Lokführerin Peggy Franke
Rangierbahnhof Halle: Lokführerin Peggy Franke im Führerhaus der E-Lok 187. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Berufswechsel Wie eine Friseurin Lokführerin in Halle wurde

24. Juli 2023, 10:51 Uhr

Peggy Franke aus Leipzig hat viele Jahre als Friseurin gearbeitet. Als der Friseurladen schließen musste, hat sie sich für einen Berufswechsel entschieden. Bei DB Cargo hat sie erfolgreich eine Umschulung absolviert. Jetzt ist sie Lokführerin auf dem Rangierbahnhof in Halle und hat den Berufswechsel nicht bereut.

Erstens kommt es anders. Und zweitens als man denkt. Dieser Spruch beschreibt perfekt das Leben von Peggy Franke – zumindest was den beruflichen Teil angeht. Seit mehr als 25 Jahren hatte die Leipzigerin als Friseurin gearbeitet. Weil der Chef des kleinen Friseurladens plötzlich verstorben ist, wollte sich die alleinerziehende Mutter beruflich neu orientieren. Sie hat die Schere an den Nagel gehängt, eine Umschulung bei der Logistiktochter der Deutschen Bahn DB Cargo gemacht und ist nun Lokführerin.

Lokführerin war schon lange ein Traumberuf

Mit Warnweste, Kopfschutz und großem Rucksack geht es nun für Peggy Franke quer über den Rangierbahnhof in Halle. Ihr Ziel ist die E-Lokomotive 187. Mit einem Lächeln geht es für sie die drei Eisensprossen hoch, direkt ins Führerhaus, um die Lok zu starten.

Die große Lok mit diesen kleinen Hebeln zu fahren, ist schon beeindruckend.

Peggy Franke Lokführerin

"Wenn ich hier im Führerraum sitze und weiß, es geht gleich los, das ist schon aufregend. Die große Lok mit diesen kleinen Hebeln zu fahren ist schon beeindruckend", erzählt Franke. "Auch die Geräusche machen mich glücklich. Wenn man hört, wie das Gerät hier hinter mir arbeitet und wenn man weiß, wieviel PS die Kleine hat, ist das schon sehr, sehr, sehr schön."

Triebwagenführer gilt weiterhin als Männerberuf

Die 84 Tonnen schwere Lok wird angetrieben von einem 7.000 PS starkem Motor. Bei DB Cargo auf dem Rangierbahnhof Halle dürfen 150 Lokführer diese Triebwagen fahren. Hinzu kommen fünf ausgebildete Triebwagenführerinnen. Mit einem Anteil von nur rund fünf Prozent arbeiten Frauen in diesem Beruf noch immer selten. Gruppenleiter Jens Bilkenroth schätzt seine neue Kollegin Peggy Franke sehr.

"Ich habe sie als authentischen Menschen erlebt, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie sagt was sie denkt. Sie ist sehr hoch qualifiziert, hat eine super Ausbildung gemacht, ihren Führerschein mit 'Eins' abgeschlossen und steht den Männern in nichts nach", sagt Bilkenroth.

Umschulung zur Lokführerin war nicht einfach

Zu Beginn der elf Monate dauernden Ausbildung zur Lokführerin hatte Peggy Franke einige Bedenken. Als sie den Inhalt und Umfang der Ordner sah, fragte sie sich selbst, ob der viele Lernstoff überhaupt in den Kopf zu bekommen sei. Aber mit vielen Stichpunkten, die sie auf unzählige Karten schrieb, habe das Lernen dann geklappt, erzählt sie. Auch die praktische Umsetzung des gelernten Stoffes habe sie am Ende gut bewältigt. Und doch sei an dieser Ausbildung wirklich nichts einfach gewesen, sagt Peggy Franke.

Sie müsse bis zu vier Mal am Tag den Zug und die Lok mit einer Kupplungskette von Hand verbinden. Und diese Eisenkette wiegt 19 Kilogramm. Um die Kupplungskette am Wagen gegenüber einhängen zu können, brauche man eine besondere Technik, so dass das Kuppeln auch funktioniere. Mittlerweile klappe aber auch das in den meisten Fällen auf Anhieb sehr gut.

Lokführerin Peggy Franke
Die Kupplungskette zum Verbinden von Zug und Lok wiegt 19 Kilogramm. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lokführerin trägt Verantwortung

Bereut hat Peggy Franke ihre Entscheidung nicht, mit 45 Jahren noch einmal in ein neues Berufsleben zu starten. Die neue berufliche Herausforderung mache sie glücklich. Das Schöne bei DB Cargo sei, dass sie nun eine große Verantwortung habe.

Sie sei zumeist allein auf der Lok, müsse dann selbstständig ihre Fahrten bestreiten, selbstständig schalten und walten. Das sei für sie einfach faszinierend. Sie bekäme nun immer häufiger eigene Schichten, auf denen sie die Loks allein fahren darf, und genau das sei ihr Ziel gewesen.

Ich kann sagen: Ich bin Lokführerin im Güterverkehr. Und da bekommen die meisten wirklich große Augen und sagen: echt Wahnsinn. Und das erfüllt mich mit Stolz.

Peggy Franke, frisch gebackene Lokführerin

Hinzu käme, dass sie nun deutlich mehr Geld bekomme. Und selbst wenn es für sie irgendwann mal als Lokführerin nicht mehr weiter ginge, fände man innerhalb des Konzerns immer eine Möglichkeit weiterzuarbeiten.

Lokführerin Peggy Franke im Führerstand 1 min
Bildrechte: MDR/Andreas Manke
1 min

Früher arbeitete Peggy Franke in einem Friseursalon. Nach dessen Aus schulte sie um zur Lokführerin. Im Video nimmt sie uns mit in den Führerstand und lässt uns bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

MDR SACHSEN-ANHALT Sa 22.07.2023 16:00Uhr 00:25 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/halle/video-peggy-franke-einblick-fuehrerstand-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

MDR (Andreas Manke)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Juli 2023 | 16:40 Uhr

7 Kommentare

Atze Ton vor 31 Wochen

Gerade die Ostdeutschen Jammerlappen schreien täglich nach Arbeitsplätze und Sicherheit und und und...

Jetzt wird einmal darüber berichtet - auch nicht richtig, weil hier ein Frau ihre Chance genutzt hat.

Ja - und das geht bei der Bahn. Genau die Deutsche Bahn, die letztendlich sogar für's Wetter verantwortlich sein muss. Damit jeder Klug..... erstklassik auf die Sekunde genau für möglichst Null Euro und ganz individuell von Popelheim nach Sackdorf kommt.

Pattel vor 31 Wochen

@DanielSBK das fordern Sie mal das bei denen ein,welche den Bahnverkehr vorsätzlich stören. Das sind auch zahlende wie nichtzahlende Kunden welche dazu beitragen.
Nicht gleich alle aufschreien.

Pattel vor 31 Wochen

Das hat die junge Frau für sich richtig gemacht. Mein ganzes Berufsleben habe bei der DR/DBAG verbracht. Die Bahn bietet Chancen für ein Berufsleben + Familie. Man muss nur wollen.

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