Die SRW Metalfloat betreibt im Röthaer Ortsteil Espenhain Anlagen zur Aufbereitung von metallhaltigen Rückständen.
Während ein Teil der Belegschaft streikt, geht die Arbeit in der Espenhainer Firma weiter. Laut einem Betriebsrat des Mutterunternehmens belastet diese Zweitteilung das zwischenmenschliche Klima bei SRW metalfloat. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Arbeitskampf Betriebsrat fordert Ende des Streiks in Espenhainer Recyclingfirma

19. April 2024, 14:49 Uhr

Der monatelange Streik beim Schrott- und Recyclingunternehmen SRW metalfloat im Röthaer Ortsteil Espenhain sorgt bundesweit für Aufsehen. Selbst Bundestagsabgeordnete haben sich eingeschaltet und Tarifverhandlungen gefordert. Ein Betriebsrat des Mutterunternehmens kann das nicht verstehen. Er und seine Kollegen in dem Gremium halten auch eine Lösung ohne Tarifvertrag für denkbar. Mit der IG Metall kommen sie so aber auf keinen gemeinsamen Nenner.

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Seit dem 8. November 2023 streiken Beschäftige des Schrott- und Recyclingunternehmens SRW metalfloat in Espenhain. Betriebsrat Jens Timm hat dafür kein Verständnis. Er arbeitet seit 45 Jahren im Mutterunternehmen Scholz Recycling im baden-württembergischen Essingen. Als Sprecher Ost ist er damit auch für das Tochterunternehmen in Espenhain zuständig. An dem Streik der IG Metall beteilige sich nicht einmal die Hälfte der Belegschaft. "Von daher gehe ich davon aus, dass der er nicht gewünscht ist", sagte Timm im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Noch deutlicher wird für ihn das Missverhältnis, wenn man die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der gesamten Unternehmensgruppe berücksichtigt. Insgesamt seien ca. 1.000 Menschen beschäftigt. Davon würden gerade einmal 90 streiken, sagte Timm.

Betriebsrat schreibt Offenen Brief

Mit einem Offenen Brief haben er und seine Kollegen vom Mutterunternehmen sich jetzt an die IG Metall in Leipzig gewandt. In dem Schreiben heißt es unter anderem: "Wir fordern Sie auf, den unbefristeten Streik bei der SRW metalfloat GmbH zu beenden." Gleichzeitig plädiert Timm dafür, eine im Betrieb getroffene Vereinbarung zu akzeptieren: "Die besagt, dass es ab Januar dieses Jahres 200 Euro mehr Lohn sowie ein Urlaubs- und Weihnachtsgeld von jeweils 1.000 Euro gibt", beschreibt der Betriebsrat das Angebot.

Durch den Streik werde dieses Ergebnis den streikenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jedoch vorenthalten. "Und das nur, weil die IG Metall unbedingt einen Tarifvertrag abschließen möchte, um ihren Einflussbereich auszudehnen", ärgert sich Timm.

Längster Arbeitskampf der IG Metall

Für die IG Metall ist es nach eigenen Angaben der längste Arbeitskampf, den die Gewerkschaft bisher geführt hat. Sie hatte dem Unternehmen am vergangenen Wochenende nach eigenen Angaben einen Tarifvertag übermittelt: "Wir laden den Arbeitgeber ein, den zugestellten Tarifvertrag zu unterschreiben, den Arbeitskampf damit zu beenden und einen Neustart unserer gemeinsamen Arbeitsbeziehung einzuleiten", sagte der Verhandlungsführer und Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig, Michael Hecker.

Verdienst nur knapp über dem Mindestlohn

Die Gewerkschaft fordert für die rund 180 Beschäftigten acht Prozent mehr Entgelt, eine Erhöhung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes auf je 1.500 Euro und eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden. Aktuell liegt der Verdienst laut Gewerkschaft knapp über Mindestlohn und im Schnitt damit rund 600 Euro niedriger als bei Beschäftigten in vergleichbaren Betrieben. 

Bundespolitiker setzen sich für Tarifverhandlungen ein

Anfang der Woche hatte sich auch 79 Mitglieder des Deutschen Bundestages in einem Offenen Brief an Eigentümer und Geschäftsführung von SRW metalfloat gewandt. Parteiübergreifend fordern sie die Verantwortlichen auf, Tarifverhandlungen mit der IG Metall aufzunehmen, um den seit Monaten anhaltenden Tarifkonflikt im Unternehmen zu beenden

MDR (sth/gri)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 18. April 2024 | 14:30 Uhr

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