Visualisierung eines neuen Wohngebietes
Bildrechte: Elbhafen Projekt GmbH

Milliardeninvestition Elbhafen Magdeburg: Vom Schandfleck zum modernen Wohnviertel

von Sören Thümler, MDR SACHSEN-ANHALT

19. Januar 2024, 15:56 Uhr

Im Magdeburger Süden soll auf dem brachliegenden Gelände der ehemaligen Chemie-Fabrik Fahlberg-List das neue Wohnquartier "Elbhafen" entstehen. Bei einer Bürgerversammlung wurden nun die Pläne vorgestellt, die bis 2035 realisiert werden sollen.

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Eine Investition von einer Milliarde Euro in ein komplett neues Stadtviertel – diese Idee lockte am Mittwochabend mehr als 100 Magdeburgerinnen und Magdeburger in das alte Verwaltungsgebäude der ehemaligen Chemie-Fabrik Fahlberg-List. Im Vorfeld hatten die Besucher die Möglichkeit, bei einem Rundgang das alte Betriebs-Gelände und die zu sanierende Fläche anzuschauen.

Unter den interessierten Personen waren auch Menschen, die dort jahrelang ihren Arbeitsplatz hatten, wie der Magdeburger Uwe Finke. Er erzählte vom Gestank in den 80er-Jahren und den "blinden" Fenstern in den umliegenden Wohnungen. Ihn freut die neue Chance für die alte Industriebrache: "Es kann nicht auf jedem brachliegenden Gelände ein neues Autohaus oder ein Betrieb entstehen. Ich bin dafür, dass hier die Erweiterung zum Fluss hin für Salbke und Westerhüsen entsteht".

3.000 Wohnungen und bis zu 1.000 Arbeitsplätze geplant

Die Stadt Magdeburg will den Flächennutzungsplan von 2004 jetzt ändern. Denn damals war auf dem Gelände nur Gewerbe vorgesehen. Nun soll ein Mischgebiet aus wohnen und Gewerbe erlaubt sein.

Die Elbhafen-Projekt GmbH will auf dem rund 30 Hektar großen Areal 3.000 Wohnungen sowie Gewerbe-Gebäude mit bis zu 1.000 Arbeitsplätzen bauen. Das zu bebauende Gelände erstreckt sich dabei 1,3 Kilometer entlang der Elbe und bis zu 400 Meter in Richtung Hauptverkehrsstraße Alt-Westerhüsen. Geplant sind zwei- und dreigeschossige Wohnhäuser mit Dachbegrünung, Büroflächen, Platz für Gastronomie, zwei Spielplätze und auch großzügige Grünflächen.

Das Viertel soll über zwei Hauptstraßen erreichbar sein, auf denen maximal Tempo 30 erlaubt sein wird. Weitere Wege werden verkehrsberuhigte Zonen. Park-Flächen soll es in Tiefgaragen oder Parkdecks geben. Geplant ist auch, den alten Silo und alte Gleise als Landmarke zu erhalten. Und es gibt das Versprechen der Projektentwickler, den Elberadweg durch das neue Wohngebiet zu führen und eine attraktive Uferpromenade zu gestalten, die allen Menschen frei zugänglich sein soll.

Drei große Silotürme in Magdeburg
Die Silotürme von Fahlberg-List sollen auch nach dem Umbau erhalten bleiben. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Altlasten im Boden sind Hauptproblem

Doch bevor das alles entstehen kann, muss noch eine Hürde genommen werden: Der Boden des Geländes ist durch Quecksilber und andere Chemikalien extrem belastet. Er wird aber nicht abgetragen, sondern durch ein spezielles Verfahren verkapselt. Verschiedene Schichten werden dabei über dem belasteten Boden aufgebracht, erklärte Professor Harald Burmeier von der beauftragten Sanierungs-Firma.

"Wir werden auf Dauer eine Sicherungsmaßnahme haben, die eine besorgnis-freie Nutzung des Geländes erlaubt, damit keine Gefährdung von dem Grundstück ausgeht und damit die Grundstücke auch verkaufs-fähig und die Wohnungen nutzungs-fähig sind. Wir wollen versuchen, das Schmuddel-Image, was solche Flächen ja immer haben, generell herauszubekommen", so Burmeier. Der aufgeschüttete Mutterboden von bis zu einem Meter soll auch von der Intel-Baustelle in der Börde kommen.

3D-Modell eines neuen Wohngebietes in Magdeburg-Salbke
Zahlreiche Menschen nutzten die Gelegenheit, um sich über die Projektpläne zu informieren. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Weitere Bauprojekte im Süden Magdeburgs geplant

Die Stadt Magdeburg freut sich nach Aussage des Bau-Beigeordneten Jörg Rehbaum über die Planungen und die Investition. Wenn alle Genehmigungs- und Beteiligungs-Verfahren positiv laufen, soll das Projekt bis 2035 realisiert sein.

Das Elbhafen-Projekt ist dabei nur ein Teil der Umgestaltung in Magdeburgs Süden. Auf dem ehemaligen RAW-Gelände sollen ebenfalls neue Wohnungen und neue Infrastruktur entstehen. Die Stadt will bis dahin die Hauptverkehrsstraße vom Zentrum Richtung Schönebeck und die Straßenbahnhaltestellen sowie die Zugänge zur S-Bahn ertüchtigen.

MDR (Sören Thümler, Lucas Riemer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Januar 2024 | 17:00 Uhr

10 Kommentare

kaktus-dieter vor 17 Wochen

Hoffentlich bezahlen die Leute dort die Gebäudeversicherung selbst und schreien nicht nach einer Haftpflicht auch für die die auf dem Berg leben, wenn das Hochwasser kommt

MDR-Team vor 17 Wochen

Nach unseren Informationen können wir nicht bestätigen, dass Intel Auftraggeber ist. Wir bleiben aber an dem Thema dran und prüfen die Hintergründe der Investition.

wuff vor 17 Wochen

Das Intel der Auftraggeber ist, wird garnicht erwähnt. Die Grundsteuer wird sicher die günstigste in Magdeburg sein, aber über die Mieten wird man mit den Augen rollen. Schön das Intel von den 10 Mrd. eine abzwacken konnte, um sich erst mal noch Eigentum zu sichern.

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