Neuer Forschungsergebnisse Schamanin von Bad Dürrenberg verrät weitere Geheimnisse

Ein Forscherteam hat nachgewiesen, dass das Baby aus dem Grab der vor rund 9.000 Jahren gestorbenen Schamanin von Bad Dürrenberg krank war. Zudem hat sie wahrscheinlich für ihre Behandlungen auch die nahen Solequellen genutzt.

Gipsbüste der Schamanin von Bad Dürrenberg
Gipsbüste: So könnte die Schamanin von Bad Dürrenberg ausgesehen haben. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Schamanin
Neben den Gebeinen der Frau wurden in dem Grab die Knochen eines Säuglings gefunden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Forscher haben dem Grab der berühmten, rund 9.000 Jahre alten Schamanin aus Bad Dürrenberg weitere Geheimnisse entlockt. Demnach war das Baby krank, dass bei den Ausgrabungen an der Brust der Frau gefunden wurde. Darauf würden "Auflagerungen" auf Knochen des Kindes hinweisen, die auf Mangelerscheinungen schließen lassen, erklärt Anthropologe Jörg Orschiedt. "Es spricht viel dafür, dass der Säugling zu ihr gebracht wurde, damit sie ihn behandelt", sagt Landesarchäologe Harald Meller vom sachsen-anhaltischen Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. "Sie war eine erfolgreiche Heilerin. Die Menschen sind zu ihr gepilgert."

Schädel und Knochen der Schamanin von Bad Dürrenberg
Schädel und Knochen der Schamanin von Bad Dürrenberg (Archivbild) Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Nachgrabung klärt Identität des Säuglings

Untersuchungen des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie hatten zuvor schon bestätigt, dass es sich bei dem Säugling nicht um das leibliche Kind der Frau handelt. Möglich gemacht haben das Nachgrabungen an dem vor knapp 90 Jahren zufällig entdeckten Grab.

Bei der Nachuntersuchung waren weitere Knochen gefunden worden, die es ermöglichten, die Identität des Kindes festzustellen. "Bei den Versuchen, dem kranken Kind zu helfen, scheiterte sie jedoch und hat bei den Anstrengungen wohl selbst ihr Leben verloren, weshalb die beiden zusammen bestattet wurden", sagt Meller.

Salzwasser für Zahnbehandlung

Außerdem vermuten Forscher, dass die Frau die nahen Solequellen im heutigen Kurpark von Bad Dürrenberg für ihre Behandlungen genutzt hat. Das Salzwasser ermöglichte es ihr wahrscheinlich, mehrere Jahre mit zwei an der Innenseite bis in die Zahnhöhlen aufgefeilten Schneidezähnen zu leben.

Die Zahnwurzelentzündungen habe sie erstaunlich gut im Griff gehabt, sagt Walter Wohlgemuth, Direktor der Klinik für Radiologie am Uniklinikum Halle. "Auch ansonsten ist sie sehr gesund gewesen. Sie muss große Kompetenzen als Heilerin besessen haben."

Fehlbildungen unterstützen Glaubwürdigkeit

Allerdings hätten Fehlbildungen an ihrem Schädel und den Halswirbeln bei bestimmten Bewegungen dazu geführt, ihre "Augen von oben nach unten zu rattern", erklärt Wohlgemuth. "Das muss die Menschen zutiefst erschreckt haben." So habe einfach der Eindruck entstehen können, dass sie im direkten Geisterkontakt stehe, was ihre Glaubwürdigkeit unterstützte.

Wohl auch deshalb ist sie auf besondere Art bestattet worden. Das Grab in Bad Dürrenberg (Saalekreis) war 1934 zufällig bei Kanalarbeiten entdeckt worden und 2019 fanden Nachgrabungen statt.

Archäologie-Krimi aus Sachsen-Anhalt

Harald Meller hat zusammen mit Historiker Kai Michel über diesen Fall gerade einen Archäologie-Krimi geschrieben und zeigt darin, welche spannende Menschheitsgeschichte sich auf dem kleinen Flecken des heutigen Sachsen-Anhalt ereignete.

Älteste Schamaninnengrab der Welt

Die sterblichen Überreste der Schamanin sind seit Oktober wieder in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle ausgestellt. Experten gehen davon aus, dass es sich um das älteste sicher nachweisbare Schamaninnengrab der Welt handelt, wie Landesarchäologe Harald Meller sagte.

Museumsmitarbeiter Thomas Puttkammer arrangiert vorsichtig menschliche Knochen in einem Schaukasten.
Die Gebeine befinden sich wieder in Halle. Bildrechte: IMAGO/Steffen Schellhorn

Davor war der archäologische Fund in einer Ausstellung in London zu sehen. Die Ausstellung "The World of Stonehenge", wo ebenfalls die rund 3.600 Jahre alte "Himmelsscheibe von Nebra" zu sehen war, hat rund 180.000 Menschen angelockt.

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dpa, MDR (Hannes Leonard)

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