Sybille Gluch, Leiterin des Erzgebirgischen Spielzeugmuseums Seiffen, steht an einem Geländer vor einem Leuchter.
Sybille Gluch hat im September die Leitung des Spielzeugmuseums in Seiffen übernommen. Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Weihnachtsland Neue Chefin im Spielzeugmuseum Seiffen: "Ich liebe die Herausforderung"

01. Dezember 2023, 05:00 Uhr

Sybille Gluch führt im Spielzeugmuseum Seiffen das Lebenswerk von Konrad Auerbach weiter. Mehr noch: Sie möchte das Museum in die neue Zeit führen, vor allem die Jugend in die Museen locken, also ins Spielzeug- und ins Freilichtmuseum. Im Sommer 2022 war ihr Vorgänger Auerbach nach 33 Jahren im Amt in Rente gegangen.

Die große Pyramide in der Mitte der Dauerausstellung reicht über alle Stockwerke, die vielen Deckenleuchter funkeln im Schein der Strahler. Die Holzspielzeuge bringen immer wieder Besucheraugen zum Strahlen. Eine Besucherin plaudert los: "Ja, zum Beispiel den Kaufladen, den man selber als Kind hatte. Alles per Hand erarbeitet. Und wenn man sich die Reifen anguckt, dass man im Vorfeld weiß, was da für ein Tier entsteht. Das ist der Wahnsinn."

 

In einem offenen Museumsraum hängen erzgebirgische Leuchter, dahinter stehen Vitrinen mit erzgebirgischer Volkskunst.
Die Dauerausstellung des Seiffener Spielzeugmuseums zieht jährlich viele Gäste an. Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Die neue Museumsleiterin Sybille Gluch steht auf dem Balkon der Dauerausstellung. Ihr Blick schweift über alle Spielzeuge und über die Besucher, heute vor allem Senioren und kleine Kinder. Die Dauerausstellung liegt der Wahldresdnerin am Herzen. Die Schau bleibt: "Sie funktioniert immer noch - auch nach  20 Jahren. Was mich wirklich fasziniert, sind die Spielzeuge mit all ihren Formen, Größen, den ganzen Welten und den Geschichten drumherum."

Das Know-how im Handwerk hat gelockt

Gluch kommt aus Dresden nach Seiffen. Wochentags lebt die gebürtige Brandenburgerin seit Anfang September im Spielzeugdorf. An den Wochenenden pendelt sie zu ihrer Familie nach Dresden. Dort hat die Wissenschaftlerin bei den Staatlichen Kunstsammlungen im mathematisch-physikalischen Salon gearbeitet. Ihr Forschungsprojekt: die Geschichte der Präzisionsuhren.

Die Handwerkskunst der Spielzeughersteller im Spielzeugwinkel hat die Wissenschaftlerin schließlich nach Seiffen gelockt. Denn aus ihrer Sicht verbindet das Handwerk beide Sparten: die Uhrenmacher und die Holzspielzeughersteller. "Es steckt viel Know-how in den Dingen."

Frischer Wind im Spielzeugmuseum

Die Dauerausstellung im Spielzeugmuseum bleibt ein Dauerbrenner. Sybille Gluch möchte diesen Schatz durch einen neu gestalteten Sonderausstellungsbereich ergänzen, "der sich leichter verändern lässt. Wir haben einen Sonderausstellungsbereich in der dritten Etage. Es wäre schön, dort ein anderes System aufbauen zu können, so dass wir leichter Ausstellungen auf- und abbauen können und auch flexibler sind."

In einem Treppenhaus hängt ein erzgebirgischer Leuchter.
Zur Dauerausstellung soll ein neuer Bereich für Sonderausstellungen hinzukommen. Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Grundsätzlich gehe es darum, dort so viele Geschichten wie nur möglich zu erzählen. Geschichten über das Leben der Menschen in Seiffen damals und heute. Für eine erste große Schau wird gerade Material im Spielzeugdorf gesucht. Momentan werkelt Gluch in der dritten Etage an der Adventsüberraschung: "Weil ich ja erst so kurze Zeit hier bin, werden wir eine Traumgeschichte zeigen. Ein kleine Ecke im Dachgeschoss. Die wird aber anders aussehen als alles, was man sonst im Museum sieht. Es ist ein Traum, der erzählt wird. Aber ich will noch nicht zu viel verraten." Zu sehen ist die Überraschung ab dem 1. Advent im  Spielzeugmuseum.

Jugend ins Museum locken

Die neue Leiterin ist fasziniert von den Spielzeugen und Geschichten, die sie erzählen. Im Depot ist sie auf ein besonderes Ausstellungstück gestoßen: auf ein Tischkegelspiel aus den 1920er-Jahren. Es ist bunt bemalt und zeigt Angehörige verschiedener Nationen: "Aber all diese Figuren zeigen natürlich den kulturhistorischen Hintergrund. Sie sind geprägt von der Propaganda der Zeit. Der Franzose etwa als 'Erbfeind' ist ganz grimmig dargestellt. Es gibt einen Russen, der ist wie ein Säufer dargestellt. Nur der Deutsche guckt der Kugel sehr gelassen entgegen."

Ein Holzspielzeug: zwei Hühner, durch eine Kurbel angetrieben, picken auf einem Tisch.
Viele Spielzeuge sind im Museum bereits ausgestellt. Andere sollen online in einem Museumsblog vorgestellt werden. Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Diese Faszination für historische Spielzeuge, die noch nicht im Museum zu sehen sind, will Sybille Gluch auf ihrem neuen Museumsblog "Was uns bewegt" teilen. Es geht ihr einerseits darum, konkrete Objekte vorzustellen, aber auch ein wenig aus dem Museumsalltag zu berichten. Mit dem Blog versucht die Museumsleiterin neues Publikum für die Spielzeugwelt zu interessieren und vor allem die Jugend in die Museen, also in das Spielzeug- und das Freilichtmuseum Seiffen, zu locken.

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