Eine Skulptur aus Sandstein 4 min
Das Stadtmuseum Pirna zeigt Skulpturen, die während der traditionsreichen Bildhauersymposien in Reinhardtsdorf geschaffen wurden.  Bildrechte: Ursula Güttsches
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Ulrike Thielmann über die neue Schau im Stadtmuseum Pirna, die Sandsteinskulpturen aus 50 Jahren Berliner Bildhauersymposium im nah gelegenen Steinbruch Reinhardtsdorf zeigt.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 23.02.2024 09:35Uhr 04:25 min

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"Steinbruchzeit" Ausstellung in Pirna: Faszinierende Skulpturen aus sächsischem Sandstein

24. Februar 2024, 04:00 Uhr

Der sächsische Sandstein ist berühmt, weil nach ihm ein ganzes Gebirge benannt ist: das Elbsandsteingebirge. Der Stein findet seit jeher neben dem Bau von Kirchen und Schlössern auch bei Skulpturen Verwendung. Noch heute hauen und meißeln Bildhauer und Bildhauerinnen in Sandstein – weshalb es im Steinbruch Reinhardtsdorf bei Pirna fast jeden Sommer ein Symposium für Bildhauerei gibt. 2024 feiert man 50-jähriges Bestehen und hat diesem Anlass im Stadtmuseum Pirna eine kleine Ausstellung bereitet.

Die Spots in der Ausstellung "Steinbruchzeit" in Pirna sind gesetzt und beleuchten vor allem Fragmente – von Menschenkörpern, Urformen und Werkzeuge, die die Phantasie anregen. Die Archaik wird durch das Material noch verstärkt: Sandstein, Elbsandstein aus Reinhardtsdorf bei Pirna. Hell, mal rötlich, mal bräunlich schimmert der Stein. Ein Naturmaterial, das auch dadurch überzeugt, dass es lange vor uns da war.

Ursula Güttsches, Bildhauerin mit Atelier in Dresdens Neustadt, hat die hübsche, kleine Ausstellung im Stadtmuseum Pirna kuratiert. Güttsches kennt die Unterschiede der verschiedenen Elbsandsteine und –brüche in Reinhardtsdorf, Cotta im Lohmengrund bei Pirna und in Wehlen. "Der eine ist eben sehr weich, dann gibt es einen, der ist sehr hart, der ist geeignet für den Bau, und es gibt diesen Reinhardtsdorfer Stein, der ist perfekt für Bildhauerarbeiten. Manche schwören auch auf den aus Cotta", erklärt die Bildhauerin.

Bildhauerinnen und Bildhauer arbeiten an einer Skulptur
Das erste Berliner Bildhauersymposium im Steinbruch Reinhardtsdorf fand 1974 statt. Bildrechte: Ulla Zernicke

50 Jahre Bildhauereisymposium in Reinhardtsdorf

Seit rund 15 Jahren zieht es Ursula Güttsches zum Bildhauersymposium nach Reinhardtsdorf, das 1974 der Berliner Skulpturen-Künstler Karl Möpert ins Leben rief, unter dem Namen "Berliner Bildhauersymposium". Das alles kann man in der Ausstellung erfahren. Sowie, dass man jeden Sommer nach Reinhardtsdorf kam, auch aus den sozialistischen Bruderländern, meistens aber aus Berlin – eine große Kunstschaffe! Diese unterstützte die DDR mit Kost und Logis, im Austausch zu Skulpturen für den öffentlichen Raum. Zudem war die Verbindung zwischen Künstlern und Arbeiterschaft naturgegeben.

Eine Ziegenbock-Skulptur aus Sandstein
Die Ausstellung in Pirna zeigt Skulpturen von Bildhauerinnen wie Eva Backofen. Bildrechte: Eva Backofen

Ursula Güttsches erinnert sich zurück: "Der jeweilige Bruchmeister hat uns unterstützt und eben auch die Arbeiter. Diese Unterstützung ist etwas, was auch diese tolle Atmosphäre ausmacht." Dass man einerseits mitverfolgt, wie der Stein aus dem Steinbruch kommt, aber andererseits auch die Unterstützung durch die Arbeiter erfährt, erklärt Güttsches und betont: "Es war immer Hilfe da".

Lange Tradition von Skulpturen-Ausstellungen in Pirna

Bei den Bildhauersymposien bekam jeder einen Drittel Kubikmeter Stein zur Verfügung gestellt, das Thema war frei. Etliche Skulpturen nahmen die Künstler mit nach Hause, viele verblieben jedoch in Reinhardtsdorf. Der Skulpturenwanderweg entstand. In Erinnerung an den 2014 verstorbenen Karl Möpert zeigt die Ausstellung seine Skulptur "Natursteine".

Eine Skulptur aus Sandstein
Das Stadtmuseum Pirna präsentiert die Skulptur "Natursteine" von Karl Möpert. Er hat das erste Bildhauersymposium in Reinhardtsdorf initiiert. Bildrechte: Karl G. Möpert

Sie fasst den Geist des Symposiums zusammen, meint Ivelina Angelova vom Stadtmuseum Pirna und zählt auf, wie viele Sandstein-Skulpturen-Schauen es hier bereits gab: "Das Ganze ist schon eine recht alte Freundschaft. Es gab in den 90er- und den 2000er-Jahren drei Ausstellungen". 1995 hieß sie "Musik in Stein", 1998 "Eine Brücke zu Canaletto" und 2004 gab es einen literarischen Bezug.

Natur, Kunst und Stein im Stadtmuseum entdecken

Natur, Kunst und Stein – das ist es, was die Magie von Sandsteinskulpturen ausmacht. Die Natur müssen sich die Besucher im ersten Stock des Stadtmuseums dazu denken, wenn sie die gegenständlich-abstrahierten Frauen- und Männertorsi von Ursula Güttsches oder Marguerite Blume-Cárdenas betrachten. Es sind gewundene, technische Strukturen, die Annette Tucholke-Bonnet in Stein übersetzt hat oder bewegliche Sandstein-Fragmente von Robert Schmidt-Matt. Ist es ein Gag, dass Inka Gierden gar einen Blumenkohl aus Sandstein formte? Um die Natur in die Schau zu holen, zeigt sie zudem Landschaftsmalereien mit Farbpigmenten aus dem Reinhardtsdorfer Bruch, unter anderem von Sigrid Herdam.

Ursula Güttsches betont: "Mit Steinbruch sieht man zwischen diesen Steinschichten bröseliges Material, das ganz stark farbig ist – und da kann man Pigmente draus gewinnen." Erst habe nur eine Kollegin begonnen, dort Steinschichten rauszkratzen und damit zu malen, erinnert sich die Bildhauerin. "Und dann wurden wir immer mehr, die das mitgemacht haben."

Die Ausstellung in Pirnas Stadtmuseum beseelt den Wunsch nach Frühling und Ausflügen in die Natur, bei denen einem immer mal eine Sandsteinskulptur begegnet.

Informationen zur Ausstellung "SteinBruchZeit - 50 Jahre Berliner Bildhauersymposium im Steinbruch Reinhardtsdorf"
Ausstellung vom 24. Februar bis zum 23. Juni 2024

Stadtmuseum Pirna
Klosterhof 2, 01796 Pirna

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Redaktionelle Bearbeitung: vp

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Vormittag | 23. Februar 2024 | 11:10 Uhr

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