Corona-Krise Corona: Gärtnern trotz Lockdown, Quarantäne und Ausgangssperre

Was tun, wenn man in Quarantäne ist oder Gartencenter und Gärtnereien wegen der Corona-Krise geschlossen haben? Wir haben Ideen und Tipps für Sie, wie Sie trotzdem gut in die neue Gartensaison starten.

Saatgut-Tütchen und mit Erde gefüllte Verpackungen aus Plastik
Obstverpackungen funktionieren wunderbar als Mini-Gewächshäuser und Saatschalen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Woher bekomme ich Saatgut?

Das wichtigste beim Start in die neue Gartensaison ist natürlich das Saatgut. Und das muss nicht unbedingt gekauft werden. Im Internet sind zahlreiche Tauschbörsen für Samen zu finden. Probieren Sie es mal in den sozialen Netzwerken. Aber auch im eigenen Haushalt lohnt sich das Stöbern. Fast alle Gärtner haben angefangene Saatguttütchen oder Samen aus dem eigenen Garten. Überprüfen Sie bei älteren Samen, ob sie noch keimen. Für die Keimprobe einfach ein feuchtes Papiertuch mit Samen bestreuen, Klarsichtfolie darüber spannen und an einen warmen Platz stellen. Das Papier immer schön feucht halten und warten: Nach einigen Tagen sollte wenigstens die Hälfte der Samen keimen. Sind es weniger, lohnt sich die Aussaat nicht. Dann besser nach neuem Saatgut Ausschau halten.

Worin kann ich Pflanzen aussäen?

Saatgut ist da, nur die Pflanztöpfchen fehlen? In fast jedem Garten finden sich kleine Plastiktöpfchen, in denen im letzten Jahr Pflanzen ins Haus kamen. In diesen lassen sich prima größere Pflanzen wie Kürbisse oder Gurken anziehen. Für alle anderen Pflänzchen können zur Aussaat alte Klopapierrollen mit eingeknicktem Boden oder Eierkartons dienen. Plastikverpackungen von Weintrauben oder anderem Gemüse machen sich gut als Pflanzschalen, wer den Deckel schließt, hat ein Mini-Gewächshaus mit Belüftung. Auch der Bau eines Frühbeetes lohnt, wenn man selber Pflanzen ziehen möchte. Einfacher ist ein Frühbeet-Aufsatz für Hochbeete zu bauen. Ganz wichtig für alle, die selber Pflanzen ziehen wollen: Wer nicht gerade ein tolles Südfenster hat, muss sich um Licht für die Pflänzchen kümmern.

Aussaatgefäße aus Obst- und Gemüseverpackungen

Aussaatgefäße müssen nicht immer gekauft werden. Verpackungen werden mit Erde gefüllt schnell zu praktischen Mini-Gewächshäusern, in denen sich Samen gut entwickeln.

Plastik-Verpackungen von Obst, Gemüse und Weingummi
Plastik-Verpackungen von Obst, Gemüse und Weingummi werden erst leer gefuttert, .... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Plastik-Verpackungen von Obst, Gemüse und Weingummi
Plastik-Verpackungen von Obst, Gemüse und Weingummi werden erst leer gefuttert, .... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mit Anzuchterde gefüllte Plastik-Verpackungen
... und dann mit Aussaaterde gefüllt. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Saatgut-Tütchen und mit Erde gefüllte Verpackungen aus Plastik
Saatgut suchen, .... Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Pflanzensamen und mit Erde gefüllte Verpackungen aus Plastik
... und ausssäen. Dabei darauf achten, ob Licht- oder Schattenkeimer gesät werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Loch im Boden einer Obstpackung aus Plastik
Der Deckel verwandelt die Saatschaale in ein Mini-Gewächshaus. Dort entwickeln sich Samen zu prächtigen kleinen Pflänzchen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
 Sack Bio-Anzuchterde mit Blättern darauf
Größere Pflanzen können auch direkt in Säcke mit Erde gesetzt werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 07. März 2021 | 08:30 Uhr

Richtig aussäen und Aussaaterde selber mischen

Aussaaterde soll nährstoffarm und keimfrei sein. Gärtner können die richtige Aussaaterde selber mischen. Dafür brauchen sie nur Kompost, Sand und Gartenerde. Dann kann die Aussaat starten. Gärtner Jürgen Meister von der ega hat Tipps, was dabei zu beachten ist.

Pflanzgefäße entfremden

Kleine Keimlinge werden groß und brauchen geeignete Gefäße. Pflanzen wachsen nicht nur im Beet oder in klassischen Pflanztöpfen. Schauen Sie in Keller oder Schuppen. Suchen Sie alte Töpfe, Pfannen, Schüsseln, Kanister von Speiseöl oder Oliven. Selbst alte Kronleuchter, Kaffeekannen oder ein Samowar lassen sich entfremden. Manche Leute bepflanzen sogar Gummistiefel, Klobecken und alte Jeanshosen. Aber das ist dann Geschmacksache. Wichtig: Sie können die gefundenen Gefäße als Übertöpfe oder direkt als Pflanzgefäße benutzen. Pflanzgefäße sollten immer ein Loch im Boden bekommen, so dass überschüssiges Wasser ablaufen kann.

