Mitarbeiter des Johanniter-Krankenhaus Stendal
Am Johanniter-Krankenhaus Stendal arbeiten Menschen aus 30 Nationen zusammen. Bildrechte: MDR/Lydia Zahn

Johanniter-Krankenhaus Stendal Wie ausländische Mitarbeiter integriert werden

22. Februar 2024, 13:30 Uhr

Das Johanniter-Krankenhaus in Stendal hat viele ausländische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die meisten kommen aus Russland, der Ukraine und Indien. Die aus Ägypten stammenden Ahmed Akil und Walaa Abouhalima erzählen, wie sie in den Krankenhausalltag integriert werden und warum die Sprachbarriere meistens nicht das größte Problem ist.

Knapp 200 der über 800 Angestellten des Johanniter-Krankenhauses in Stendal sind Ausländer. Den Großteil machen Kräfte aus Russland, der Ukraine und Indien aus. Aber auch vier Ägypter und Ägypterinnen sind dabei. Zwei von ihnen sind der 26-jährige Ahmed Akil und die 32-jährige Walaa Abouhalima.

Beide haben bereits in ihrer Heimat Erfahrungen in der Pflege gesammelt und dort den Bachelor in Pflegewissenschaften gemacht, das Fach also studiert. Doch bevor die beiden in Deutschland als Gesundheits- und Krankenpfleger arbeiten können, müssen sie zunächst eine Menge Erfahrungen auf der Station sammeln und Prüfungen bestehen. 

Johanniter-Krankenhaus Stendal
Am Johanniter-Krankenhaus in Stendal arbeiten unter anderem viele Menschen aus Russland, der Ukraine und Indien. Bildrechte: MDR/Lydia Zahn

Sprache als Herausforderung

Ihr Praxisanleiter, Fachpfleger Michael Maaß, ist optimistisch, dass sie das schaffen. Er steht seinen Kollegen unterstützend zur Seite und half bei der Eingewöhnung in Stendal. Doch abgesehen davon gibt es natürlich noch andere herausfordernde Aspekte zu meistern. Beispielsweise die Sprachbarriere. 

Akil spricht schon ziemlich gut Deutsch, und das, obwohl er erst seit drei Monaten in Deutschland ist. "Ich versuche immer in meiner Freizeit, die Sprache so schnell wie möglich zu beherrschen, weil die Sprache hier eine entscheidende Rolle spielt", erzählt er.  

Schon in der Heimat Deutsch geübt 

Für den 26-Jährigen stand aber schon früher fest, dass er nach Deutschland kommen will. Also eignete er sich bereits in Ägypten grundlegende Deutschkenntnisse an. Auch Walaa Abouhalimas Fortschritte sind deutlich zu merken. 

"Man merkt jede Woche, dass die Sprache besser wird", betont Maaß. Auch weiß er, dass die Umstellung für seine ausländischen Kollegen nicht leicht ist. "Die müssen sich ein Stück weit natürlich immer anpassen, weil die Mentalität doch ein bisschen anders ist, aber das geht eigentlich relativ schnell", findet er.

Dabei gibt es zwischen Pflegekräften und Fachärzten keine Unterschiede. Der Betrieb kommt den ausländischen Mitarbeitern auch entgegen: Das Krankenhaus bietet zum Beispiel den Muslimen die Möglichkeit, in einem "Raum der Stille" zu beten. 

Verständigung mit Kollegen und Patienten selten ein Problem 

Die Erfahrungen, die Walaa und Ahmed bisher in Deutschland gesammelt haben, seien größtenteils positiv gewesen, sagen die beiden Ägypter. Probleme mit Patienten gebe es eher selten, und wenn, dann eher mit den älteren. Die meisten seien aber an den Geschichten der ausländischen Kollegen interessiert. "Da kommen eigentlich fast nur positive Rückmeldungen. So ganz negative Sachen habe ich überhaupt noch nicht erlebt", berichtet Michael Maaß. 

Nicht nur positive Erfahrungen machte Walaa Abouhalima in ihrer vorherigen Wirkungsstätte an einem Krankenhaus südlich von Magdeburg. Ungern erinnert sie sich an das dort erlebte Mobbing – nicht durch Patienten, sondern durch Kollegen, die sie unter anderem damit aufzogen, dass sie ein Kopftuch trägt. In Stendal fühle sie sich, sagt Walaa, hingegen sehr wohl. Ihr Traum ist es, auch ihre beiden Söhne, die sieben und zehn Jahre alt sind, nach Deutschland zu holen. 

Zu wenig deutsche Bewerber 

Ohne den Zuwachs aus anderen Ländern könnten Krankenhäuser nicht überleben, bilanziert Ines Donner, die Kaufmännische Direktorin des Johanniter-Krankenhauses Stendal. Zu gering sei der Bewerberanteil der Deutschen, erklärt sie. Deshalb sei es umso schöner, Kollegen wie Walaa Abouhalima und Ahmed Akil im Team begrüßen zu können. 

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MDR (Lydia Zahn, Katharina Häckl, Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Februar 2024 | 10:45 Uhr

24 Kommentare

Tom0815 vor 7 Wochen

@pwsksk
Ich habe an Ihrem Beitrag keine Kritik geübt, sondern nachgefragt, was denn Ihre Lösung zu "Natürlich haben wir zuwenig deutsche Bewerber. Und die, die da sind, rennen sich die Hacken wund. Warum nur ist das so?" ist. Klingt ja, als hätten Sie eine Lösung.

Schön, dass sie Ihre Rente hoffentlich genießen können, aber Ihr Arbeitsleben bestand ja wie Sie schreiben "die Hacken wund laufen". Das klingt ja sehr nach etwas tun und Probleme/Aufgaben lösen. Super!
Aber warum verlegen Sie sich nun auf Andeutungen und unkonkrete Hinweise? Ich sag es mal hart und meine es nicht persönlich, aber von Gelaber wurde aus meiner Sicht noch nichts besser.

Später schreibt @DanielSBK von potentiellen AN, die als Fachkräfte tätig sein könnten, wenn man denn wollte? Auf Nachfrage, was denn der Hinderungsgrund ist, kommt nix. Aber für Lösungen braucht es eben mehr als "Gelaber".

MissGeschick vor 7 Wochen

Als ehemaliger Insider Frau Donner,sage ich ihnen ganz ehrlich wo das Problem liegt,dass es zu wenige deutsche Bewerber am Johanniter Krankenhaus Stendal gibt. Bei ihnen werden die Mitarbeiter nicht gepflegt,sicher schreiben sie,dass es einen Raum zum beten gibt,aber das die Neonatologie nicht mal einen Pausenraum hat obwohl neu gebaut,zum Beispiel.
Verstehen Sie endlich,dass die Pflegedienstleitung im Johanniter Krankenhaus neu besetzt werden muss!!!!!!!! dann kommen auch die zahlreichen Mitarbeiter zurück,die dauerkrank sind und die,die sie in den letzten 2 Jahren verloren haben.

randdresdner vor 7 Wochen

Was ist denn Ihrer Meinung nach der Grund für die aufgezeigten Situation? Und was wäre ihrer Meinung nach eine gute Lösung.
Ansonsten ist Ihr Kommentar auch nur eine Beschreibung der derzeitigen Situation

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