Lehrermangel Schulstart: Mehr Unterrichtsausfall als je zuvor

Die Unterrichtsversorgung in Sachsen-Anhalt ist zum Schulstart schlechter als je zuvor. Laut Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) können wegen des Lehrermangels nur 92 Prozent des Unterrichts stattfinden.

Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit «Sp» am Anfang an eine Tafel.
In Sachsen-Anhalt kann Unterricht wegen des Lehrermangels immer seltener regulär stattfinden. Bildrechte: dpa

Mit Beginn des neuen Schuljahres wird in Sachsen-Anhalt so viel Unterricht ausfallen wie nie zuvor. Bildungsministerin Eva Feußner erklärte, angesichts des Lehrermangels werde eine Unterrichtsversorgung von landesweit 92 Prozent erreicht – dies sei der niedrigste Wert in der Geschichte des Bundeslandes. "Der Lehrkräftebedarf bleibt eine unserer größten Herausforderungen", sagte die CDU-Politikerin. An 267 Schulen im Land liege die Unterrichtsversorgung nach vorläufigen Zahlen sogar unterhalb von 90 Prozent. Erklärtes Ziel der Koalition von CDU, SPD und FDP sind 103 Prozent, um Ausfälle etwa wegen Krankheit oder Elternzeit abfedern zu können.

Zusätzliche Herausforderung durch Ukraine-Geflüchtete

Feußner erklärte, sie rechne zum Schulstart mit einer "weiter angespannten Unterrichtsversorgung". Besonders betroffen seien Sekundarschulen sowie Förder- und Gemeinschaftsschulen. Aufgrund der geflüchteten Kinder aus der Ukraine, von denen schon gut 6.700 im schulpflichtigen Alter in Sachsen-Anhalt seien, habe sich die Situation rund um fehlendes Lehrpersonal nochmals zugespitzt, erklärte die Bildungsministerin.

Um dem Lehrermangel entgegenzuwirken, seien in diesem Jahr bereits 758 Lehrkräfte neu eingestellt worden, hinzu kämen 349 Seiteneinsteiger. Insgesamt seien an den allgemeinbildenden Schulen des Landes 14.300 Lehrkräfte beschäftigt. Zwischen 700 und 1.000 Lehrerinnen und Lehrer würden jedes Jahr den aktiven Schuldienst verlassen. Der Schulbetrieb beginnt am Donnerstag. Nach Angaben von Feußner werden mit dem neuen Schuljahr in Sachsen-Anhalt 19.500 Kinder eingeschult.

Zusätzliche Studienplätze in Halle

Um weitere Lehrkräfte anzustellen, bekämen unter anderem Absolventinnen und Absolventen eines Lehramtsstudiums rechtzeitig ein Einstellungsangebot, erklärte Feußner. An der Uni Halle gebe es zudem zum Wintersemester 200 zusätzliche Studienplätze. Auch in Magdeburg solle das Lehramtsstudium stärker in den Fokus rücken und das Anreizsystem mit Blick auf schwer zu besetzende Lehrerstellen weiterentwickelt werden. Schon heute gibt es dort eine höhere Bezahlung.

Zuvor hatte bereits die Lehrergewerkschaft GEW in Sachsen-Anhalt massiven Unterrichtsausfall angemahnt. Die Landesvorsitzende Eva Gerth sagte MDR SACHSEN-ANHALT, mit Schuljahresbeginn dürfte an vielen Schulen jede zehnte Stunde ausfallen. An Sekundar- und Gemeinschaftsschulen habe die Unterrichtsversorgung schon im vergangenen Schuljahr unter 90 Prozent gelegen. Nur an den Gymnasien sei die Situation etwas besser.

MDR (Felix Fahnert, Kevin Poweska)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. August 2022 | 16:00 Uhr

14 Kommentare

ElBuffo vor 23 Wochen

Man hätte vor allem nicht jeden sinnlos durchschleifen müssen. Dann wäre rechtzeitig Geld für neue dagewesen. Selbst jetzt ringt man sich nicht dazu durch, sondern vergrault Lehrkräfte mit einer Befristung nach der anderen.

ElBuffo vor 23 Wochen

Ja, das versteht in der Tat keiner, warum die Dauerkranken nicht einfach zu Hause krank sein können und stattdessen Stellen blockieren und die Schulverwaltung sinnlos beschäftigen.

Gernot vor 23 Wochen

Deine Theorie, der Krieg um die Ukraine wäre die Ursache für diese missliche Situation, ist absoluter Unfug und echt falsch
Der Mangel an Lehrkräften ist historisch gewachsen. Das was wir heute erleben, war bereits vor Jahren- lange vor dem Ukrainekrieg - absehbar. Statistiken belegen es eindeutig, das die immer geringere Anzahl zur Verfügung stehender Lehrkräfte für die Zahl der Schulkinder nicht ausreichend ist. Und , das Ende ist noch nicht erreicht.

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