Frau in Garten mit Kunst 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Überschüssige Pflanzen und nicht benötigtes Saatgut tauschen oder verschenken

Wer selber Pflanzen aussät, sät reichlich. Gehen alle Pflanzen auf, sind das meist mehr, als in den Garten passen. Genauso geht es vielen Gärtnern mit Saatgut. Wer braucht 200 Mohnpflanzen, die theoretisch aus einer Packung Samen wachsen könnten? Oder 200 Pastinaken?

Selbstgemachte Samentüten für Saatgut befüllen 2 min
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Verschenken Sie einfach überzählige Pflanzen und nicht benötigtes Saatgut. Fragen Sie über den Gartenzaun, was gebraucht wird. Ein kleines Körbchen mit den gewünschten Sachen kann man sogar Gärtnern in Quarantäne vor den Zaun stellen. Wer keine direkten Abnehmer hat, stellt die Pflanzen mit einem Schild "zum Mitnehmen und Einpflanzen" vor die Gartentür. Beschriftung nicht vergessen! In Gartenanlagen könnte sich sogar ein Tauschregal anbieten, in das jeder seine überzähligen Pflänzchen stellt. Auch Saatguttütchen finden im Tauschregal einen Platz. Auch hier gilt: Bitte beschriften! Welche Pflanze beziehungsweise welche Samen sind das, wo und wie sollten sie gepflanzt oder ausgesät werden.

Wer ein Tauschregal baut, sollte an Frostschutz und ans Gießen denken. Hängen Sie einen Aushang mit einem Hinweis auf das Regal an eine paar Zäune oder rufen Sie einfach über den Zaun. So wissen alle Bescheid und die Pflänzchen kommen bald in neue Hände.

Vernetzen mit anderen Gärtnern

Sie haben keine Möglichkeit zum Kontakt mit anderen Gärtnern? Kostenlose Nachbarschafts-Plattformen wie nebenan.de oder nachbarschaft.net bieten Vernetzungsmöglichkeiten in der unmittelbaren Nachbarschaft, um Werkzeug oder Baumaterial zu besorgen, aber auch gezielt nach Saatgut und Pflanzen zu fragen.

Auch über größere Netzwerke ist tauschen und weitergeben möglich. Es gibt unzählige Gruppen, die Saatgut verschenken, suchen oder tauschen. Kleine Saatguttütchen passen in Briefumschläge und können mit der Post verschickt werden. Natürlich passen sie auch direkt in einen Briefkasten. An manchen Briefkästen kleben Aufkleber, auf denen steht, welche Werkzeuge oder Gartengeräte der dort Wohnende verleiht. Solche Aufkleber bieten manche Vereine an. Aber natürlich lassen sich auch schnell Schildchen malen oder schreiben, die man an die Gartentür hängen kann.

Was noch funktioniert

Ableger von Kräutern und Johannisbeeren sowie von Erdbeeren lassen sich leicht nehmen, Stauden können getrennt und andere Gärtner weiter gereicht werden. In den Balkonkasten kann auch die Erde aus Maulwurfshügeln von der eigenen Wiese. Fangen Sie einfach an. Sie werden sehen. Im Garten lassen sich wirklich viele Sachen vermehren, neu ziehen oder umfunktionieren.

Gartenbedarf trotz geschlossener Gärtnereien und Baumärkte kaufen

Bei allem guten Willen - manches lässt sich nicht ohne Einkauf beschaffen. Und natürlich gibt es da Möglichkeiten:

  • In fast allen Bundesländern ist es möglich, bei lokalen Händlern online zu bestellen, zu bezahlen und dann die Ware vor Ort abzuholen.
  • Es gibt Online-Händler, die Rosen, Obststräucher, Jungpflanzen von Gemüse und Blumen sowie Saatgut versenden. Dort gibt es so manche Spezialität, die nicht jede Gärtnerei führt. Probieren Sie es mal aus.
  • Auch in Lebensmittelläden und Drogerien wird Saatgut und Erde angeboten. In Bio-Läden gibt es Bio-Saatgut. Auch die Kräutertöpfchen aus dem Gemüseregal wachsen in größeren Töpfen oder im Beet mit etwas Glück gut an. Tipp: Die eng gesäten Pflanzen vorsichtig in mehrere Teile trennen und dann neu einpflanzen. Das funktioniert zum Beispiel bei Petersilie und Basilikum.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 07. März 2021 | 08:30 Uhr