Der Frühling kann kommen Frühblüher verwildern und vermehren

Es ist traumhaft schön, wenn Krokusse, Schneeglöckchen und Tulpen ihre Köpfe bunt gemischt durch eine grüne Rasenfläche stecken. Aber es ist gar nicht so einfach, Frühblüher auf einer Wiese zu kultivieren. Hier erklären wir, worauf es beim Verwildern von Frühblühern ankommt und stellen verschiedene Frühblüher vor.

Frühling in Hochform: gefüllt blühende Schneeglöckchen und Krokusse in trauter Eintracht
Wer Frühblüher vermehren möchte, sollte sie einfach in Ruhe lassen. Bildrechte: Siegmar Rose

Frühblüher brauchen Ruhe, um zu gedeihen. Am besten wachsen sie an Standorten, die nicht regelmäßig bearbeitet werden. Denn regelmäßiges Rasenmähen, Hacken, Düngen und auch Gießen schadet den Zwiebeln, die dann keine Tochterzwiebeln bilden können und sich nicht vermehren. Geeignet ist ein Standort im Beet oder unter einer Hecke. Wer dennoch Frühblüher im Rasen integrieren möchte, sollte einen bestimmten Teil abgrenzen und diesen nicht mehr bearbeiten, bis das Laub der Frühblüher verwelkt ist. Denn auch nach der Blüte brauchen Frühblüher Zeit. Dann werden die Nährstoffe von den Blättern in die Zwiebel transportiert und diese Kraft ist für die Blüten in der kommenden Saison unerlässlich.

Wilde und gezüchtete Frühblüher

Man unterscheidet die Wildarten, die bestrebt sind, sich selbst auszusäen von den gezüchteten Sorten, die keine Samen bilden und sich nur über Tochterzwiebeln vermehren. Die wilden Pflanzen bleiben eher kleiner und es entstehen viele Tochterpflanzen in unterschiedlichster Entfernung. Wind und Insekten verteilen die Samen. Gezüchtete Sorten bilden zwar starke Büschel, bedecken aber keine Flächen. Deshalb sollten die Zwiebeln geteilt werden. Idealer Zeitpunkt hierfür ist nach der Blüte, wenn die Blätter bereits gelb sind. Allerdings ist es deutlich schwieriger, mit gezüchteten Sorten eine verspielte Blütenwiese zu gestalten, als mit Blumen, deren Samen der Zufall verteilt.

Welche Frühblüher eignen sich zum verwildern?

Im Handel werden wilde Sorten und gezüchtete Frühblüher angeboten. Die folgenden Sorten eignen sich zum Verwildern:

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)
Sternhyazinthe (Chionodoxa)
Blausternchen (Scilla siberica)
Winterling (Eranthis hyemalis)
Schachbrettblume (Fritillaria meleagris)
Märzenbecher (Leucojum vernum)
Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus)
Traubenhyazinthe (Muscari azureum)
Lerchensporn (Corydalis solida)

Weniger geeignet sind Tulpen. Sie benötigen im Sommer einen trockenen und nährstoffreichen Boden, um Tochterzwiebeln zu bilden.

Gezielte Vermehrung durch Teilung der Zwiebel

Hände teilen den Zwiebelballen einer Schneeglöckchen-Pflanze.
Der Zwiebelballen muss vorsichtig geteilt werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Frühblüher, die sich über die Zwiebel vermehren, werden nach der Blüte geteilt. Dabei ist es wichtig, die Pflanzen großflächig, am besten mit der Pflanzgabel auszugraben. Dann wird die Zwiebel vorsichtig auseinandergezogen und schließlich geteilt. Das Laub muss unbedingt an den Zwiebeln bleiben, auch die Erde sollte nicht entfernt werden. Einige Frühblüher – beispielsweise Schneeglöckchen können über die Zwiebel vermehrt werden. Wilde Sorten breiten sich zusätzlich durch Samen aus. Auch deshalb ist es wichtig, die Flächen rund um die Frühblüher nicht zu bearbeiten. Schneeglöckchen, die aus Samen wachsen, brauchen drei Jahre bis zur ersten Blüten. Wird um die Pflanzen immer wieder gemäht, werden Jungpflanzen zerstört.

Die größte Chance auf eine Wiese mit vielen Frühblühern haben faule Gärtner.

Horst Bäuerlein, Experte für Frühblüher

Der richtige Standort im Garten

Gelbe Winterlinge auf einer Wiese.
Der Standort sollte der natürlichen Herkunft der Pflanzen entsprechen. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Grundsätzlich gilt: Setzen Sie die Zwiebeln oder Pflanzen in Gruppen zusammen. Das sieht schöner aus als vereinzelte Blüten, die weit auseinander stehen. Der Standort von Frühblühern sollte am besten der natürlichen Herkunft der Pflanzen entsprechen. Die Schachbrettblume (Frittilarien) kommen beispielsweise aus Wiesentälern und wachsen in Gemeinschaft mit Butterblumen an feuchten Stellen im Garten. Deshalb sollte man diese eher in ein Beet setzen, was auch gepflegt wird. Kleinblumige Narzissen kommen aus dem Gebirge und bevorzugen durchlässige und sommertrockene Standorte. Sie eignen sich wunderbar für einen Steingarten. Krokusse sind Wiesenpflanzen und bringen bunte Farbtupfer auf den Rasen

Pflege von Frühblühern

Frühblüher sind unkompliziert und wollen einfach in Ruhe wachsen und auch verblühen. Lassen Sie die Pflanzen also auch nach der Blüte noch stehen. Die Blätter sollten erst entfernt werden, wenn sie gelb geworden sind. Solange sie grün sind, spenden die Blätter den Zwiebeln Nährstoffe, damit sie sich auf die Blüte für das nächste Jahr vorbereiten können. Je nach Bodenbeschaffenheit freuen sich Frühblüher auch über eine Nährstoffzugabe. Dafür kann man aber keine pauschale Empfehlung geben, düngen Sie also je nach Bodenbeschaffenheit!

Düngen ist wie Kartoffelsuppe kochen. Manchmal fehlt Salz, manchmal fehlt Pfeffer und manchmal der Sellerie.

Horst Bäuerlein, Garten-Experte

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 20. Januar 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. April 2014, 08:40 Uhr