Der Schriftzug Euro ist auf einer 1-Euro Münze neben einem 20-Euro-Schein sehen.
Die Europische Zentralbank hebt den Leitzins an. Bildrechte: IMAGO / Silas Stein

Seit elf Jahren Kampf gegen die Inflation: EZB erhöht Leitzins deutlich

21. Juli 2022, 22:26 Uhr

Nach elf Jahren der Nullzinspolitik leitet die Europäische Zentralbank eine Zinswende ein: Sie erhöht ihre Leitzinsen. Damit soll dem Anstieg der Inflation entgegengewirkt werden. Zeitgleich markiert die Entscheidung eine Zeitenwende in der europäischen Geldpolitik – für Kritiker kommt sie jedoch viel zu spät.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins auf 0,5 Prozent erhöht. Das gab das Geldinstitut am Donnerstagnachmittag bei seiner Sitzung bekannt. Damit ist die langjährige Nullzinspolitik im Euroraum beendet. Die Maßnahme soll helfen, die derzeitige Inflation im Euroraum einzudämmen. Es ist die erste Zinserhöhung der Notenbank seit elf Jahren und markiert eine Wende in der Geldpolitik.

Leitzins-Erhöhung ist historisch

Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte den Schritt bereits im Juni angekündigt. Jedoch planten die Währungshüter eine Anhebung des sogenannten Hauptrefinanzierungszinses auf lediglich 0,25 Prozent. Die Erhöhung um einen halben Punkt auf 0,50 Prozent ist nun überraschend höher ausgefallen.

Die Zinswende der EZB gilt als historisch, denn sie hatte zuletzt 2011 den Preis des Geldes verteuert. Der Hauptrefinanzierungszins legt fest, zu welchem Zinssatz sich Banken über einen längeren Zeitraum Geld von der Zentralbank leihen können. Dieser rangierte seit der Finanzkrise 2008 bei null Prozent – daher der Begriff Nullzinspolitik.

Leitzinserhöhung der EZB: Kampf gegen die Inflation

Der Hauptrefinanzierungszins wirkt sich direkt auf die Höhe der Ausgaben, der Kreditaufnahme und des Sparbetrages innerhalb des Währungsraums aus. Die Maßnahme beeinflusst damit direkt die Inflation und kann eine weitere Geldentwertung stoppen.

Kritiker werfen der EZB vor, die Zinswende zu spät einzuleiten. Zwar verlangsamte sich die Inflationrate im Juni etwas, doch ist sie seit Monaten auf einem Rekordniveau. Kredit- und Geldinstitute übten daher immer wieder Druck auf die Währungshüter aus, die Zinsen anzuheben.

Reuters(lmb)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Juli 2022 | 06:00 Uhr

3 Kommentare

nasowasaberauch am 22.07.2022

Der Euro liegt schon lange auf der Intensivstation. Die EZB hat in keinster Weise bei den Schuldenstaaten auf die Finanzdisziplin eingewirkt. Ist der Ruf erst ruiniert, macht man Schulden ungeniert. Italien weiß, dass es in der EU nicht fallen gelassen werden kann und so verhält es sich. 1,5 x Jahresbruttosozialprodukt Schulden hat dieses Land. Die EZB erfindet immer neue Fonds zur Stützung und widerspricht damit ihrer Aufgabe der Währungsstabilität. Irgendwann muss die Schuld beglichen werden und wer wird dann zahlen? Eigentlich ist es keine Frage.

Leachim-21 am 21.07.2022

ach meiner Meinung nach ist dieser Schritt schon lange überfällig, durch die falsche Finanzpolitik der letzten Jahrzehnte durch die EZB sind Millionen von Sparern enteignet wurden und das nur damit man illegale Staatenfinanzierung machen konnte was ja angeblich verboten ist und die Justiz hat da auch versagt ,weil Sie diesen Rechtsbruch zu gelassen hat anstatt einzuschreiten .
uns wird diese falsche Finanzpolitik noch Jahrzehnte lang auf die Füße fallen .

kleinerfrontkaempfer am 21.07.2022

Wenn es mal (etwas) Vertrauen oder Zutrauen zur Politik der EZB gab, so ist dies vorbei. Deren Politik ist grandios gescheitert. Billionen € an Papiergeld ausgegeben und die Blankoschecks/Schuldscheine wieder aufkaufen. Die allermeisten Menschen werden diese falsche Politik deutlich spüren und bezahlen. Der schleichende Niedergang der Wirtschaft und die Richtung zur Rezession ist fix. Ein weicher EURO macht den Verfall weiter schlimmer. Weiter geht es nur mit neuen Krisen. Die werden den "alten" und nicht bewältigten einfach beigefügt. Das Szenario kennt man. Und erwartet inzwischen auch nix anderes.

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