Omikron-Variante Was Sie jetzt über Corona Schnelltests wissen müssen

Ob man als genesen gilt, zur Arbeit kann oder für die 2G-Plus-Regelungen: Vom Ergebnis des Corona-Tests hängt vieles ab. Doch nicht nur die Selbsttests für Zuhause, sondern auch die Schnelltests im Testzentrum liefern spätestens seit Omikron unterschiedliche Ergebnisse. Heute positiv – morgen schon negativ, trotz Symptomen: Wie kann das sein? MDR WISSEN hat die derzeit wichtigsten Fragen und Antworten zu den Schnelltests zusammengefasst:

Hand im Latexhandschuh hält positiven Corona-Schnelltest
Wie gut weisen die Antigen-Schnelltests eine Infektion mit Omikron nach? Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Wie zuverlässig erkennen Schnelltests die Coronavariante Omikron?

Die Schnelltests erkennen auch Infektionen mit der Omikron-Variante noch sehr oft. Das stark mutierte Spike-Protein bei Omikron spielt für die Antigen-Tests keine Rolle, denn die weisen das sogenannte Nukleokapsid-Protein im Inneren des Virus nach, das sich bei Omikron nur wenig von den anderen Virus-Varianten unterscheidet. Dennoch weisen Laborstudien darauf hin, dass die Schnelltests generell weniger sensitiv auf die Omikron-Variante reagieren – insbesondere bei geringer Viruslast.

Insgesamt schätzt das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Schnelltests weiterhin als geeignet ein, um eine Corona-Infektion zu erkennen. Es weist aber auch darauf hin, dass die Antigen-Tests nicht zur sicheren Diagnose einer Corona-Infektion gedacht sind. Sie sollen lediglich Menschen mit hoher Viruslast schnell und einfach erkennen. Das PEI arbeitet aktuell an einer neuen Positivliste für Corona-Schnelltests, die auch bei Omikron gut funktionieren.

Eine Gruppe um den Münchner Virologen Oliver Keppler hat nun bei neun Antigen-Schnelltests untersucht, wie gut sie die Virusvariante erkennen. Die Studie, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, wird noch abschließend von anderen Wissenschaftlern begutachtet und soll nächste Woche online gestellt werden. Sie zeigt laut der Forschenden große Schwächen und ernüchternde Ergebnisse. So erkannten einige der Tests nur in der Hälfte der Fälle die Infektionen.

Wann schlagen die Corona Schnelltests bei Omikron an?

Die Antigen-Schnelltests können eine Infektion nur dann nachweisen, wenn die Viruslast des Getesteten hoch ist. Bei Omikron ist es so, dass die Viruslast bei einer Infektion rasch ansteigt, das Virus vermehrt sich früher und schneller als die anderen Varianten. Das hieße, so erklären Fachleute, dass es zuerst viel Virus im Rachenraum gebe, aber erst etwas später in der Nase. Wenn das Virus also über den Nasenabstrich nachweisbar ist, kann die Person schon ein oder zwei Tage eine hohe Viruslast im Rachen haben. Dementsprechend ist es bei der Omikron-Variante besser einen tiefen Rachenabstrich machen zu lassen, wenn man möglichst früh ein korrektes Ergebnis haben möchte.

Wie lange ist das Testergebnis aussagekräftig?

Der steile Anstieg der Viruslast bei Omikron sorgt dafür, dass die Aussagekraft der Schnelltests nur noch relativ kurz ist und sich das Ergebnis rasch binnen weniger Stunden ändern kann. War man also am Morgen noch negativ, kann das am Abend schon ganz anders aussehen. Fachleute empfehlen deshalb, dass Menschen, die sich für ein Ereignis oder Treffen testen wollen, den Schnelltest zeitlich so nah wie möglich machen – zum Beispiel also direkt vor dem Besuch der Großmutter im Pflegeheim. Außerdem ist es sinnvoll, sich häufiger zu testen als noch bei den vorherigen Varianten, so Infektiologin Claudia Denkinger. In Schulen und Krankenhäusern werde deshalb eigentlich zu wenig getestet.

Wie muss ein korrekter Abstrich gemacht werden?

Für ein korrektes Testergebnis ist die Qualität des Abstrichs besonders wichtig. Immer wieder klagen etwa Medizinerinnen und Mediziner in sozialen Netzwerken über falsch-negative Ergebnisse aus kommerziellen Testzentren. Doch auch dort muss das Personal eigentlich entsprechend geschult sein, um Abstriche zu entnehmen.

