Migration Mehr Unterkünfte für Geflüchtete geplant - Erstaufnahmeeinrichtung fast belegt

15. Oktober 2022, 11:05 Uhr

Viele Thüringer Landkreise kommen mit der Unterbringung von Flüchtlingen nicht hinterher. Migrationsminister Dirk Adams will deshalb mehr Unterkünfte schaffen. Nach Angaben des Landesverwaltungsamts werden in diesem Jahr noch weitere 10.000 Geflüchtete in Thüringen erwartet. Die Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl nähert sich derweil der Kapazitätsgrenze.

In Thüringen sollen weitere Unterkünfte für die Aufnahme von Geflüchteten bereitgestellt werden. "Wir sind im Augenblick dabei, in dieser wirklich sehr angespannten Situation gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten alle Objekte, die wir aktivieren können, in Betrieb zu nehmen", sagte Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) am Freitag nach einem Treffen mit den Vertretern der Kommunen. Dazu gehöre sowohl eine Halle in Hermsdorf als auch die frühere Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenberg (beide Saale-Holzland-Kreis).

Es herrsche bei Landkreisen und beim Land große Not an Personal, das solche Aufgaben schnell übernehmen könne, sagte Adams. "Aber wir sind im Augenblick gefordert, die Leute zu finden - und das werden wir auch schaffen."

Landkreise: Kapazitätsgrenzen für Geflüchtete erreicht

Die Landkreise beklagen sich seit längerem, dass bei der Unterbringung der Ukraine-Geflüchteten die Kapazitätsgrenzen erreicht sind. Der Landkreistag forderte das Land und insbesondere den Ministerpräsidenten erneut in einem offenen Brief auf, selbst Unterkünfte bereitzustellen. Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) müsse die Verantwortung für Geflüchtete aus der Ukraine übernehmen.

Die Möglichkeiten der Landkreise zur angemessenen Unterbringung seien erschöpft, hieß es von der Präsidentin des Thüringischen Landkreistages, Martina Schweinsburg (CDU). Der Freistaat müsse selbst Gemeinschaftsunterkünfte anbieten und sich darum kümmern, ukrainische Kriegs-Geflüchtete schnell in Lohn und Arbeit zu bringen. Die Menschen müssten jetzt integriert werden.

Wir müssen die Leute, die arbeitswillig sind, jetzt integrieren und nicht ewig und drei Tage im Sozialsystem in Deutschland parken.

Martina Schweinsburg Präsidentin des Thüringischen Landkreistages

Die Landkreise fürchten demnach auch, dass die Aufnahmebereitschaft in der Bevölkerung sinkt, wenn etwa Turnhallen zu lange belegt sind.

Schon 30.000 Geflüchtete in diesem Jahr aufgenommen

In Thüringen wurden nach Zahlen des Landesverwaltungsamts in diesem Jahr bislang rund 30.000 Menschen aufgenommen - aus der Ukraine wie auch Asylbewerber aus anderen Ländern. Bis zum Ende des Jahres sollen rund 40.000 Geflüchtete in Thüringen untergebracht sein. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 wurden in Thüringen insgesamt knapp 30.000 Geflüchtete aufgenommen.

Das bedeutet, dass in den kommenden Monaten noch für Tausende in Thüringen eine Unterbringung gefunden werden muss. In der Vergangenheit kamen den Angaben des Migrationsministeriums zufolge jedoch deutlich weniger Menschen an, als angekündigt waren.

Landkreistag: Aufnahme objektiv nicht leistbar

"Das ist objektiv nicht mehr leistbar", sagte Schweinsburg. Zeltlager und Turnhallen seien im Winter keine Lösungen für Menschen. Die Zusicherung der Finanzierung durch das Land für 2022 sei dankbar angenommen worden. Für 2023 bräuchten die Landrätinnen und Landräte die gleiche Regelung - und das so schnell wie möglich. Auch brauche es dringend niedrigschwellige berufsspezifische Angebote. Auch der Deutschunterricht müsse dringend ausgebaut werden.

Migrationsminister Adams: Geflüchtete zeigen Verständnis

Alle aufgenommenen Menschen, Asylbewerber wie auch Geflüchteten aus der Ukraine, hätten "sehr, sehr, sehr viel Verständnis" für die aktuelle Situation, sagte Adams. Massenunterkünfte bis hin zu Turnhallen seien für viele für einige Wochen Realität - und würden geduldig getragen.

Suhler Erstaufnahmeeinrichtung fast ausgelastet

Derweil sind in der Suhler Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete aktuell bereits mehr als 1.100 Menschen untergebracht. Damit ist nach Angaben des Suhler Oberbürgermeisters André Knapp (CDU) die Kapazitätsgrenze so gut wie erreicht. CDU-Vertreter haben sich am Donnerstag ein Bild von der Lage in der Flüchtlingsunterkunft gemacht.

