprecher des Landkreises Harz am Abend mit.

Einsatzkräfte des THW stehen im Brockengebiet am Eckerloch und richten eine Brücke als Zuwegung für die Einsatzkräfte der Feuerwehr ein.
Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) haben am Donnerstag eine Brücke als Zufahrt für die Einsatzkräfte der Feuerwehr gebaut. Bildrechte: picture alliance/dpa | Matthias Bein

Der anhaltende Regen hat die Situation am Brocken entspannt. Wie ein Sprecher des Landkreises Harz mitteilte, konnte die Zahl der Einsatzkräfte auf 300 reduziert werden.

Löscharbeiten aus der Luft erschwert

Dichter Nebel habe das Fliegen am Donnerstag erschwert. MDR-Informationen zufolge waren von den vorhandenen sieben nur drei Löschhubschrauber unregelmäßig im Einsatz. Dafür sei der Wegebau des Technischen Hilfswerks weiter vorangekommen. Am Donnerstag wurde an einem strategisch wichtigen Punkt eine Holzbrücke errichtet. Sie soll den Feuerwehrautos den Zugang zu den vom Brand betroffenen Gebieten erleichtern.

Der Harzort Schierke ist seit Donnerstagabend wieder auf allen Straßenverbindungen zu erreichen. Wie die Feuerwehr mitteilte, bleiben das Brockenplateau und die Zufahrts- und Wanderwege allerdings gesperrt. Demnach bleibt auch die Katastrophenlage noch bestehen.

Verstärkter Einsatz tagsüber am Donnerstag

Im Kampf gegen den Waldbrand am Brocken waren am Donnerstag verstärkt Löschtrupps am Boden eingesetzt worden. Wie der Einsatzleiter und Kreisbrandmeister des Landkreises Harz, Kai-Uwe Lohse, MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, wurde mit 500 Feuerwehrleuten geplant. Sie kamen demnach auch aus dem Saalekreis sowie den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld, Wittenberg und Goslar in Niedersachsen. Die beiden Löschflugzeuge aus Italien beendeten zuvor ihren Einsatz und hatten sich auf den Weg nach Hause gemacht.

Ein von Bundesinnenministerin Nancy Faser (SPD) für Donnerstag angekündigter Besuch im Brandgebiet wurde nach Angaben des Landkreises Harz abgesagt.

Brandursache noch unklar

Die Brandursache war dem Kreisbrandmeister zufolge auch am Mittwoch noch unklar. Allerdings habe es mehrere Ausbruchsstellen gegeben. Das Feuer war am Samstag ausgebrochen. Seitdem kämpfen hunderte Einsatzkräfte im Nationalpark gegen die Flammen.

Steigende Waldbrandgefahr: Waldbesitzer kritisieren Nationalpark

Im Zuge des Brandes hat der Verband der Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt der Nationalparkverwaltung im Harz schwere Versäumnisse vorgeworfen. Verbandschef Ferdinand Prinz zu Salm-Salm sagte MDR SACHSEN-ANHALT, beim Nationalpark gebe es keine stringente Konzeption gegen die wachsende Waldbrandgefahr. So würden etwa die Veränderungen durch den Klimawandel nicht berücksichtigt. Zu Salm-Salm fordert konsequentes Handeln. Dazu gehöre, bestimmte Flächen von Totholz zu beräumen. Der Chef der privaten Waldbesitzer verlangte einen fairen Beteiligungsprozess aller Betroffenen, um Änderungen auf den Weg zu bringen.

Die Debatte um den Umgang mit Totholz hat mit dem Waldbrand im Harz an Fahrt aufgenommen. Das Totholz ist Lebensraum und Humusbilder, kann aber auch als Brandbeschleuniger wirken, sagen Kritiker. Nationalparkleiter Roland Pietsch erklärte MDR SACHSEN-ANHALT dagegen, Totholz brenne zwar, das sei aber eine bessere Option als lebende Fichten. Dort wäre das Feuer "durchgerast". Allerdings werde man sich der Diskussion stellen und notwendige Maßnahmen ergreifen, so der Leiter des Nationalparks Harz.

Knolle: Führen eine Scheindebatte

Der ehemalige Sprecher des Nationalparks, Friedhart Knolle, weist die Kritik des Waldbesitzerverbands ebenfalls zurück. Knolle, inzwischen Vorsitzender des BUND-Regionalverbandes Westharz, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das sei völliger Unsinn. In den vergangenen Jahren sei die Brandlast rund um die Siedlungen am Brocken gemindert worden. Außerdem seien im Nationalpark Löschdepots eingerichtet und die Ranger mit Löschrucksäcken ausgestattet worden. Mit den Feuerwehren sei man in ständigem Kontakt gewesen. Die Kritik gehe komplett an der Sache vorbei.

Die derzeitige Diskussion um das Totholz im Nationalpark bezeichnete Knolle als Scheindebatte. Die Forschung sage ganz deutlich, dass Totholz kein Brandbeschleuniger ist. "Da wird im Moment viel Falsches kolportiert." Der Nationalpark Harz sei ein zukunftsweisender Wald. Wenn man dort das Totholz raushole, minimiere man die Möglichkeit, dass sich der Wald regenerieren könne. Knolle äußerte sich auch zu einer möglichen Rolle der Harzer Schmalspurbahnen bei der Entstehung der Waldbrände. Die Mehrzahl der Feuer in der Vergangenheit sei an der Trasse der Brockenbahn ausgebrochen. Da müsse man sich fragen, ob die Bahn nicht doch Verursacher sei. Er wünsche sich dazu eine ehrliche Debatte.

Ich wünsche mir eine offene und ehrliche Debatte darüber. Mir ist bewusst, dass die HSB eine heilige Kuh ist und ein wichtiges Stück Tourismus in Sachsen-Anhalt. Wir möchten die Bahn nicht gefährden. Aber die Bahn gefährdet sich selber durch ihre Betriebsweise.

Friedhart Knolle, ehem. Nationalparksprecher

Knolle sagte, man müsse die Bahn modernisieren. Sie müsse im Jahrhundert der Klimakrise ankommen.

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MDR (Michael Rosebrock, Cornelia Winkler, Annekathrin Queck, Marvin Kalies) | Erstmals veröffentlicht am 07.09.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. September 2022 | 17:00 Uhr

2 Kommentare

Metulski vor 12 Wochen

Bei vielen erzeugt etwas was teuer ist Interesse. Wie wäre es mit € 5.000,-- bei Nichteinhaltung von entsprechenden Rauchverboten? Und weiterhin Übernahme der Folgekosten...

Harka2 vor 12 Wochen

Die Dampfloks der HSB sind nicht die Verursacher der Brände, es sind eher die Raucher, die auf den Wagenplattformen stehen und ihre Zigaretten in den Wald werfen. Rauchverbote interessieren die nicht und Aschenbecher gibt es keine.

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