Eine Gruppe junger Menschen sitzt an einem Tisch.
In den Intel-Büros in der Magdeburger Innenstadt finden momentan Eignungstests für die künftigen Azubis statt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Assessment Intel sucht Azubis für Magdeburger Chipfabriken

von Sebastian Mantei, MDR SACHSEN-ANHALT

30. Januar 2024, 12:15 Uhr

Während auf dem Acker vor den Toren Magdeburgs noch Stillstand herrscht, findet in diesen Wochen in den Intel-Büros in der Innenstadt ein Kommen und Gehen statt. Das Unternehmen sucht Azubis und testet in mehreren Assessment-Trainings potentielle Kandidaten. MDR SACHSEN-ANHALT war dabei.

Insgesamt 20 Auszubildende für den Beruf des Mikrotechnologen sollen im September bei Intel beginnen. Es ist auch für Intel das erste Mal, dass der Konzern Azubis für Fabriken ausbildet, die noch gar nicht stehen. Ausbildungsverantwortliche Mila Wilson freut sich über die starke Nachfrage aus der Region.

Bei den Tests werden die jungen Leute in Gesprächssituationen getestet, müssen sich im Englischen behaupten und gute Kenntnisse in Mathematik, Physik und Chemie nachweisen. In jedem Training werden sechs bis acht Kandidaten geprüft. "Es geht um eine Gruppendiskussion, Einzelinterviews und unter anderem auch einen Test in Naturwissenschaften", sagte Mila Wilson MDR SACHSEN-ANHALT.

Eine kurzhaarige Frau lächelt in die Kamera.
Mila Wilson ist Director Recruiting in Magdeburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schüler und Studenten aus der Region

Zu den Kandidaten gehört auch Hans Häbele. Der Hallenser studiert derzeit Informatik, sieht aber bei Intel eine große Chance für sich. Er will mehr über das Unternehmen erfahren, wo seine Grenzen sind und welche Chancen er hat, bei Intel weiterzukommen.

Auch die Schülerinnen Melissa Greb aus Magdeburg und Nina Voigt aus Laucha hoffen auf einen Ausbildungsplatz. Für sie ist dieses Bewerbungsverfahren etwas Besonderes. "Ich habe noch gar keine Erfahrung im Arbeitsleben und bin offen für alles heute. Und ich freue mich auch, dass ich hier bin", sagte Nina Voigt. Beide Schülerinnen sind gespannt, neugierig und etwas nervös.

Ich habe noch gar keine Erfahrung im Arbeitsleben und bin offen für alles heute.

Nina Voigt Schülerin aus Laucha

Mila Wilson, die das Assessment betreut, versucht deshalb alle von Anfang an mitzunehmen und eine bewusst lockere Atmosphäre zu schaffen, damit alle Kandidaten ihr Können unter Beweis stellen können und an diesem langen Tag gut durchhalten. Neben den Tests kommen die Bewerber auch mit den Produkten in Berührung, die künftig in Magdeburg im sogenannten Reinraum produziert werden. Es sind Waferscheiben. Auf den siliziumbeschichteten, schallplattengroßen Scheiben entstehen die Chips, die später herausgetrennt und dann verbaut werden können.

Weiße Ganzkörperanzüge für die Kandidaten

Die Bewerber dürfen am Ende des Assessment-Trainings noch selbst in den Fab-Suit steigen, der Anzug für den Reinraum. Die weißkarierten Reinraumanzüge verhüllen die Kandidaten von Kopf bis Fuß. Was hier etwas beschwerlich aussieht, wird im Arbeitsalltag deutlich schneller gehen. Die Umkleideprozedur schreckt niemanden ab.

Eine junge Frau in einem Weißen Ganzkörperanzug.
Schülerin Nina Voigt probiert einen Reinraumanzug an. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Alle Kandidaten sind auch am Ende des Bewerbertages zuversichtlich und hoffen, zu den ersten Auszubildenden zu gehören, die in Magdeburg dabei sein können. Schülerin Nina Voigt ist sichtlich erleichtert und schätzt die lockere Atmosphäre, dass die Menschen freundlich seien und man gut miteinander klarkomme. Die Tests empfand sie als spannend und abwechslungsreich. Sie hofft nun auf eine Zusage – wie alle anderen.

Drittes Lehrjahr in Irland

Wer weiter kommt, wird am 1. September mit der Ausbildung starten können. Diese wird zunächst in Magdeburg bei einem Bildungsträger erfolgen. Technisch werden diese Einrichtungen von Intel ausgestattet, sagt Christy Pambianchi, Personalchefin des Intelkonzerns, im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT. Aber die Fachkräfte von morgen sollen die Produktion auch in der Praxis erleben und deshalb werden Magdeburger Azubis das dritte Ausbildungsjahr am Intelstandort Leixlip in Irland absolvieren, um direkt in der Halbleiterproduktion mitzuarbeiten. Mit diesen Erfahrungen sollen sie nach Magdeburg zurückkehren und die neuen Fabriken zum Leben erwecken, so Christy Pambianchi.

