Eine mit Blumenerde gefüllte Schubkarre steht auf einem Blumenfeld 2 min
Zum Hören: Die Herrenbreite ist das grüne Wohnzimmer von Aschersleben Bildrechte: Tom Gräbe/MDR
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Nachhaltigkeit Was die Landesgartenschau in Aschersleben der Stadt gebracht hat

17. April 2024, 13:34 Uhr

Am Freitag eröffnet in Bad Dürrenberg der größte Garten Sachsen-Anhalts. Die Landesgartenschau ist nach Zeitz, Wernigerode, Aschersleben und Burg bereits die fünfte Blumenschau. Viel Geld fließt in die Sanierung von Parks. Aber was bringt so eine Blumenschau, wenn die letzte Blume verblüht und der letzte Besucher gegangen ist? Wie nachhaltig sind Landesgartenschauen? Ein Besuch im Grünen Wohnzimmer von Aschersleben – 14 Jahre nach der Landesgartenschau.

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Auf dem Hauptweg der Herrenbreite, dem Park vor dem Bahnhof in Aschersleben, ist Flatterband gespannt. Ein Banner markiert Start und Ziel des Einetallaufs, eines jährlichen Wettbewerbs der Laufsportgemeinschaft Ascania. 750 Läufer haben sich angemeldet. Auf den Wiesen des Parks stehen Versorgungszelte, am Rand des Weges liegen schon fein säuberlich aufgereiht die Medaillen.

Ein grünes Wohnzimmer

Die Herrenbreite mit ihren Wiesen, den Beeten, dem Springbrunnen in der Mitte, dem Café und den Spielgeräten ist so etwas wie das grüne Wohnzimmer der Stadt. Bei schönem Wetter eine Flaniermeile und heute eine Laufstrecke. "Es ist ein Park für alle und es ist schön, dass er weiterhin so genutzt wird", stellt Silvio Merkwitz fest. Einer der Organisatoren des Laufsport-Events.

Ein Mann mit Brille und Vollbart schaut in die Kamera.
Für Silvio Merkwitz, einer der Organisatoren des Einetallaufs, ist es schön, dass der Park weiterhin genutzt wird und ein Ort für alle ist. Bildrechte: Tom Gräbe/MDR

Die Sportler laufen vorbei an einem gelben Band aus Narzissen und Osterglocken. "Zehntausende stehen hier allein auf der Herrenbreite", sagt Lars Heidenreich. Er ist bei der Aschersleber Kulturanstalt verantwortlich für die Parks, die während der Landesgartenschau entstanden sind. Die Grünflächen ziehen sich vom Bahnhof bis weit in den Süden der Stadt. Der Gärtner ist zufrieden mit der Frühjahrsbepflanzung. "Durch guten Wasservorrat im Boden haben sich die Frühblüher entsprechend gut entwickelt."

Die Grünanlagen zu pflegen, ist aufwendig

Die Herrenbreite, der Bestehornpark nebenan, der Stadtpark und die Eine-Terrassen gehören seit der Landesgartenschau zum Netzwerk Gartenträume. Eine Marke, unter der in Sachsen-Anhalt Parks als Reiseziele vermarktet werden. Die Anlagen zu pflegen, ist aufwendig – auch wenn die Bepflanzung längst nicht mehr so opulent ausfällt wie zur Landesgartenschau 2010. "Man sieht mindestens 20 Mann jeden Tag hier, die immer damit beschäftigt sind, die Parkanlagen auf diesem Niveau zu halten", sagt Lars Heidenreich.

Ein Mann mit Brille, kurzen schwarzen Haaren und brauner Jacke blickt in die Kamera. Im Hintergrund ist eine Parkanlage zu sehen.
Lars Heidenreich ist bei der Aschersleber Kulturanstalt für die Parks verantwortlich. Bildrechte: Tom Gräbe/MDR

In den Ausbau der Grünanlagen, in die Umgestaltung des Parks vor dem Bahnhof, die Sanierung der Außenanlagen der ehemaligen Industriebrache Bestehornpark und die Neugestaltung des verwilderten Stadtparks sind in den Nullerjahren Millionen geflossen. Auf der Herrenbreite klettern Kinder nachmittags über hölzerne Spielgeräte, es gibt Kunstobjekte – wie die Skulptur eines Mondes, gefertigt vom Künstler Moritz Götze. Der Unterhalt der Anlagen sei der große Knackpunkt, stellt Lars Heidenreich fest.

"Natürlich unterliegen die Spielgeräte einem Verschleiß im Laufe der Jahre." Da müsse Geld eingeplant werden und auch neu investiert werden. Die hölzernen Spielgeräte hätten ihre Lebensdauer inzwischen eigentlich überschritten. Arbeiten stehen auch an einem besonders beliebten Spielgerät auf der Herrenbreite an: der Karawanserei – Arbeiten, die viel Geld kosten dürften.

Vandalismus ist ein Problem

Die Parks werden genutzt. Morgens von Joggern, Spaziergängern, von Schulklassen, Kindergartengruppen. Neuerdings treffen sich regelmäßig Jugendliche zum Cricket-Spielen auf der Herrenbreite. Der Park ist ein Treffpunkt. Aber wo sich viele Menschen treffen, gibt es auch Probleme. Die Stadt hat sich nach der Landesgartenschau dafür entschieden, die Zäune stehen zu lassen – die Parks nachts abzuschließen. Geblieben ist nicht nur die Einfriedung, sondern auch eine Dauer-Diskussion um das Hunde- und Radfahrverbot auf den Flächen.

Ein großes Problem ist auch Vandalismus – Zerstörungen an Spielgeräten oder auf den öffentlichen Toiletten in den Parks. Die Liste ist lang. Und insbesondere auf der Herrenbreite gibt es ein Problem mit Kriminalität. Der Park ist als gefährlicher Ort eingestuft. Seit ein paar Wochen überwacht die Polizei die Fläche mit Videokameras.

