Dr. Justus Geilhufe, Pfarrer in Großschirma Sachsen
Justus Geilhufe ist seit drei Jahren Pfarrer in Großschirma. Bildrechte: Justus Geilhufe

Nach Bürgermeisterwahl Pfarrer von Großschirma: Debatte im Ort aufgeheizt und aggressiv

04. März 2024, 19:18 Uhr

Rolf Weigand ist der neue Bürgermeister von Großschirma. Der AfD-Landtagsabgeordnete konnte sich mit 59,4 Prozent gegen die Mitbewerber durchsetzen. Der Gemeindepfarrer hat mit MDR SACHSEN über die Stimmung im Ort gesprochen.

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Am Sonntag ist der AfD-Landtagsabgeordnete Rolf Weigand zum Bürgermeister in Großschirma gewählt worden. Das Wahlergebnis überrascht den Gemeindepfarrer Justus Geilhufe nicht. Es sei ein Ausdruck dafür, dass die Stimmung im Ort nicht gut sei, sagte er MDR SACHSEN. Das müsse geändert werden. Mit der Übernahme von Verantwortung durch AfD-Träger müsse nun auch geliefert werden. Viele der großen Ankündigungen der Partei werden nicht standhalten, so der Theologe.

In einer hochemotionalen, aufgeheizten und zunehmend aggressiven Debatte hätten die Leute an vielen Stellen aufgehört, miteinander zu reden, so Geilhufe. Man habe geredet und gehandelt nach dem Muster: "Der muss weg", so der Pfarrer mit Verweis auf Weigands verstorbenen Amtsvorgänger Volkmar Schreiter, mit dem er ein gutes Verhältnis gepflegt habe. An Schreiter sei dies nicht spurlos vorbei gegangen. Schreiter hatte sich im Oktober 2023 das Leben genommen. Deshalb musste der Bürgermeister vorzeitig neu gewählt werden.

In einer hochemotionalen, aufgeheizten Debatte haben die Leute an vielen Stellen aufgehört miteinander zu reden.

Justus Geilhufe Gemeindepfarrer Großschirma

Demokratieforscher: Warnsignal für Demokraten

Die Landesverbände der AfD in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt werden von den Landesverfassungsschutzämtern als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Der Leipziger Demokratieforscher Johannes Kiess sieht darum in dem Wahlerfolg der AfD ein "weiteres, unübersehbares Warnsignal" für alle Demokratinnen und Demokraten. "So demokratisch ist es in der sogenannten Mitte offenbar nicht", sagte Kiess am Montag dem Evangelischen Pressedienst.

Grüne: Wahlergebnis "bedrückend"

Die Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Christin Furtenbacher, hat das Wahlergebnis als "bedrückend" bezeichnet. Mit Landtagsanfragen wie beispielsweise der Frage nach Frauen im gebärfähigen Alter nach Nationalität untergliedert habe Rolf Weigand offen gezeigt, wessen Geistes Kind er sei. Ihn an der Spitze einer Stadt im Freistaat zu sehen, erfülle sie mit Sorge.

Das Ergebnis der gestrigen Wahl in Großschirma ist bedrückend.

Christin Furtenbacher Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen

Christin Furtenbacher, Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen, spricht auf dem Landesparteitag ihrer Partei in der Stadthalle Krone.
Die Grünen-Politikerin Christin Furtenbacher ist besorgt, weil es jetzt einen AfD-Bürgermeister in Sachsen gibt. (Archivbild) Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert

Geteiltes Echo bei Einwohnern

Ein Polizist, der in Großschirma lebt, sagte MDR SACHSEN, man werde sehen, was die kommenden sieben Jahre brächten. Eine Parteipolitik gehöre nicht in die Kommunalpolitik. Seinen Worten zufolge müsse in der Gemeinde eine Vielzahl an Projekten umgesetzt werden, wie die Muldenbrücke zu sanieren.

Ein anderer Mann führte aus, Weigand habe von den drei Kandidaten den besten Wahlkampf gemacht und am häufigsten mit den Bürgern gesprochen.

Einer Seniorin aus Großschirma zufolge müsste das Ergebnis respektiert werden, auch wenn rechtsextrem gewählt worden sei, was nicht sein müsse.

Wahl mit knapp 60 Prozent gewonnen

Der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Rolf Weigand hatte die Wahl um das Rathaus als Einzelkandidat in Großschirma mit 59,4 Prozent gewonnen. Wie der Politiker ankündigte, wolle er sein Amt überparteilich ausüben. Er sei ein Mann zum Anfassen. Die Bürger hätten ihn an vielen Orten erleben können und dieses Erleben gewählt.

MDR (wim)/epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 04. März 2024 | 19:00 Uhr

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