Wie der Leiter der Einrichtung, Alexander Theus, sagte, kommen täglich 70 bis 80 Geflüchtete an. Die Menschen könnten jedoch nur sehr langsam in die Landkreise verteilt werden. Aktuell wisse man von etwa 300 Bewohnern gar nicht, wer sie sind und woher sie kommen.

Unter den Bewohnern sind rund 100 Menschen aus der Ukraine. Sie sollen in wenigen Tagen auf die Landkreise verteilt werden. Auch aus Syrien und Afghanistan sowie der Türkei kommen derzeit wieder viele Geflüchtete. Die meisten von ihnen sind junge Männer.

Adams: Geflüchtete aus Erstaufnahmeeinrichtung bis Weihnachten verteilen

Erst Ende September hatte Adams angekündigt, die Zahl der Geflüchteten in Suhl bis Weihnachten auf maximal 300 zu reduzieren. Vor allem, damit über die Feiertage niemand verlegt werden muss. Viele Landkreise und Kommunen melden jedoch seit Wochen, dass es keinen Wohnraum für Geflüchtete mehr gibt.

Laut Baugenehmigung gibt es in der Suhler Erstaufnahmeeinrichtung Platz für 1.272 Bewohner. Die Unterkunft wird vom Thüringer Landesverwaltungsamt betrieben und ist das zentrale Objekt des Landes für die Unterbringung von Geflüchteten.

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MDR (ls), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. Oktober 2022 | 10:00 Uhr

14 Kommentare

Matthi am 16.10.2022

Das wird das generelle Problem nur kurzfristig lösen, da wir in Deutschland einen Angespannten Wohnungsmarkt haben und selbst für Deutsche Geringverdiener Sozialwohnungen Mangelware sind. Ich persönlich kann es ja verstehen wenn Asylanten sich aufmachen in ein besseres Wirtschaftliches Leben aber auch Deutschland hat eine vertretbare belastbare Grenze. Es sollte Konsequent das Asylrecht angewendet werden, wer Anspruch hat darf bleiben der Rest sollte aber zurückgeführt werden damit das System nicht überlastet wird und die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht noch weiter sinkt.

kleinerfrontkaempfer am 16.10.2022

Grundgesetz, Zuwanderungsgesetz, Aufenthaltsgesetz, Intergrationsgesetz, Asylgesetz, Freizügigkeitsgesetz, Schengen-Visum, Sonderaufnahmeverfahren,....
Wie hätten sie es denn gerne?
Etwas ist sicher für jeden dabei. Und ein Platz in Doitschland findet sich auch. Ein Sondervermögen "Containersiedlung" ist allemal drin. Bis dahin hat das hohe politische Personal die "Krise" am Bau im Griff und 400.000 Neubauwohnungen stehen zur Verfügung. Da wo sie gebraucht werden. Der ländliche Raum ist allerdings nicht dabei. Der wird dann später bedacht. Wenn es mit dem ÖPNV besser klappt und den neuen Tante Emma Läden, Kigas, Schulen, Ärzten auf dem Land. Aber erst mal den Winter überstehen und die Inflation + Rezession in den Griff kriegen. So wird sich eine Krise nach der anderen in Luft auflösen und Frieden und Ruhe und Zuversicht kehren wieder im Lande ein.


Nach wie vielen Wahlperioden wissen weder Experten noch Studien und schon gar kein Politiker zu sagen.

Freies Moria am 15.10.2022

@Erfurter Bub: Wozu zählen denn die gefühlt 50+% Migranten die sich am Wochenender auf dem Anger versammeln um Party zu machen? Zu denen, die ihre Heimat wegen Krieg und Verfolgung verlassen mussten? Oder doch mehrheitlich banale Wirtschaftsflüchtlinge, die hier gerne unsere Sozialleistungen in Anspruch nehmen?
Die Kriegs/Verfolgungsflüchtlinge gibt es auch, aber nach meiner Erfahrung nicht auf dem Anger. Sondern überall im normalen Leben, meist sehr ruhig, zurückhaltend, oft höflich und freundlich, gewillt einen guten Eindruck zu machen.
Wenn man das schon so einfach auseinanderhalten kann, warum müssen unsere Kinder dann wegen der Wirtschaftsflüchtlinge leiden? Würden deren Länder unseren Wirtschaftsflüchtlinge vergleichbare Bedingungen bieten? Oder uns in Zukunft helfen, wenn wir mal Hilfe benötigen?

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