Aschersleben ist auf der touristischen Landkarte gelandet

Davon dürften die Besucher der Neo-Rauch-Grafik-Stiftung wenig mitbekommen. Der Ausstellungsort ist das wohl einzige wirklich überregionale Reiseziel. Der weltberühmte Maler ist hier in der Stadt aufgewachsen und stellt in der kleinen Galerie Werke aus. Und wer genau hinschaut, sieht bei einigen der Grafiken charakteristische Bauten, die auch aus Aschersleben stammen könnten. "Schauen Sie: der Wasserturm und der Güterbahnhof", sagt Stiftungsleiterin Sylvia Käther.

Vater und Sohn in der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben eröffnet. 2 min
Zum Hören: Wie die Landesgartenschau in Aschersleben dazu geführt hat, dass mehr Touristen in die Stadt kommen. Bildrechte: imago images / Felix Abraham
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Die Wege des jungen Malers durch die Stadt dürften damals auch an einer alten Verpackungsfabrik vorbeigeführt haben. Heute befindet sich hier ein Park, der auch ein Schulhof ist – inmitten eines Bildungscampus – mit mehreren Grundschulen und einer Gemeinschaftsschule. Saniert und umgebaut wurde das Areal vor der Landesgartenschau 2010. Die Stadt hatte seinerzeit die Internationale Bauausstellung – ein Umbauprogramm für schrumpfende Städte in Sachsen-Anhalt – mit der Ausrichtung der Landesgartenschau verbunden. Geblieben sind unter anderem die Parks und der Bildungscampus.

"Und da kommen wir nämlich auf eine Situation, dass wir viele Gäste von außerhalb haben. Bundesweit kann man sagen, die erst einmal wegen der Stiftung kommen", sagt Silvia Käther. Besuchern gibt sie Stadtführer mit. Und Tipps für Cafés, weitere Ausflugsziele. Geblieben sind von der Landesgartenschau 2010: Netzwerke.

Tulpenfeld in Schwaneberg bei Magdeburg 45 min
Bildrechte: MDR/Jim Günther

Besucherzahlen mehr als verdoppelt

Der Erfolg lässt sich messen. Die Übernachtungszahlen haben sich mehr als verdoppelt, von 17.000 im Jahr 2009 auf über 40.000 im Jahr 2022. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. Aschersleben ist eher ein Kurzreiseziel.

Besucher kommen auch zu zahlreichen Events, die in den Parks stattfinden. Zum Ascania-Pferdefestival, zum Gildefest, einem Spektakel mit Rummel auf der Herrenbreite, zu Konzerten. Die Wiesen sind als Veranstaltungsflächen konzipiert. Hier können auch schwere Fahrgeschäfte stehen. Für Diskussionen sorgt allerdings immer wieder der Zustand des Rasens nach Veranstaltungen. Aber, der wächst wieder.

Vor einer Bühne stehen viele Menschen
Die Herrenbreite in Aschersleben ist auch eine Fläche für große Veranstaltungen – wie das Gildefest im vergangenen Jahr. Bildrechte: Tom Gräbe/MDR

Gartenschau-Niveau: eine Frage der Erwartungen

Lars Heidenreich von der Ascherslebener Kulturanstalt sagt mit Blick auf die Blumenschau in Bad Dürrenberg, das Wichtigste sei, die Anwohner aufzuklären. "Dass natürlich nicht alles so zu 100 Prozent erhalten werden kann nach einer Landesgartenschau." Aber, jede Investition lohne sich. Eine Landesgartenschau sei auch eine Messe. Eine, die nach ein paar Monaten wieder endet.

Und, wenn der letzte Gast gegangen ist, das letzte Kassenhäuschen abgebaut ist, dann ist zwar die Blumenschau vorbei - was aber bleiben dürfte, ist ein grünes Wohnzimmer für Bad Dürrenberg.

MDR (Tom Gräbe, Sebastian Gall)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. April 2024 | 18:40 Uhr

6 Kommentare

maheba vor 5 Wochen

Meines Wissens nach war der Kurpark, also das Gelände der Schau vorher schon da und in einen recht guten Zustand. Er wurde immer schon zur Erholung genutzt. Es musste kein neues und dann später ich mehr genutztes Gelände erschaffen werden. Es fanden Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen im Park statt. So ist also sehr nachhaltig.

weils so nicht unwidersprochen bleiben darf vor 6 Wochen

Ob wirklich IRGENDEIN Tourist wegen der "Reste" der alten Gartenschau nach Aschersleben kommt, würde ich doch sehr bezweifeln; die "Zuwächse" dürften sich anderen Effekten (oder schlicht veränderter Zählung) verdanken. Einheimische mögen sich immerhin über ein paar Parks mit Blümchen freuen und wohler fühlen.
Das grössere Problem in puncto Tourismus in den "sterbenden Städten" S-Anhalts ist eher, dass der einmal angelockte Tourist kein "Leben" vorfindet, und daher auch kein Geld dalässt. Beispiel etwa das grosse Luther-Jahr 2017 in Eisleben, bei dem man beim Gedenkstätten-Besuch ausser Parkgebühren (damals noch nichtmal so schlimm!) allenfalls noch Geld für ein Eis in einem der spärlich gesäten Cafes der Stadt ausgeben konnte; ein ganzer Abend dort hätte einen als Tourist bereits zu Tode gelangweilt...

Dermbacher vor 6 Wochen

Landesgartenschauen in Sachsen-Anhalt sollten nicht nur dazu da sein, um eine Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen und Städtebaumaßnahmen zu erhalten z.B wie in Burg!

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