Schwibbogen und Nussknacker stehen in einem Regal.
So sehen echte erzgebirgische Nussknacker aus. Doch die Konkurrenz aus Fernost kontert mit Produkten im "Erzgebirgs-Stil". Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Erzgebirgische Volkskunst Männelmacher gehen auf die Barrikaden

29. März 2024, 12:42 Uhr

Die Erzgebirgische Volkskunst hat eine jahrhundertealte Tradition und ist unverwechselbar. In den letzten Jahren sind immer mehr Räuchermännchen, Nussknacker oder Schwibbögen "im Erzgebirgs-Stil" in den Handel gekommen. Das schmeckt den Kunsthandwerkern im Erzgebirge nicht. Deshalb klagen sie nun.

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Der Verkauf von Erzgebigischer Volkskunst ist ein gutes Geschäft. Das haben auch Hersteller in Fernost gemerkt. In den vergangenen Jahren ist das Angebot von Schwibbögen, Nussknackern oder Räuchermännchen im "Erzgebirgs-Stil" immer größer geworden. Doch viele dieser Erzeugnisse haben mit dem Erzgebirge so viel zu tun, wie der Frohnauer Hammer mit chinesischer Seidenmalerei: nämlich nichts. Das regt auch den Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker auf.

Frederic Günther, Geschäftsführer Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller
Frederic Günther ist der Chef des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. Bildrechte: Thomas Kruse

Gerichtsverfahren um "Erzgebirgs-Stil"

Deshalb klagt der Verband jetzt vor dem Landgericht Leipzig. "Es ist kein Duplikats-Streit, auch kein Markenstreit, sondern es ist ein Eingriff in unseren lauteren Wettbewerb mit Erzgebirgischem Kunsthandwerk. Wir wehren uns dagegen, dass Hersteller, die nicht von hier sind, mit der Herkunft 'Erzgebirge' werben und unseren Ruf ausnutzen", sagt Verbandschef Frederic Günther MDR SACHSEN. Im konkreten Fall geht es um den Begriff "im Erzgebirgs-Stil" für einen Nussknacker, der eindeutig nicht aus dem Erzgebirge stammt. Das Produkt wird über einen Teleshopping-Kanal im Internet verkauft. Der Streit dauert schon länger als ein Jahr und jetzt kommt es zur Verhandlung.

Schnitzer beim Reifendrehen.
Einer der letzten seiner Art. Reifendreher gibt es nur im Erzgebirge Bildrechte: Freilichtmuseum Seiffen

Empörung bei den Männelmachern

Besonders empört sind die Erzgebirgischen Kunsthandwerker über die Erwiderung der Klageschrift durch den beklagten Teleshopping-Kanal. Dort heißt es, dass das Erzgebirgische Kunsthandwerk in Wahrheit gar keinen guten Ruf habe. "Die stellen das so dar, als wäre unser hochwertiges Kunsthandwerk ein billiges und minderwertiges Tourismus-Souvenir. Das lassen wir natürlich nicht auf uns sitzen", empört sich Günther. Es komme immer wieder vor, dass Produkte "im Erzgebirgs-Stil" verkauft würden, aber so eine freche Begründung sei neu.

Die stellen das so dar, als wäre unser hochwertiges Kunsthandwerk ein billiges und minderwertiges Tourismus-Souvenir. Das lassen wir natürlich nicht auf uns sitzen.

Frederic Günther Chef des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker

Hoffnung auf EU-Regelung

Die Erzgebirger hoffen, dass es demnächst einen europaweiten Schutz gibt, den die EU schon ausgearbeitet hat. Der würde einen größeren Rechtsschutz garantieren und die Herkunftsangabe "Erzgebirge" umfassend schützen, ist sich Verbandschef Günther sicher. Bisher gebe es diesen Schutz vor allem für Lebensmittel mit geschützter Herkunft wie französischen Champagner oder Dresdner Christstollen. Ab 2025 sei dann auch der Schutz für andere Produkte möglich.

In dieser Frage wird Günther im April nach Brüssel zur Europäischen Kommission reisen, um sich dort noch einmal für die Interessen der Kunsthandwerker im Erzgebirge stark zu machen.

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MDR (mwa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten aus dem Regionalstudio CHemnitz | 27. März 2024 | 18:30 Uhr

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