Ein blonder Schauspieler in Cowboykostüm reitet auf einem Pferd. 4 min
Mit actionreichen Szenen und einer sensiblen Darstellung der amerikanischen Ureinwohner möchte das neue Winnetou-Stück beeindrucken. Bildrechte: René Jungnickel

Saisonstart Mit "Shatterhand" endlich wieder Karl May auf der Felsenbühne Rathen

18. Mai 2024, 04:01 Uhr

Zum ersten Mal seit der Sanierungs- und Coronapause zeigt die Felsenbühne Rathen wieder ein Stück nach Karl May. Nach den Debatten um Winnetou in den vergangenen Jahren hat man sich bemüht, Diskriminierungen zu vermeiden. In "Shatterhand", das am Samstag Premiere feiert, soll die Friedensbotschaft Karl Mays im Zentrum stehen. Außerdem gibt es ein Rahmenprogramm indigener Kunstschaffender.

Nur ein Wort steht auf dem Plakat zu lesen: Shatterhand. Fehlt da nicht was, werden eingefleischte Karl-May-Fans sofort fragen. Das Attribut, das der Westmann aus der Feder des sächsischen Abenteuerschriftstellers seit jeher im Namen trägt, das adelnde "Old" vor dem eigentlichen Namen?

Im Prinzip schon, aber in der Wildwestgegenwart auf Europas schönster Naturbühne reitet man in dieser Saison frei nach Karl May durch eine Geschichte, die Holger Kahl geschrieben hat. Ein echter Felsenbühnen-Profi, man könnte auch von einer doppelten Fachkraft sprechen. Denn er hat nicht nur das Stück geschrieben, sondern auch die Stunts dafür koordiniert. Auch das hat er drauf, als ehemaliger Stuntman. "Ich bin eben mit Körper und Geist dabei", gibt er lachend zu Protokoll.

Ein Schauspieler mit langem, dunklem Haar in einem Kostüm, das der Kleidung amerikanische Ureinwohner nachempfunden ist, sitzt auf einem Pferd und reicht einem blonden Schauspieler in Cowboyjacke, der ebenfalls auf einem Pferd sitzt, die Hand.
Winnetou und Old Shatterhand reiten nach langer Pause 2024 wieder über die Felsenbühne Rathen. Bildrechte: René Jungnickel

Wild ist der Westen, hart ist der Beruf

Und erzählt, dass er schon einmal schmunzeln musste. Vor zwei Jahren, als der Ravensburger Verlag nach Protesten gegen den Kinofilm "Der junge Häuptling Winnetou" die Bücher aus dem Programm genommen hat. "Ausgerechnet jetzt setzt du dich hin und schreibst ein Stück über Old Shatterhand, Sam Hawkins und Winnetou", dachte Kahl damals. Nun hat er es fertig und hofft, dass er allem und jedem gerecht wird. Der historischen Vorlage von Karl May, den darin dargestellten indigenen Völkern und dem Publikum, das sich auf ein traditionelles Spektakel mit Cowboys und Indianern freut, ohne sich dabei etwas Diskriminierendes zu denken.

Zwei Westmänner in Betrachtung des Mondes

Werfen wir nochmal einen Blick auf das Plakat zum Stück. Da lassen zwei Westmänner hoch zu Ross ihre Blicke ganz im Stil von Caspar David Friedrich nicht über die Weiten der Prärie, sondern das Elbtal schweifen. Flüchtet sich das Theater hier also in Ironie?

Zwei Männer in Cowboykleidung sitzen auf Pferden und blicken auf eine Landschaft, die ans Elbsandsteingebirge erinnert.
Das Plakatmotiv für "Shatterhand" erinnert an ein Caspar-David-Friedrich-Gemälde. Bildrechte: Landesbühnen Sachsen

Keine Angst, Manuel Schöbel, Intendant und Regisseur, noch so eine doppelte Fachkraft also, nimmt das Stück ernst, sehr ernst sogar und verrät über die Story: "Wir haben die Friedensbotschaft von Karl May zur Botschaft unseres Stücks gemacht und erzählen eine Geschichte von denen, die am Krieg verdienen, von denen, die die Macht haben, den Krieg zu erhalten. Und wir erzählen von den Nöten der Menschen, die den Krieg beenden wollen, aber nicht wissen wie." Damit sei man genau an der Stelle, wo es sich im Moment lohne, Theater zu machen.

Menschen, Tiere, Explosionen

Und wenn man das auf der Felsenbühne Rathen tut, muss man es entsprechend krachen lassen. Dafür sorgen nicht nur die Pyrotechnik-Abteilung, sondern auch die der Stuntmans sowie zehn neue, nun sogar theatereigene Pferde und insgesamt 70 Mitwirkende. Der Mann in der Titelrolle ist Gast. Sascha Gluth, lange Zeit der Störtebeker in Ralswiek auf Rügen, hat in den vergangenen Jahren den Shatterhand bei der Konkurrenz in Bad Segeberg geübt.