Eine blonde Frau mit Intel-Anstecker am Jacket.
Christy Pambianchi ist Personalchefin des Intelkonzerns. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Ausbildung eigener Fachkräfte ist für Intel in Magdeburg ein Meilenstein. Während in diesem Jahr 20 Azubis starten, sollen es im kommenden Jahr 40 bis 50 sein, so Mila Wilson, die das Assessment betreut.

Halbleiterindustrie braucht zehntausende Fachkräfte Der Fachkräftebedarf in der Halbleiterindustrie ist jetzt schon gigantisch. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft konnten im vergangenen Jahr 82.000 Stellen nicht durch qualifizierte Arbeitskräfte besetzt werden. Die Neuansiedlungen von Intel und anderen Halbleiterfirmen in Deutschland werden diese Zahl weiter steigen lassen.

Nachwuchs fehlt

Durch den Mangel an qualifiziertem Personal ist Ausbildung wichtig, sagt Prof. Christoph Kutter von der Universität der Bundeswehr. Er ist Sprecher des Fraunhofer-Verbunds für Mikroelektronik und im Lenkungskreis der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland. Als Grundproblem nennt er nicht mangelnde Ausbildungsstätten. Es fehle an Nachwuchs. "Wir brauchen mehr junge Menschen, die sich für diese Fächer begeistern", so der Professor.

Wir brauchen mehr junge Menschen, die sich für diese Fächer begeistern

Prof. Christoph Kutter Sprecher Fraunhofer-Verbund für Mikroelektronik

Kutter prognostiziert für die kommenden Jahre einen enormen Anstieg der Nachfrage an Fachkräften im Bereich Halbleiter und Mikroelektronik. Deshalb, so der Experte, müsse man das Thema Ausbildung hochhängen. Betriebe, Hochschulen, Universitäten, aber auch die Politik, müssten sich darum kümmern. Sonst werde man es nicht schaffen.

Der Ausbildungsstart von Intel in Magdeburg könnte ein Positivbeispiel sein, das Schule machen könnte. Das Unternehmen sucht auch in den Schulen nach potentiellen Kandidaten für seine künftigen Produktionsstätten in Magdeburg. Gleichzeitig will Intel auch durch praktische Anwendungen attraktive Berufsperspektiven für ein größeres Interesse an den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) werben und die Schulen dabei unterstützen.

Assessment erfolgreich

Mila Wilson, Director Recruiting in Magdeburg, ist mit den Assessment-Trainings in Magdeburg sehr zufrieden. Alle haben sich tapfer geschlagen. Sie freut sich schon jetzt auf den ersten Ausbildungsjahrgang. Alle ausgewählten Kandidaten können nun in Ruhe ihren Schulabschluss machen und sich mit einem unterschriebenen Ausbildungsvertrag in der Tasche auf den September freuen. Ob Student Hans Häbele und die Schülerinnen Melissa Greb und Nina Voigt dazu gehören, erfahren sie bald.

MDR (Sebastian Mantei, Luise Kotulla)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Januar 2024 | 19:00 Uhr

27 Kommentare

Nudel81 vor 20 Wochen

Meine Kritik ist schon berechtigt! Weil den Schulkindern in öffentlichen Schulen kaum genug Stoff in den Artikel genannten Fächern vermittelt wird und dann auf die Jugend geschimpft wird wie dumm sie sind. Eine Vermutung von mir: die Azubis machen alle Abitur. Denn am Gymnasium sieht es mit Lehrern bedeutend besser aus als an allen anderen Schulen.

Tom0815 vor 20 Wochen

@Nudel81
Nicht, dass ich ein Freund unseres Schulsystems, noch damit zufrieden bin. Aber Ihre Kritik hat nichts mit dem Artikel zu tun. Auch könnte man sie mißverstehen, da das Schulsystem ja offensichtlich gut genug ist, potentiellen Nachwuchskräften eine gewisse Grundbildung zu vermitteln. Das alle Bewerberinnen und Bewerber nicht auf Privatschulen sind/waren, davon gehe ich aus.

DeutscherPatriot vor 20 Wochen

Also ich habe die Kritik des Instituts so verstanden, dass man Magdeburg aufgrund mangelnder Infrastruktur als Standort in Frage stellt. Zum Beispiel kein regelmäßiger ICE-Anschluss; aber das lässt sich ja ändern. Bei meinen Gesprächen in Magdeburg habe ich vernommen, dass man sich das sowieso wünscht.

Als grundsätzliche Ablehnung verstehe ich die Kritik des IWH nicht. Sondern eher als Aufforderung, für die Schaffung der Infrastruktur zu sorgen: ÖPNV ausbauen, Schulen bauen, Flughafen.

Interessant finde ich den Punkt, dass das Institut Fremdenfeindlichkeit als Risiko genannt hat. Darüber sollte mal Herr Siegmund nachdenken, wer hier Industralisierung verhindert.

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