Ein Mitarbeiter des Maschinenbauers Trumpf demonstriert die Bedienung einer Wärmepumpe, die Energie aus der Abwärme von Kältepumpen nutzt, die für die Produktion benötigt werden.
Nach einer Schätzung des Zentralverbands Sanitär, Heizung, Klima fehlen 60.000 Monteurinnen und Monteure, um die Wärmepumpenziele zu erreichen. Bildrechte: dpa

Fachkräftemangel Quereinsteiger beim Wärmepumpen-Ausbau: Gewerkschaft und Handwerk lehnen Vorschlag ab

03. August 2023, 10:03 Uhr

Die Bundesregierung will mit dem Ausbau von Wärmepumpen die Energiewende vorantreiben. Die Geschwindigkeit könne sich verzehnfachen, würde man auf Arbeitsteilung und teilqualifizierte Quereinsteiger setzen, sagt nun die Firma Thermondo. Die Initiative "Ohne Hände keine Wende" wirbt offensiv für das Modell der Teilqualifizierung. Unter Fachverbänden und Gewerkschaften stößt das Modell auf Ablehnung.

Es klingt recht kühn, was die Heizungsinstallateurfirma Thermondo behauptet. Man könnte das Tempo beim Wärmepumpen-Ausbau verzehnfachen, heißt es in einem Gutachten für die Bundesagentur für Sprunginnovationen. Man müsse nur mehr auf Digitalisierung setzen, mehr auf Arbeitsteilung. Vor allem aber müsse man leichte Montagearbeiten für Quereinsteiger öffnen, sagt Firmensprecher Richard Lucht.

"Es gibt zahlreiche Tätigkeiten, bei denen man nicht unbedingt eine Fachkraft braucht, wenn es um die Wärmepumpen-Installation geht. Quereinsteiger können zum Beispiel bei grundsätzlichen Fundament-Arbeiten unterstützen, also für die Außeneinheit der Wärmepumpe. Aber beispielsweise auch bei der Aufstellung und dem elektrischen Anschluss der Außeneinheit der Wärmepumpe."

Thermondo ist mit fast 500 Handwerkern Deutschlands größter Installationsbetrieb für Heizungen. Das Unternehmen will Ungelernte nicht einfach losmontieren lassen. Sie sollen im Schnellverfahren zu Energiewende-Monteuren geschult werden. Das Modell finden auch andere Firmen der Branche spannend.

Auch Initiative wirbt für Teilqualifizierungen

Leon Trippel hat die Initiative "Ohne Hände keine Wende" gegründet. Sie wirbt dafür, über Teilqualifizierungen Ungelernte fit für Energiewende-Tätigkeiten zu machen. Infrage kämen dafür Migranten, sagt Trippel, Langzeitarbeitslose aber auch Berufsumsteiger, die für eine klassische Handwerkslehre zu alt sind. "Wir brauchen halt jetzt eine gut abgestimmte Lösung zusammen mit dem Handwerk. Einen Konsens, der im Interesse der Quereinsteiger ist, dass wir sagen, wir bieten den Leuten eine Perspektive."

Fachverband: Löst nicht das Problem des Fachkräftemangels

Doch beim Handwerk selbst kommt die Idee nicht so gut an. Sven Fischer ist Geschäftsführer im Fachverband Sanitär, Heizung, Klima Sachsen. Er sagt, eine Teilqualifizierung zum Wärmepumpenmonteur sei zu kurz gedacht.

"Man kann sicherlich gewisse Arbeiten in jedem Handwerk mit Hilfsarbeitern, mit teilqualifizierten Mitarbeitern durchführen. Aber das löst nicht das Problem des Fachkräftemangels. Das hört man schon in der Begrifflichkeit: Fachkräftemangel und teilqualifizierte Hilfsarbeiter, das ist ein Unterschied. Wir benötigen Fachkräfte, um die Klimawende hier umzusetzen. Unser Gewerk ist ein hochqualifiziertes Gewerk. Da braucht man eine gute Ausbildung inhaltlich."

Auch IG Metall lehnt Teilqualifizierungen ab

Unterstützung bekommen die traditionellen Handwerker von unerwarteter Seite. Auch die Gewerkschaft IG Metall lehnt es ab, Ungelernte über Teilqualifizierungen zu Hilfshandwerkern zu machen, sagt Markus Wente aus dem IG Metall-Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

"Die Idee der Kurzqualifizierung ist tatsächlich so kurz gedacht wie die Qualifizierung ist. Heizungs- und Lüftungstechnik ist heutzutage hochkomplex. Gerade die Wärmepumpe ist eine Kunst für sich. Und diejenigen, die eine duale Ausbildung genossen haben, können auch mit dieser hochkomplexen Technik umgehen. Die können komplexe Probleme erkennen und auch selbständig lösen, was eine Kurzqualifizierung eben nicht leisten kann."

Gewerkschaft und Handwerk befürchten, dass die bewährte Berufsausbildung durch die Teilqualifizierung untergraben wird. Gewerkschafter Wente fragt, was der Teilqualifizierte denn machen soll, wenn die Nachfrage nach Wärmepumpen nachlasse. Die Initiatoren der Idee wollen den Einwand nicht gelten lassen. Sie entgegnen, bei Auftragsflauten könne man die Teilqualifizierten ja noch weiter ausbilden – so dass auf lange Sicht ein solider Handwerker dabei herauskomme. Und es gebe durchaus auch Innungen, welche die Idee gut finden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 03. August 2023 | 06:00 Uhr

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