Eine Computeranimation zeigt einen Acker mit einzelnen Solarpaneelen und Tieren darunter
In Braunsbedra will ein Landwirt eine Ackerfläche nutzen, um gleichzeitig Solarstrom zu produzieren und Nutztiere zu halten. (Computer-Animation) Bildrechte: Sonnenquelle Geiseltal GmbH

Weide unter Solaranlage Bürger in Braunsbedra wollen großen Solarpark verhindern

24. Oktober 2023, 12:12 Uhr

Landwirt Carl-Philipp Bartmer will auf einem Acker im Geiseltal ein neues Konzept ausprobieren: Er will einen Solarpark anlegen und auf der Wiese gleichzeitig Tiere halten. Seit längerem informiert er vor Ort über die Pläne. Nun hat sich eine Bürgerinitiative gegen den sogenannten Agri-Solarpark gegründet. Sie will den Stadtrat umstimmen, der bisher noch mehrheitlich für das Projekt ist.

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Eine Bürgerinitiative in Braunsbedra wehrt sich gegen den geplanten Bau einer sogenannte Agri-Solaranlage. Auf 300 Hektar Fläche sollen unter Fotovoltaikanlagen Landwirtschaft betrieben werden. So soll die Fläche doppelt genutzt werden.

Bürger befürchten versiegelte Flächen und starken Geruch

Gesine Anklam, eine Gründerin der Initiative, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Anlage sei sehr groß. Die Initiative habe auch Bedenken wegen eines Landschaftsschutzgebietes in der Nähe. Sie sehen Flora und Fauna bedroht.

Anklam und ihre Mitstreiter befürchten eine mögliche Flächenversiegelung, Geruchsbelästigung und Nachteile für den Tourismus in der Region. Sie wünschen sich nach eigenen Aussagen mehr Mitspracherecht, wenn es um die Umgestaltung ihrer Heimat geht. Zur Gründung der Initiative waren mehr als 100 Menschen gekommen.

Stadtrat müsste über Bürgerentscheid abstimmen

Derzeit läuft noch ein Baugenehmigungsverfahren für das Projekt. Die Bürgerinitiative versucht indes mehr Stadträte auf ihre Seite holen. Zuletzt hatten elf Stadträte dafür und sieben dagegen gestimmt, drei hatten sich enthalten.

Der Stadtrat müsste über einen möglichen Bürgerentscheid abstimmen. Die nächste öffentliche Sitzung findet Ende November statt.

Betreiber informiert seit zwei Jahren über die Pläne

Der zukünftige Betreiber, Landwirt Carl-Philipp Bartmer, plant die Anlage als zweites Standbein für seinen Ackerbaubetrieb. Die doppelt genutzte Fläche ist schon länger in Planung. Da es bereits mehrere Informationsveranstaltungen gab, kann Bartmer die Aufregung nun nicht nachvollziehen.

Braunhaariger junger Mann in Steppjacke vor einer Baumreihe
Bildrechte: MDR/Uli Wittstock

Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wenn hier der Eindruck entsteht, dass die Gesellschaft, die Bürger von Braunsbedra, dieses Projekt partout nicht möchten, dann werden wir dieses Projekt auch nicht umsetzen." Er glaube allerdings an diese Chance. Sein Eindruck aus zweieinhalb Jahren Öffentlichkeitsarbeit sei, dass es eine große Unterstützerschaft gebe.

Bürgermeister: Strom kommt Anwohnern zugute

Der Bürgermeister in Braunsbedra, Steffen Schmitz (CDU), sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Stromertrag würde direkt den Bürgern zugute kommen: "Da gibt es einen Bürgerstromtarif, sodass zuerst die Bürger im Geiseltal den produzierten Strom bekommen." Was dann noch über ist, gehe in die lokale Industrie, zum Beispiel zu Linde nach Leuna.

Am Sonnabend, den 28. Oktober, sowie Donnerstag, den 2. November, je 18 Uhr in der Barbarahalle, sind erneut Informationsveranstaltungen von Bartmers Unternehmen Sonnenquelle geplant.

MDR (Anja Nititzki,Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Oktober 2023 | 19:00 Uhr

64 Kommentare

DER Beobachter vor 34 Wochen

Logo - diese Argumentation ist nachvollziehbar. Dann müssen sich aber die betroffenen Landwirte arrangieren und der Auftraggeber hat dazu ja schon Kompromißbereitschaft und Akzeptanz signalisiert. Die gewohnte unbetroffene Dagegen-Fraktion ist noch was anderes....

Logo1 vor 34 Wochen

Nicht Eigentümer des selben Ackers! Sie sind neben dem Investor Eigentümer von einzelnen Ackergrundstücken auf dieser 300 ha = 3 km2 Projektfläche. Sie sind bisher Verpächter an unterschiedliche landwirtschaftliche Pächter, die, um große und zusammenhängende Bearbeitungsflächen zu haben, eventuell noch Flächentausch untereinander durchführen.

DER Beobachter vor 34 Wochen

Na, hoffentlich wissen wenigstens " Ihre Bekannten in Braunsbedra", dass man sich als Betroffener nicht nur mit Alternativen "Fakten" befassen sollte...

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