Jemand hält einen Kassenbon n den Händen
Die Verbraucherpreise lagen im Januar um 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Bildrechte: IMAGO / ANP

Lebenshaltungskosten Inflation auf niedrigstem Stand seit zweieinhalb Jahren

31. Januar 2024, 18:34 Uhr

Der Preisanstieg bei Lebensmitteln schwächt sich zu Jahresbeginn ab. Energie kostetet weniger als im Vorjahr. Dennoch belastet die Inflation die Konsumenten. Die Wirtschaft ächzt unter hohen Kreditkosten. Denn seit 2022 werden Kredite durch steigende Zinsen stetig teurer und damit auch kreditfinanzierte Investitionen für Unternehmen.

Die Inflation in Deutschland hat zu Jahresbeginn 2024 deutlich an Tempo verloren. Die Verbraucherpreise lagen im Januar um 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch anhand vorläufiger Daten mitteilte. Dies ist der niedrigste Wert seit Juni 2021 mit damals 2,4 Prozent.

Im Dezember hatte die Jahresteuerungsrate noch 3,7 Prozent betragen. Energie kostete den vorläufigen Daten zufolge 2,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor – trotz der Anhebung des CO₂-Preises auf 45 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO₂) im Januar. Nahrungsmittel verteuerten sich um 3,8 Prozent. Der Preisanstieg schwächte sich hier weiter ab, nach einem Plus von 4,5 Prozent im Dezember und 5,5 Prozent im November.

Weiterer Rückgang der Inflationsrate erwartet

Volkswirte rechnen damit, dass die Inflationsrate im laufenden Jahr weiter sinken wird. Allerdings wollen nach Daten des Münchner Ifo-Instituts mehr konsumnahe Unternehmen hierzulande ihre Preise erhöhen. "Die Inflation dürfte daher in den kommenden Monaten nur langsam sinken", prognostizierte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. 

Die Preise von Nahrungsmitteln und Getränken dürften den Planungen der befragten Unternehmen zufolge etwas stärker anziehen. Gastronomiebesuche und Hotelübernachtungen dürften teurer werden. Dagegen habe der Preisdruck bei Mode-Verkäufern etwas nachgelassen. Auch Reiseveranstalter planten geringere Preisanhebungen als im Dezember. Im Vergleich zum Vormonat Dezember 2023 stiegen die Verbraucherpreise den vorläufigen Daten zufolge im Januar 2024 um 0,2 Prozent.

Hohe Teuerungsrate belastet Konsumenten

Die höheren Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, das heißt, sie können sich dann für einen Euro weniger leisten. Die Belastung der Menschen durch die Inflation war auch im vergangenen Jahr hoch. Zwar fiel die Teuerungsrate im Jahresschnitt mit 5,9 Prozent niedriger aus als 2022 mit damals 6,9 Prozent. Es war aber immer noch der zweithöchste Wert für einen Jahresschnitt seit der Wiedervereinigung.

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Nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar 2022 hatten sich vor allem Energie und Lebensmittel sprunghaft verteuert und die Inflation insgesamt angeschoben. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Euroraum insgesamt mittelfristig stabile Preise bei 2,0 Prozent Inflation an.

Um die hohe Teuerung zu dämpfen, setzten die Währungshüter seit Sommer 2022 zehnmal in Folge die Leitzinsen im Währungsraum nach oben. Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken kann. Teurere Kredite sind aber zugleich eine Last für die Wirtschaft, weil sich kreditfinanzierte Investitionen verteuern.

dpa(ewi)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Januar 2024 | 14:30 Uhr

35 Kommentare

astrodon vor 16 Wochen

@hilflos: Im Bezug auf die britischen Verbraucherpreise muss man erwähnen, dass das Preisniveau schon seit min. 25 Jahren deutlich über dem hiesigen lag. Zum anderen haben die Briten schon nach dem Brexit eine massive Teuerung erlebt. Fazit: Die Ausgaben dürften immer noch deutlich über unseren liegen.

nasowasaberauch vor 16 Wochen

Der statistische Warenkorb ist Sand in den Augen. Abgesehen von der Wichtung und den Zeitabständen bei der Ermittlung öffnet die angewendete hedonische Methode mit Einbeziehung des Lustzugewinns der Berechnung Spielraum zur Schönfärberei. Einfach suchen nach Inflation und hedonische Methode. Glaube keiner Statistik, die du...usw.

hilflos vor 16 Wochen

Also ihre Beobachtungen hinsichtlich der Briten trage ich so nicht mit. Ich halte mich relativ oft in UK auf und bin recht nah am Bürger. Klar steigen dort auch die Preise, aber schlimmer als im besten Deutschland aller Zeiten ist es dort auch nicht.

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