Die Puppe eines schlangenartigen, gerippehaften Drachens hängt von der Decke. Im Hintergrund leuchten die Augen einer weiteren Drachenpuppe auf dem Boden.
Die Ausstellung "Von Spiegeln und Schildkröten" stellt Puppen aus unterschiedlichen Michael-Ende-Inszenierungen nebeneinander: vom Theater Plauen-Zwickau und dem Staatstheater in Schwerin. Bildrechte: Anjelika Conrad

Mit Fuchur fliegen Ausstellung im Puppentheater Magdeburg: Fantasien über Michael Ende

Sandra Meyer, MDR KULTUR-Korrespondentin für Sachsen-Anhalt

14. Dezember 2023, 04:00 Uhr

Wie unterschiedlich die Geschichten von Michael Ende aussehen können, zeigt das Puppentheater Magdeburg in einer Sonderausstellung. Ab dem 14. Dezember 2023 werden in der Villa P. Puppen, Figuren und Ausstattung aus unterschiedlichen Inszenierungen nach Geschichten des Erfolgsautors gezeigt. Interessierte sollen so die Vielfalt des deutschen Figurentheaters erleben und Einblicke in die Entstehung der Puppen erhalten.

Einmal dem Drachen Fuchur in die Augen schauen, unter ihm umherlaufen, wenn er durch die Luft fliegt – das kann man aktuell in der Ausstellung "Von Spiegeln und Schildkröten" im Magdeburger Puppentheater. Und das Spannende ist: Hier hängen sogar zwei. Kuratorin Miriam Locker erklärt, warum: "Wer kennt nicht diesen großen, kuscheligen Drachen aus dem Film 'Die unendliche Geschichte'. Deswegen haben wir geguckt, dass wir einen Drachen aus einer Theaterinszenierung finden, der diesem Drachen ähnlich ist. Dem Drachen haben wir einen anderen aus dem Puppentheater Zwickau gegenübergestellt, der etwas darüber erzählt, wie man diesen Drachen noch interpretieren kann. Das ist gar kein kuscheliger Drache, aber auch ein schöner, beeindruckender Drache, der durch diesen Raum fliegt."

Blick auf den Kopf einer flauschigen, hundeartigen Drachenpuppe mit großen Augen.
Die meisten Menschen denken bei Fuchur an den flauschigen Drauchen aus der Verfilmung von "Die unendliche Geschichte aus den 80er-Jahren – so auch das Staatstheater in Schwerin. Bildrechte: Anjelika Conrad

Ausstellung über Michael Endes Charaktere

Der Drache Fuchur ist wohl die bekannteste Kreatur von Michael Ende, oder doch Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer? Ach, es gibt so viele und einigen kann man in der Villa P. begegnen. Dabei geht es nicht um Vollständigkeit, sagt Locker. Zu groß sei das Werk des Autors, dessen Bücher in 40 Sprachen übersetzt und in Film und Fernsehen, Hörspiel oder eben Theater inszeniert wurden.

Eine kleine Puppe sitzt in einer Miniaturszenerie auf der Toilette.
Lukas der Lokomotivführer und Jim Knopf leben in Lummerland unter König Alfons dem Viertel-vor-Zwölften – gebaut von Mechtild Nienaber am Puppentheater Magdeburg. Bildrechte: Anjelika Conrad

In der Magdeburger Ausstellung geht es um die Puppenkreationen für die Theaterbühne. Sie alle sind unglaubliche Charaktere, die sich Menschen beim Lesen der Geschichten vorstellen, die bei jeder neuen Inszenierung auch beim Puppenbauer eine neue Gestalt und damit einen neuen Ausdruck bekommen.

Wir begegnen dem Felsenbeißer aus der unendlichen Geschichte. Wir begegnen dem kleinen Traumfresserchen, dem Nashorn Nackendick, dem Kater Maurizio di Mauro und dem Raben Jacob Krake aus dem satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch.