Ein Schauspieler in Sheriff-Kostüm und ein Schauspieler mit grünem Mantel und Zylinder posieren vor einer historischen Kamera.
Die Inszenierung transportiere Karl Mays Friedensbotschaft und erzähle "eine Geschichte von denen, die am Krieg verdienen", erklärt Regisseur Manuel Schöbel. Bildrechte: René Jungnickel

Winnetou ohne kulturelle Aneignung?

Die Rolle seines Blutsbruders Winnetou ist bei Michael Berndt-Cananá traditionell in den besten Händen. Wobei das mit der Tradition ja so eine Sache ist. Der Schauspieler weiß um die neuerdings besondere Verantwortung seiner Rolle als Häuptling der Apachen und erklärt: "Für mich ist diese Rolle ein Stück Sozialisierung und die sorgt natürlich auch für Verklärung." Es sei seine Aufgabe, das nicht undifferenziert an die nächste Generation weiterzugeben.

Wenn man von kultureller Aneignung spreche, dürfe er hinterfragen, was er tue, wenn er etwas anziehe oder benutze. Er stellt fest: "Für mich ist das immer eine Frage des respektvollen Umgangs und ich bin deshalb froh, dass wir Gäste vom Stamm der Crow hier haben, die ihre Kultur, ihre Sprache mit einbringen, die wir auch fleißig lernen."

Ein Schauspieler mit langem, dunklem Haar in einem Kostüm, das der Kleidung amerikanische Ureinwohner nachempfunden ist, reitet auf einem Pferd.
Für das neue Theaterstück hat sich die Felsenbühne Rathen bemüht, keine diskriminierenden Darstellungen zu bedienen. Bildrechte: René Jungnickel

Rahmenprogramm mit indigenen Kunstschaffenden

Unter dem Motto "Turtle Island" zeigen die Theatermacher, dass man den Begriff der kulturellen Aneignung auch positiv besetzen kann. So wird eine Ausstellung mit Werken zeitgenössischer nordamerikanischer indigener Künstler gezeigt, der in Deutschland lebende Native American, Kulturvermittler und Schauspieler Kendall Old Elk präsentiert zwei seiner Shows und es wird einen Markt mit Kunsthandwerk aus Nordamerika geben.

Weitere Informationen

"Shatterhand"
Abenteuerstück frei nach Karl May
Buch: Holger Kahl
Regie: Manuel Schöbel
Wissenschaftliche Beratung: Robin Leipold

Felsenbühne Rathen
Amselgrund
01824 Rathen

Termine:
Samstag, 18. Mai 2024, 19 Uhr (Premiere)
Sonntag, 19. Mai 2024, 16 Uhr
Freitag, 24. Mai 2024, 19 Uhr
Samstag, 25. Mai 2024, 15 Uhr
Sonntag, 26. Mai 2024, 17 Uhr
Freitag, 31. Mai 2024, 19 Uhr
Samstag, 1. Juni 2024, 19 Uhr
Sonntag, 2. Juni 2024, 17 Uhr

und viele weitere.

Rahmenprogramm: "Old Elk Family & Friends – Show indigener Kultur Nordamerikas"

Freitag, 24. Mai 2024, 10:30 Uhr
Samstag, 25. Mai 2024, 19 Uhr

Lange Karl-May-Tradition in Rathen Die Felsenbühne Rathen ist eine der traditionsreichsten Karl-May-Bühnen Deutschlands. Die Abenteuererzählungen des meistgelesenen Autors deutscher Sprache gehören seit 1938 zum Repertoire des Freilufttheaters in der Sächsischen Schweiz. In der DDR war Karl May zunächst offiziell verpönt. Erst seit den 80er-Jahren fand eine Öffnung statt. Seit 1984 nahm die Felsenbühne Rathen wieder Theaterstücke nach Karl May ins Repertoire.

Aufgrund von Umbau- und Renovierungsarbeiten konnte die Felsenbühne nach 2019 zwei Spielzeiten lang nicht genutzt werden. 2020 fanden aufgrund der Corona-Pandemie keine Karl-May-Spiele statt. 2021 wurde "Winnetou I" provisorisch im Radebeuler Lößnitzgrund gezeigt. Zur Wiedereröffnung der Felsenbühne 2022 verzichteten die Landesbühnen Sachsen auf ein Winnetou-Stück – zum ersten Mal seit 1984.

Eine mit verschiedenen Farben beleuchtete Bühnen mitten zwischen Bäumen in einem Wald.
Die Felsenbühne Rathen erstrahlt nach einer Sanierung seit 2022 in neuem Glanz. Bildrechte: Michael Schmidt

Redaktionelle Bearbeitung: hro

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Mai 2024 | 17:40 Uhr

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