Handwerk Malerfirma aus Magdeburg trotzt dem Nachwuchsmangel

Einen eigenen Meister und eine eigene Werkstatt nur für Auszubildende? Gibt es bei den Malerfüchsen in Magdeburg. Wie das Unternehmen auch dank Social Media und zeitgemäßem Marketing immer mehr Nachwuchs gewinnt.

Malerfüchse
Von den 57 Mitarbeitern der Malerfüchse sind 17 Auszubildende. Bildrechte: MDR/Engin Haupt

Welche Erfolge schon zu verzeichnen sind? Rocco Dier steht im Flur eines Einfamilienhauses in Osterweddingen und reißt die Hände nach oben. "Wir stehen mitten im Erfolg", sagt der Malermeister und Ausbilder der Malerfüchse. Im Hintergrund arbeiten die neuen Auszubildenden des Magdeburger Unternehmens. "Sie sind erst seit zwei Wochen bei uns dabei und jetzt schon in der Lage, ein ganzes Haus mit Raufaser zu kleben", sagt Dier auf der Baustelle. "Das spricht doch für sich."

Seit Jahren klagen Handwerksbetriebe über Nachwuchsmangel. Anders die Malerfüchse: Neben 40 bereits ausgebildeten Fachkräften gehören 17 Lehrlinge zum Unternehmen. Es werden von Jahr zu Jahr mehr. Was machen die Malerfüchse also anders als andere Betriebe? "Wir bemühen uns einfach um die jungen Menschen", sagt Inhaber Robert Schütze. Und: "Wir versuchen, ihnen zu zeigen, dass auch das Handwerk und in unserem Fall der Beruf des Malers cool und modern sein kann."

Als Facebook, Instagram und TikTok vertreten

Das fängt beim Umgangston an. Der ist auf Baustellen mitunter ein rauer. Aber: "Hier ist das anders", sagt Sven Hausburg, Auszubildender im ersten Lehrjahr. "Ich hatte schon bei meinem Bewerbungsgespräch ein super Gefühl und das hat sich fortgesetzt. Das Miteinander hier ist einfach sehr einladend." Genau wie die Internetseite der Malerfüchse, die von allen Auszubildenden an diesem Dienstagvormittag im August gelobt wird.

Inhaber Robert Schütze weiß, wie wichtig das ist. Oft ist die Website schließlich der erste Kontakt mit potenziellen Auszubildenden. Oder auch die Präsenz des Unternehmens auf den sozialen Netzwerken. "Deshalb haben wir jetzt unsere Facebook- und Instagram-Seite neu aufgesetzt und einen eigenen TikTok-Kanal gestartet", sagt Schütze und erklärt damit, was er meint, wenn er sagt: "Wir versuchen, für einen Handwerksbetrieb innovative Wege bei der Nachwuchsgewinnung zu gehen." Also dort sein, wo die Jugend ist.

Malerfüchse
Bildrechte: MDR/Engin Haupt

Wir versuchen den jungen Menschen zu zeigen, dass auch das Handwerk und in unserem Fall der Beruf des Malers cool sein kann.

Robert Schütze, Inhaber "Die Malerfüchse"

Dabei gehen die Malerfüchse aber auch klassische Wege, sind beispielsweise so oft wie möglich auf Berufsmessen vertreten. Und dort können sich Interessenten dann beispielsweise mit Hilfe einer VR-Brille realitätsnah anschauen, wie es auf den Baustellen so aussieht.

"Dadurch bin ich bei einer Messe auf den Betrieb aufmerksam geworden und war gleich überzeugt", sagt Leon-Pascal Mund, ebenfalls Auszubildender im ersten Lehrjahr. "Bislang habe ich das nicht bereut. Das ist genau der richtige Beruf für mich. Und unser Ausbildungsmeister tut wirklich viel für uns."

Raum für Fehler

Denn Nachwuchs zu gewinnen, ist die eine Herausforderung. Die Auszubildenden dann auch zu halten, die andere. Dafür gehen die Malerfüchse gleich in vielerlei Hinsicht einen besonderen Weg: Zum einen steht mit Rocco Dier ein Malermeister speziell für die Ausbildung der Lehrlinge zur Verfügung. "Das ist ein sehr erfüllender Job für mich, weil es einfach Spaß macht, zu sehen, wie die Jungs Fortschritte machen und wie dankbar sie sind", sagt Dier. "Wir bieten ihnen die nötige Hilfe an und sie nehmen diese auch an."

Malerfüchse
Bildrechte: MDR/Engin Haupt

Das ist ein sehr erfüllender Job für mich, weil es Spaß macht, zu sehen, wie die Jungs Fortschritte machen und wie dankbar sie sind.

Rocco Dier, Ausbildungsmeister "Die Malerfüchse"

So gibt es bei den Malerfüchsen nach der Berufsschule für die Auszubildenden die Möglichkeit, Nachhilfestunden in ihrem Unternehmen zu bekommen. "Wir machen mit Ihnen auch die Hausaufgaben und unterstützen sie da einfach", sagt Inhaber Robert Schütze. "In diesem geschützten Raum können sie sich eben doch leichter mal öffnen und auch über schulische oder persönliche Probleme sprechen. Diesen Raum wollen wir bieten und mehr als nur ein Arbeitgeber sein, sondern wie eine zweite Familie."

Apropos Raum: Den stellt das 2006 gegründete Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes zur Verfügung. Die Malerfüchse haben eine eigene Werkstatt nur für Azubis geschaffen. "Dort können sich die Lehrlinge ohne den Druck der Baustelle ausprobieren und auch mal was falsch machen", sagt Robert Schütze. "Dort können sie alles testen und Sachen, die sie noch nicht so gut können, verbessern."

Malerfüchse
Auch ein ansprechendes Grafik-Design gehört zum Marketing-Konzept der Malerfüchse. Bildrechte: MDR/Engin Haupt

"Wir bezahlen die Ausbildung ordentlich"

Vom modernen Marketing samt stylischem Branding auf der Arbeitskleidung bis hin zur Unterstützung bei schulischen Problemen: "Wir bemühen uns einfach wirklich um die jungen Menschen", sagt Robert Schütze. Denn: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele gar nicht wissen, was sie werden wollen. Also zeigen wir ihnen eine Perspektive auf."

Und, ganz wichtig: "Wir bezahlen die Ausbildung auch ordentlich", sagt der Chef. "Bei uns verdienen die Lehrlinge schon bis zu 900 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr. Wir wollen, dass sie vom ersten Tag an merken, dass sie mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt finanzieren können." Und dass die Erfolge auf den Baustellen auch entsprechend entlohnt werden.

MDR (Daniel George, Engin Haupt)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. September 2022 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

mensrea vor 20 Wochen

Und so meine Damen und Herren, ist man auch im Handwerk erfolgreich. Und wenn man genau hinschaut, dann sieht man, dass zwar Social Media und Messeauftritt und Coolness wichtige Faktoren sind. Aber eigentlich ist es was viel Simpleres. Die Azubis werden AUSGEBILDET. Sie laufen nicht nebenher, sind billige Arbeitskräfte oder machen die Drecksarbeit. Nee, sie werden wertgeschätzt und man bildet sie wiklich aus. Das was man eigentlich Sinn und Zweck der Ausbildung ist. Bravo.

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