Energiekrise Haseloff fordert mehr Mitsprache der Länder in einem Gas-Notfall

Thomas Vorreyer
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Sollte im Winter Erdgas knapp werden, regelt die Bundesnetzagentur dessen Verteilung. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff übt daran nun Kritik. Er sagt, die Länder müssten in dem Fall mitreden. Geht es nach dem CDU-Politiker, werden auch schon jetzt die Kurzarbeiterregelungen angepasst.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD),spricht mit Reiner Haseloff (CDU)
Zuletzt öfter im Austausch: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff (l.) mit Bundeskanzler Scholz Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat sich für mehr Mitspracherecht der Bundesländer in der Energiekrise ausgesprochen. Sollte in Deutschland tatsächlich eine Gasnotlage eintreten, dürfe mit der Bundesnetzagentur nicht alleine eine Behörde über die Verteilung knappen Erdgases entscheiden. Das sagte Haseloff am Dienstag vor Medienvertretenden.

Bislang entscheidet Bundesnetzagentur im Notfall

Der Regierungschef verwies dabei vor allem auf die Situation der Wirtschaft. Man wisse vor Ort am besten, welche Abhängigkeiten bei Lieferketten bestünden und wo wichtige Unternehmen säßen, die auf Erdgas angewiesen sind. In Sachsen-Anhalt gehören dazu vor allem die Chemie- und die Glasindustrie. Von ihren Produkten hängen wiederum andere Wirtschaftszweige teilweise ab.

Wegen steigender Energiepreise und reduzierter russischer Erdgaslieferungen infolge des Krieges in der Ukraine herrscht in Deutschland derzeit eine sogenannte "Alarmstufe". Zwar sei die Versorgungssicherheit "weiterhin gewährleistet", heißt es bei der Bundesnetzagentur. Sie bewertet die Lage allerdings als "angespannt", eine weitere Verschlechterung der Situation könne nicht ausgeschlossen werden.

Auch die Landesregierung geht bislang davon aus, dass im Herbst und Winter ausreichend Gas in Sachsen-Anhalt vorhanden sein würde. Problematisch sei vielmehr die Frage, ob sich Unternehmen dieses noch leisten können.

Sollte im Herbst oder Winter dennoch mehr Gas benötigt werden, als vorhanden ist, dann würde die "Notfallstufe" ausgerufen werden. Nach bisherigen Plänen legt dann die Bundesnetzagentur fest, wie das Erdgas verteilt wird. Die Bundesregierung steckt die Rahmen zudem über Verordnungen ab. Private Haushalte sind dabei besonders gesetzlich geschützt.

Haseloff auch für Aufstockung des Kurzarbeitergelds

Auch aus anderen Bundesländer gibt es ähnliche Rufe nach Mitsprache. Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hat darauf bereits reagiert. Müller sagte am Dienstag dem ZDF, die Länder seien aus seiner Sicht ausreichend in die Erarbeitung der Notfallpläne eingebunden, etwa als Mitglieder des sogenannten Krisenteam Gas.

Derweil forderte Haseloff die Bundesregierung dazu auf, das Kurzarbeitergeld vorsorglich für den Herbst auf bis zu 90 Prozent aufzustocken. Sollten Produktionsstopps in erdgasintensiven Bereichen zu Kurzarbeit führen, könnten die betroffenen Beschäftigten dann dennoch privat die hohen Gaspreise stemmen. Eine ähnliche Regelung hatte es zuletzt zeitweise in der Corona-Pandemie gegeben.

Landesregierung veranstaltet kommende Woche Energiegipfel

Die Landesregierung veranstaltet am kommenden Dienstag einen sogenannten Energiegipfel. Neben Ministerien und kommunalen Spitzenverbänden werden dazu auch Vertreter der Industrie, der Gewerkschaften, der Bundesnetzagentur und des Bundeswirtschaftsministeriums erwartet. Mit ihnen will man die Auswirkungen der hohen Gaspreise und den Umgang damit diskutieren.

Die Staatskanzlei prüft unter anderem, ob ein landeseigener Schutzschirm für bestimmte Bereiche juristisch möglich wäre, etwa auch für kommunale Energieversorger. Einen solchen Schutzschirm hatte Sachsen-Anhalts Städte- und Gemeindebund zuletzt gefordert. Die Prüfung allein sei aber noch kein Bekenntnis zu einer solchen Hilfsmaßnahme, sagte ein Regierungssprecher vergangene Woche.

Ebenfalls am Dienstag will das Kabinett umfangreiche Energiesparmaßnahmen in der Landesverwaltung besprechen und beschließen.

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MDR (Thomas Vorreyer), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. August 2022 | 17:00 Uhr

14 Kommentare

hilflos vor 7 Wochen

Oooo - ja klar, das werden die Ampelisten spätestens dann merken, wenn im Winter die Wut durch die Decke geht. Mit ihrer Ideologie kann man sich den Hintern wischen, dann fallen garantiert 50% der Grünwahler auch von deren Glauben ab

hilflos vor 7 Wochen

Ganz einfach, der Föderalismus interessiert zu. Schluß niemanden. Vor der Moral kommt das Fressen, dass sollten die Damen und Herren dmund diverse der Ampel nie vergessen

Thommi Tulpe vor 7 Wochen

Warum klammern Sie Sich wie zu viele Leute an den hilflosen Gedanken Nord Stream 2? Versuchen auch Sie doch mal, weiterzudenken!
Vor Wochen bezeichnete Putin die Russland wirtschaftlich verbundenen "BRICS"-Staaten (Brasilien, Indien, China und Südafrika) als "Gegengewicht zum Westen in einer neuen Weltordnung" (Quelle: ARD-Text). Welches Interesse sollte Russland daran haben, dass es dem Westen, folglich auch Deutschland, (wirtschaftlich) gut geht?
Ich bin weder "Prophet", noch habe ich Politik- oder Wirtschaftswissenschaften studiert. Aber mit einfachem Überlegen müsste selbst der Schulabbrecher zu der Erkenntnis kommen, dass das einzige Interesse eines Herrn Putin darin bestehen kann, dem Westen, wieder: folglich auch Deutschland, empfindlich zu schaden, um in der "neuen Weltordnung" tatsächlich überlegen zu sein.
Wenn Sie anderes denken ... Sorry, dann würde ich Sie wie viele andere auch als realitätsfremden Träumer bezeichnen.

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