Regenbogenfahne weht am Turm der Marienkirche Pirna am 17.5.2024
Am Turm der Marienkirche in Pirna wehte am Freitag zum Tag gegen Homophobie und Transphobie die Regenbogenflagge. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Streit um Regenbogenfahne Kirche in Pirna wehrt sich gegen NS-Vergleich von AfD-nahem Bürgermeister

18. Mai 2024, 18:31 Uhr

Der parteilose Pirnaer Oberbürgermeister Tim Lochner hat mit einer Kritik in den sozialen Medien eine Debatte ausgelöst. Weil dem von der AfD unterstützten Politiker die Regenbogenflagge an einer Kirche nicht passte, hat das im Vorjahr gewählte Stadtoberhaupt die religiöse Institution mit einem NS-Vergleich belegt. Dagegen hat sich der Kirchenvorstand nun mit einer Stellungnahme gewehrt.

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In Pirna hat sich ein Streit zwischen Oberbürgermeister Tim Lochner (parteilos) und dem Pfarrer der Marienkirche wegen einer Regenbogenfahne entzündet. Der von der AfD aufgestellte neue Oberbürgermeister Lochner hatte auf Facebook die evangelische Kirchgemeinde und ihren Pfarrer für die am Donnerstag gehisste Fahne scharf kritisiert. Dagegen hat sich die Kirchgemeinde verwahrt. In einem auf ihrer Internetseite veröffentlichten Statement hat sie ihre Sicht dargelegt.

Kirchenvorstand findet Post "schwer erträglich"

In dem mittlerweile gelöschten Post hatte Lochner Folgendes geschrieben: "Wenn wir ganz tief recherchieren, werden wir Belege finden, dass auch Fahnen mit Kreuz und Haken an der Marienkirche hingen... Kurz: es war Staatskirche, es ist Staatskirche." Wie der Kirchenvorstand auf seiner Internetseite schreibt, sei der Vorwurf schwer erträglich und inhaltlich falsch.

Tim Lochner
Tim Lochner (parteilos) wurde im März 2024 als Oberbürgermeister der Stadt Pirna vereidigt. Bildrechte: picture alliance/dpa/Robert Michael

Kirche in falsches Licht gerückt

Die evangelische Kirche habe die Fehler von Teilen ihrer Institution in der NS-Zeit erkannt und bereut, heißt es weiter. Diesen Fehler wolle die Kirche nicht wieder begehen. Sie wolle sich "mutig bekennen“, dass Offenheit und Toleranz zu unserem Grundverständnis gehören. Die Regenbogenfahne sei dafür ein gutes Zeichen. Sie drücke menschliche Vielfalt aus.

Eben diesen Fehler wollen wir heute nicht wieder begehen und wollen 'mutig bekennen', dass Offenheit und Toleranz zu unserem Grundverständnis gehören.

Kirchenvorstand Evangelische Stadtkirche St. Marien Pirna

Gesangbuch als Geschenk an OB

Dem Kirchengremium zufolge wird Lochner ein Gesangbuch für seine Bibliothek erhalten. Darin ist die "Barmer Theologische Erklärung" nachzulesen, die sich im Jahr 1934 gegen den bösen und tödlichen Ausgrenzungswillen des Führerstaats gewandt hatte. "Wir hoffen, dass dieses Geschenk hilft, die Fronten zu entschärfen", so der Kirchenvorstand. Zudem biete man Lochner weiterhin das persönliche Gespräch an.

CSD: "Lochner mit Propaganda der billigsten Art und Weise"

Für den stellvertretenden Vorsitzenden des Christopher Street Day Pirna, Klaus Elgner, ist das Verhalten Lochners "Propaganda der billigsten Art und Weise". Sie stelle eine Beleidigung nicht nur für die evangelische Kirchgemeinde dar. Wie der parteilose Stadtrat André Liebscher auf Facebook schreibt, war die Kirche um ihren Pfarrer Cornelius Epperlein eingesprungen, nachdem Lochner mit der Fahnen-Tradition seiner Amtsvorgänger im Rathaus brach.

MDR (Andreas Roth/wim)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 17. Mai 2024 | 19:00 Uhr

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