Tourismusangebot Grusel-Genuss bei neuer Stadtführung durch Meißen

Gäste können in Meißen mit Bürgerfrauen, Kräuterkundlerinnen, Historikern oder Weinexperten auf Entdeckungsreisen gehen. 2023 kommt ein neues Angebot hinzu, bei dem Neugierige einen Stadtspaziergang mit Orgelmusik in Kirchen und Anekdoten voll gruseliger Details erleben können. Wie es sich für Gastgeber in Sachsen gehört, sind Kaffee und Kuchen mit eingeplant, in Meißen auf original Meissner Porzellan serviert.

In einem dunklen Raum wirft eine eiserne Tür Schatten auf den Steinboden. An der Wand des Raumes leuchten wei Kerzen hell. Das Detail stammt aus dem Krichenschiff des gotischen Domes in Meißen im Advent 2021.
Im tagsüber romantisch wirkenden Meißen sind in den vergangenen Jahrhunderten auch kriminelle Dinge vorgefallen. Ihre Schatten flackern in Gerüchten und Archiveinträgen immer wieder auf. Und 2023 auch bei einem neuem Stadtführungsangebot. (Archivfoto) Bildrechte: Kathrin König

2023 können Interessierte in Meißen ein neues Stadtführungsformat kennenlernen: "Organ and Crime". Die Tour führt zu vier Orgeln in der Stadt, an denen kleine Konzerte stattfinden. Auf den Wegen dahin sollen die Besucher von einer Stadtführerin mystische Anekdoten und Krimi-Storys aus dem Mittelalter und der Neuzeit erfahren. "Es gibt viele Geschichten und Gerüchte über Todesfälle. Wir haben aber auch Fakten aus den Archiven neu zusammengestellt, die bei anderen Führungen noch nicht zu hören waren", sagt die Leiterin der Tourist-Information, Christina Czach. Sie freut sich auf das Konzept, das sie augenzwinkernd als "spinnerte Idee" bezeichnet, mit dem sie jedoch Touristen und Einheimische dazu einladen will, die Stadt "in neuem Licht" zu sehen.

Es ist eine spinnerte Idee, doch ich wage zu behaupten, dass sie in Sachsen und Deutschland einmalig ist.

Christina Czach Leiterin der Tourist-Information Meißen

Entstanden sei die Idee in Gesprächen, in denen sich Domkantor Thorsten Göbel und die Kulturreferentin Sara Engelmann über eine andere Stadtführung unter dem Titel "Organ and Bikes" unterhielten, die sie gemeinsam weiterentwickelten. Es ging um die Orgel in der Lutherkirche im Triebischtal, an der schon Karl May als Gefangener in der Vollzugsanstalt Waldheim gespielt hatte. "Es gibt so viele Geschichten zu erzählen und Spannendes rings um die 14 Orgeln in Meißen", schwärmt Domkantor Göbel. 254 Orgelregister gebe es in der Stadt, damit sei Meißen Spitzenreiter in Sachsens Orgellandschaft.

Auf einer Holzbank vor einem Orgelspieltisch sitzen drei Menschen, ein Mann steht links daneben, am anderen Ende rechts steht eine Frau daneben. Es sind die Initiatoren eines neuen Stadtführungsformats namens "Organ and Crime" in Meißen (von links): Kantor Karsten Voigt, die Chefin der Tourist-Information Christina Czach, Domkantor Thorsten Göbel, die fürs touristische Marketing bei der Porzellanmanufaktur Zutändige, Kathrin Kretzschmar und Kulturreferntin Sara Engelmann.
Die Fünf an der Orgelbank in der Frauenkirche Meißen (von li.): Kantor Karsten Voigt, die Chefin der Tourist-Information Christina Czach, Domkantor Thorsten Göbel, die fürs touristische Marketing bei der Porzellanmanufaktur zuständige Kathrin Kretzschmar und Kulturreferentin Sara Engelmann. Bildrechte: Kathrin König

Dem Kantor auf die Orgelbank rücken?

Göbel und der Kantor der St.-Afra-Gemeinde, Karsten Voigt, wollen während der achtstündigen Stadtführung die Orgelstücke spielen, sich auf Hände und Füße beim Spielen blicken lassen und Fragen beantworten. "Das Interesse ist da. Wir wollen, dass uns die Leute zuschauen, was ja oft nicht möglich ist und sich überraschen lassen", meint Kantor Voigt.

Orgelpfeiffen aus Meißner Porzellan 4 min
Bildrechte: imago images/Steffen Unger

Gäste sollen Musikprogramm mitbestimmen

Welche Stücke genau auf den vier Orgeln erklingen werden, können die Tour-Teilnehmer kurz vorher per Mail mitbestimmen. "Zum Trost spenden wird sicher etwas von Bach dabei sein", sagt Kirchenmusiker Göbel. Er kann sich aber auch eine Titelmelodie eines Miss-Marple-Films vorstellen oder den "Tanz der Zuckerfee" aus dem "Nussknacker", den ältere Sachsen noch als Titelmelodie der DDR-Fernsehsendung "Willi Schwabes Rumpelkammer" im Ohr haben könnten.

Im Grunde sind wir bei der Führung im Zwiespalt: Wir werben für die Schönheit Meißens und zeigen auch Gruselgeschichten. Das Leben ist eben vielseitig.

Thorsten Göbel Domkantor Dom zu Meißen

Die "Organ and Crime"-Tour startet nachmittags in der St. Bennokirche im Triebischtal und führt zur Orgel in der Porzellanmanufaktur Meissen - Kaffee und Kuchen zur Stärkung vom berühmten Porzellan sind mit eingeplant. Danach geht es weiter zur Frauenkirche am Markt, über die Frauenstufen hinauf in den abendlichen Dom.

Am Ende sollen die Besucher von Musik, Geschichten und Zeichen erfüllt sein, hofft das Organisatorenteam und verweist auf ermordete Stadträte, an die seit dem Mittelalter ein Steinkreuz erinnert, auf einen Totenkopf im Dom und einen Mönchskopf an einer Hausfassade. "Im Grunde sind wir bei der Führung im Zwiespalt", sagt Domkantor Thorsten Göbel augenzwinkernd: "Wir werben für die Schönheit Meißens mit Musik und Gruselgeschichten. Das Leben ist eben vielseitig."

Ein Mann läuft abends durch eine schummrig beleuchtete Gasse ins Dunkel hinein. Die Gasse ist in der mittelalterlichen Altstadt von Meißen zu finden,
Die Spuren gruseliger Vorfälle können Interessierte in Meißen bei einer neuen Stadtführung verfolgen und sich gleichzeitig von Orgelmusik faszinieren oder beruhigen lassen. Bildrechte: Kathrin König

MDR

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