Schwefelsäurehaltige Aerosole "Vulkanischer Winter" sorgte vor 250 Millionen Jahren für Massenaussterben

Gewaltige Vulkan-Aktivitäten sorgten vor 250 Millionen Jahren nicht nur für einen enormen globalen Temperaturanstieg, sondern auch für einen "vulkanischen Winter". Erst war es zu kalt, dann zu heiß und am Ende folgte das größte Massenaussterben der Erdgeschichte.

Sonnenaufgang über dem Mittelsibirischen Bergland
Sonnenaufgang über dem Mittelsibirischen Bergland: Vor 250 Millionen Jahren bedeckten große Mengen basaltischer Lava das Gebiet. Bildrechte: imago images/imagebroker

Vor rund 250 Millionen Jahren erlebte die Erde das bislang größte Massenaussterben ihrer Geschichte. Am Übergang vom Perm zur Trias starben 80 bis 90 Prozent aller damals an Land und im Wasser lebenden Tierarten aus.

Temperaturanstieg wegen "Sibirischem Trapp"

Gewaltige Vulkanausbrüche, die im heutigen Sibirien bis zu 3.500 Meter dicke Flutbasaltstrukturen aufhäuften, gelten seit Jahrzehnten als eine der Hauptursachen des Massenaussterbens an der Perm-Trias-Grenze.

Vulkanausbruch 5 min
Bildrechte: imago/Westend61

Demnach wurde durch den Vulkanismus, der diesen "Sibirischen Trapp" schuf, derart viel Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen, dass die globale Temperatur um 8 bis 10 Grad anstieg und der Sauerstoffgehalt im Meer zugleich rapide sank. Ein Todesurteil für die meisten der damaligen Tierarten. Doch war die massive Erderwärmung infolge des Vulkanismus des "Sibirischen Trapps" wirklich der einzige Grund für das Massenaussterben vor 250 Millionen Jahren?

"Vulkanischer Winter" nach Massen-Eruptionen

Wissenschaftler aus China und den USA haben nun eine weitere Ursache für das damalige Artensterben ausgemacht. Ihre Analyse von Mineralien in Südchina deutet darauf hin, dass auch großflächige Vulkanausbrüche in der südchinesischen Region und anderswo einen "vulkanischen Winter" verursachten, der die Temperaturen auf der Erde drastisch senkte. Diese Veränderung sei zu den Umweltauswirkungen anderer Phänomene jener Zeit hinzugekommen, so die Forscher. Kurz gesagt: Erst wurde es den meisten Tierarten am Ende des Perms zu kalt, dann zu warm und dann waren sie tot.

Wenn wir uns die geologischen Aufzeichnungen zur Zeit des großen Aussterbens genauer ansehen, stellen wir fest, dass die globale Umweltkatastrophe am Ende des Perms möglicherweise mehrere Ursachen hatte, sowohl bei den marinen als auch bei den nicht-marinen Arten.

Prof. Dr. Michael Rampino, Fakultät für Biologie der New York University EurekAlert

Massive Schwefeldioxid-Emissionen

Kupferreiche Mineralien aus Süden Chinas
Kupferreiche Mineralien aus dem Süden Chinas. Bildrechte: H. Zhang, Nanjing Institute of Geology and Palaeontology

Wie die chinesischen und US-Forscher im Fachjournal Science Advances berichten, wiesen die von ihnen untersuchten Mineralablagerungen aus Südchina starke Anomalien in ihrer Zusammensetzung auf, die auf schwefelreiche Emissionen aus nahen Vulkanausbrüchen zurückzuführen sind. Anhand dieser neuen geochemischen Daten schätzten die Studienautoren die Menge der dabei freigesetzten Schwefeldioxid-Emissionen ab. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass der dafür verantwortliche massive Vulkanismus zu einer schnellen Abkühlung der globalen Temperatur um mehrere Grad Celcius geführt haben könnte.

Schwefelsäurehaltige atmosphärische Aerosole, die durch die Eruptionen erzeugt wurden, könnten die Ursache für eine rasche globale Abkühlung um mehrere Grad gewesen sein, bevor es zu der starken Erwärmung kam, die während des Massenaussterbens am Ende des Perms auftrat.

Prof. Dr. Michael Rampino, Fakultät für Biologie der New York University EurekAlert

"Sibirischer Trapp" nicht allein schuld

Schwefelquelle am Mutnovskiy Vulkan, Halbinsel Kamtschatka
Schwefelquelle am Mutnovskiy Vulkan auf der ostsibirischen Halbinsel Kamtschatka. Bildrechte: imago images/imagebroker

Die Ergebnisse der chinesisch-amerikanischen Studie deuten jedenfalls darauf hin, dass die gigantischen Vulkanausbrüche des "Sibirischen Trapps" nicht die einzige Ursache für das Massenaussterben am Ende des Perms waren. Vielmehr dürften auch die Umwelteinflüsse der damaligen massiven Eruptionen in Südchina und anderswo auf der Welt eine gewichtige Rolle beim Verschwinden der Artenvielfalt vor 250 Millionen Jahren gespielt haben.

Doch wie heißt es im Leben: Mal verliert man und mal gewinnen die anderen. Am Ende machte das gigantische Massenaussterben am Ende des Perm vielleicht erst den späteren Siegeszug der Dinosaurier möglich.

(dn)

0 Kommentare

Mehr zum Thema