Eine Mitarbeiterin einer Teststation macht einen Corona-Schnelltest bei einem Mann.
Quantität vor Qualität? Nicht alle Testzentren machen korrekte Abstriche. Bildrechte: dpa

Doch die Qualität der Schnelltest-Zentren schwankt. Der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, Andreas Bobrowski, berichtete etwa der Deutschen Presseagentur von Menschen, die "von Testzentrum zu Testzentrum laufen, bis sie das Ergebnis haben, das sie haben wollen". Für den Laien sei die Qualität von Tests nicht leicht zu erkennen. Beim Abstrich könne man jede Menge Fehler machen, so Bobrowski. Richtig und sicher sei der Abstrich erst, "wenn er im Hals den Würgereiz auslöst und es in der Nase echt unangenehm wird". Doch bei manchen Testzentrums-Betreibern herrsche das Monetäre über die Qualität, sagt der Labormediziner. Weil die kommerziellen Testcenter aber wollten, dass die Kunden wiederkämen, gehe man das auch gern mal sanfter an.

Da Omikron offenbar im Rachen früher nachzuweisen ist als in der Nase sollten bestenfalls Schnelltests für den tiefen Rachenabstrich genutzt werden. Dabei sollte man darauf achten, dass der Abstrich tatsächlich von der Rachenhinterwand genommen wird und nicht nur von der Wange bzw. in der Mundhöhle.

Kann ich Tests für die Nase auch mit einem Rachenabstrich nutzen?

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Corona-Test einen Abstrich von einer Frau.
Für den Rachenabstrich gibt es spezielle Schnelltests. Bildrechte: dpa

Schnelltests für einen Nasenabstrich dürfen nicht einfach mit einem Rachenabstrich genutzt werden, auch wenn die Omikron-Variante dort wohl deutlich früher nachweisbar ist. Es gibt Schnelltests, die explizit für den tiefen Rachenabstrich zugelassen sind. Der Großteil der Antigen-Tests ist jedoch für einen Nasenabstrich gedacht und sollte auch nur mit einem solchen durchgeführt werden, mahnen Fachleute. Der Grund: Vor allem der Speichel im Mund sorgt dafür, dass die sogenannte Pufferlösung ganz anders zusammengesetzt sein muss.

Gibt es einen Unterschied bei den Schnelltests zwischen Geimpften und Ungeimpften?

Tatsächlich zeigen Beobachtungen, dass es einen Unterschied bei den Schnelltests zwischen geimpften und ungeimpften Personen zu geben scheint. Bei Geimpften schlagen die meisten Tests oft gar nicht an, bevor der Getestete Symptome entwickelt hat. Die entwickelt der Geimpfte nämlich offenbar schon bis zu drei Tage früher. Virologe Christian Drosten zufolge liegt das daran, dass der Körper schneller auf das Virus reagiert, da er ja durch die Impfung vorbereitet ist und es dadurch rascher bekämpft.

Das sorge dafür, dass Ungeimpfte kurz vor Symptombeginn am ansteckendsten seien und Geimpfte erst, wenn die Symptome bereits da sind. Das heißt für Letztere auch, dass ein Schnelltest durchaus falsch-negativ ausfallen kann, wenn schon das erste Halskratzen da ist. Deshalb sollte man sich bei Symptomen isolieren und 24 Stunden später mindestens einen zweiten Test machen.

Bei welcher Temperatur müssen die Schnelltests gelagert werden?

Für die Qualität der Schnelltests ist die Temperatur, bei denen sie gelagert werden, wichtig. Die Antigen-Tests müssen bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Höhere Temperaturen beeinträchtigen die Sensitivität – also die korrekte Erkennung von Infizierten. Ist die Umgebungstemperatur dagegen zu niedrig, beeinflusst das die Spezifität – also die korrekte Erkennung von Nicht-Infizierten. Die Testkits dürfen also keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein und auch nicht m Kühlschrank gelagert werden. Die korrekte Temperatur ist ein Aspekt, den man bei der Auswahl des Testzentrums mit bedenken sollte.

(kie)

4 Kommentare

Denkschnecke vor 32 Wochen

Bitte überprüfen Sie Ihre Behauptungen genauer.
Das PEI schätzt nicht ein, sondern hat Hunderte verschiedener Schnelltests untersucht und die Sensitivität ermittelt.
Prof. Keppler hat das nicht selbst untersucht, sondern nur Ergebnisse der Uni Jena kommentiert. Die zugrunde liegende Publikation habe ich nicht gefunden, aber offenbar wurden nur neun verschiedene Tests untersucht.

MDR-Team vor 32 Wochen

@ralf meier
Das Paul-Ehrlich-Institut hat eine differenzierte Liste zur Wirksamkeit verschiedener Schnelltests veröffentlicht. Darunter finden sich auch 46 Tests, die als untauglich eingestuft wurden.
LG, das MDR-Wissen-Team

ralf meier vor 32 Wochen

Die ernüchternden Ergebnisse einer Gruppe um den Münchner Virologen Oliver Keppler werden im obigen Artikel nur am Rande erwähnt. Deutlich klarer äußert sich n-tv dazu ud titelt 'Omikron-Infektion Sieben von neun Schnelltests versagen'.


Das das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Schnelltests weiterhin als geeignet einschätzt, um eine Corona-Infektion zu erkennen, überrascht mich bei diesem Institut nicht mehr.