Miriam Locker, Kuratorin am Puppentheater Magdeburg

Interpretationen in Magdeburg und Halle

Der Vergleich sei gerade in Sachsen-Anhalt wunderbar möglich, sagt die neue Intendantin des Puppentheaters Magdeburg, Sabine Schramm. Denn am Haus waren in dieser Spielzeit bisher schon drei Inszenierungen nach den Geschichten von Michael Ende zu sehen: "Traumfresserchen", "Die unendliche Geschichte" und die hallesche Produktion "Momo" als Gastspiel. "Das war Anlass für uns, die Leute einzuladen, um einen anderen Einblick zu kriegen – den, den Theatermenschen in der bildenden Kunst auch haben, um Figuren von Michael Ende umsetzen, greifbar, haptisch machen zu können." Die Ausstellung "Von Spiegeln und Schildkröten" soll auch "eine kleine Reise in andere Theaterwelten, andere Theater in Deutschland" sein.

Weil Endes Geschichten so populär sind und sicherlich jeder Mensch eine von ihnen kennt, kann man sich wunderbar darüber austauschen. So ist die Schau in der Magdeburger Villa P. im besten Sinn ein Familienerlebnis. Denn für Groß und Klein und gerade auch für das Puppentheater sind die Figuren Michael Endes auf unterschiedliche Weise faszinierend, findet Kuratorin Miriam Locker, "da diese Figuren so vielseitig, so facettenreich, so fantasievoll, zum Teil philosophisch tief sind. Es sind Fabelwesen, die unterschiedlich auslegbar und deutbar sind und die einfach ganz andere Welten erschaffen, die mit der realen Lebenswelt relativ wenig zu tun haben."

Eine feingliedrige Puppen mit weißem Stofumhang hängt an Fäden.
Die Puppen in der Magdeburger Ausstellung sind von unterschiedlicher Machart: das Mondkind aus "Die unendliche Geschichte" vom Puppentheater Zwickau. Bildrechte: Anjelika Conrad

Entstehung der Puppen nachvollziehen

Tatsächlich hatte Michael Ende eine starke Affinität zum Puppentheater. Umso schöner, wenn man in Magdeburg sieht, wie seine Charaktere, seine Fantasiegestalten, einen Körper bekommen. Dabei ist es spannend, zu sehen, welchen Unterschied es macht, ob eine Figur beschwingt an Fäden hängt oder als Handpuppe geknautscht werden kann. "Wir können hinter die Kulissen schauen, lernen die Puppenbauerin vor allem der Puppen in 'Die unendliche Geschichte' in Magdeburg kennen", erzählt Locker. "Da sehen wir das Skizzenbuch, die Materialien und Fotos der fertigen Inszenierung. Wir können sozusagen den kompletten Weg des Puppenbaus miterleben."

Ein Person mit einem riesigen, unförmigen Puppenkopf steht neben zwei weiteren Menschen in schlichter Kleidung. Im Hintergrund steht: "Tu, was du willst".
Die Inszenieung von "Die unendlichte Geschichte" am Puppentheater Magdeburg war ein Anlass für die Ausstellung. Bildrechte: Puppentheater Magdeburg/Anjeliq Conrad

Daneben gibt es Hörstationen aber auch etwas zum Mitmachen. So ist es ein verheißungsvoller Ausflug in das Land der Fantasie und eine wunderbare Ergänzung des Figurenspiels auf der Bühne.

Angaben zur Ausstellung "Von Spiegeln und Schildkröten. Die Puppenwelt des Michael Ende"
Sonderausstellung vom 14. Dezember 2023 bis 7. April 2024

Adresse:
Villa P.
Warschauer Straße 25
39104 Magdeburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag, von 11 bis 17 Uhr

Redaktionelle Bearbeitung: tsa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 14. Dezember 2023 | 08:40 Uhr

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