Proteste Bauern blockieren stundenlang fast alle Autobahnzufahrten in Thüringen

31. Januar 2024, 21:07 Uhr

Thüringer Bauern haben am Mittwoch fast alle Autobahnzufahrten in Thüringen stundenlang blockiert. Anlass waren die abschließenden Haushaltsberatungen im Bundestag. Gegen Mittag wurden die Blockaden beendet.

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Die Protestaktionen Thüringer Landwirte haben am Mittwoch einen neuen Höhepunkt erlebt: Stundenlang blockierten Bauern mit Traktoren die meisten Autobahnauffahrten in Thüringen. Dadurch kam es für Autofahrer zu erheblichen Einschränkungen auf Autobahnen. Wie die Polizei am Abend mitteilte, wurden die Blockaden ab Mittag weitgehend aufgelöst. Blockiert waren am Abend noch die Auffahrten Bad Lobenstein, Triptis, Schleiz und Dittersdorf an der A9.

Die Protestaktion, die vom Thüringer Bauernverband unterstützt wurde, richtete sich erneut gegen Pläne der Bundesregierung, Steuererleichterungen für Landwirte zu streichen. Aktueller Anlass war die Haushaltsdebatte im Bundestag am Mittwoch.

Früher Start in Ostthüringen - Blockade in Jena nicht genehmigt

Blockiert wurden zahlreiche Auffahrten zu den Autobahnen 4, 38 und 71 unter anderem im Eichsfeld, im Kreis Nordhausen und im Kyffhäuserkreis, bei Ilmenau und Erfurt sowie im Osten Thüringens. Dort hatten am frühen Morgen die ersten Blocken begonnen. An der A4-Zufahrt Erfurt-Ost versammelten sich mehr als 20 Traktoren, in Nordthüringen waren rund 50 Landwirte beteiligt. Die Blockaden wurden vielerorts mehrfach für eine halbe Stunde unterbrochen, um den Verkehr normal fließen zu lassen. Vereinzelt wurden die Blockaden nicht genehmigt, wie zum Beispiel in Jena-Göschwitz. Hier ist die Autobahnzufahrt frei.

In Bildern So sah es am Mittwoch an den Zufahrten in Thüringen aus

Landwirte blockieren mit ihren Fahrzeugen eine Autobahnauffahrt.
Bereits am frühen Morgen blockierten Bauern Zufahrten, wie hier in Schmölln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Landwirte blockieren mit ihren Fahrzeugen eine Autobahnauffahrt.
Bereits am frühen Morgen blockierten Bauern Zufahrten, wie hier in Schmölln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Autos biegen auf die Autobahn ab.
Für Autofahrer war und ist den Tag über kein Durchkommen... Bildrechte: News5
Autos biegen auf die Autobahn ab.
... außer wie hier, durch illegales Umfahren der Blockade. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel
Traktoren fahren zur Autobahnauffahrt Sömmerda Ost, um diese zu blockieren - am letzten Traktor kann man lesen "Ohne uns kein Essen"
Auch bei der A71 in Kölleda rückten in der Früh die Fahrzeuge an. Bildrechte: Karina Heßland-Wissel
Polizei sichert den Bauernprotest ab, Landmaschinen und Traktoren stehen in der Auffahrt Kölleda in Richtung Sangerhausen an der Autobahn A71
Voraussichtlich den ganzen Tag wollen die Landwirte gegen die Bundespolitik demonstrieren. Bildrechte: Karina Heßland-Wissel
Traktoren stehen in der Auffahrt Kölleda in Richtung Sangerhausen zur Autobahn A71  - an der Front eines Traktors ist zu lesen: "Gesetze und Regeln ohne Verstand, erst stirbt der Bauer, dann das Land"
Auch mit Plakaten machen sie auf ihre Forderungen aufmerksam. Bildrechte: Karina Heßland-Wissel
Autobahnauffahrt wird durch die Bauern mit ihren Traktoren blockiert und bestreikt.
Auch bei Weimar blockierten die Bauern - Autofahrer müssen teils lange Umwege in Kauf nehmen. Bildrechte: Johannes Krey
Bauern blockieren eine Autobahnzufahrt.
Und bei Erfurt Ost war ebenfalls der Zugang zur A4 versperrt. Bildrechte: MDR/Sophie Hartmann
Alle (8) Bilder anzeigen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. Januar 2024 | 12:00 Uhr

"Landwirte-Camp" vor Landtag in Erfurt

Der Bauernverband plant zudem seit Mittwoch ein dreitägiges "Landwirte-Camp" vor dem Thüringer Landtag in Erfurt mit rund 50 Traktoren. Den Angaben zufolge könnten Teilnehmer auch vor dem Landtag übernachten. Dort sollen Forderungen an die Landtagsabgeordneten gerichtet werden. Landtagssitzungen finden in dieser Woche von Mittwoch bis Freitag statt.

Bauernverband: Keine weiteren großen Aktionen diese Woche

Neben den Blockaden und dem Protestcamp sind laut Bauernverband und seinen Kreisverbänden in dieser Woche keine weiteren größeren Demonstrationen in Thüringen geplant. Es könne aber zu weiteren Aktionen mit anderen Anmeldern kommen, sagte eine Verbandssprecherin. So berichtet das "Freie Wort", dass sich im Anschluss an die Blockaden am Mittwoch zahlreiche Schlepper an der Hohen Geba (Kreis Schmalkalden-Meiningen) einfinden sollen, um mit den Fahrzeugen den Schriftzug "Schnauze voll" zu bilden.

Mehr Informationen zu den Bauernprotesten gibt es hier für Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Protest gegen Subventionsabbau und zu viel Bürokratie

Der Protest der Bauern richtet sich unter anderem gegen von der Bundesregierung geplante Kürzungen bei Agrardiesel-Subventionen und gegen zu viel Bürokratie. Dagegen protestieren die Landwirte bereits seit mehreren Wochen landes- und bundesweit.

Bauern blockieren mit Traktoren Autobahnzufahrten.
Bauern machten am Mittwochmorgen in Ostthüringen auch mit Plakaten auf ihre Forderungen aufmerksam. Bildrechte: News5

In der vergangenen Woche hatte der Thüringer Bauernverband angekündigt, statt eines zentralen Protestes vor allem dezentrale Aktionen durchzuführen.

Mehrere Streiks in Thüringen

Unabhängig von den Bauernprotesten haben in Thüringen mehrere Streiks stattgefunden. Bis Montag hatten die Lokführer gestreikt, am Dienstag gab es Ausstände an zwei Thüringer Kliniken. Zudem ist eine Streikaktion am Donnerstag am Erfurter Flughafen geplant. Der Flughafen rechnet allerdings mit keinen Auswirkungen. Am Freitag streiken schließlich die Mitarbeiter im öffentlichen Nahverkehr in mehreren Regionen Thüringens.

Mehr zu den Bauernprotesten

MDR (ls/rom/ost/dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 30. Januar 2024 | 15:00 Uhr

200 Kommentare

emlo vor 20 Wochen

"Weil die seit Jahren ignoriert werden" - Dieser Satz ist sehr interessant und vor allem wichtig! Er wirft nämlich die Frage auf, wieso sich dieser Protest ausschließlich gegen "die Ampel" richtet. Kann es vielleicht sein, dass der Anteil der "Ampel" an den Problemen der Bauern eher klein ist? Liegen die Ursachen nicht viel weiter zurück? Wir hatten viele, viele Jahre Landwirtschaftsminister von CDU und CSU. Wieso haben die keine Abhilfe geschaffen? Sie hatten jahrzehntelang Zeit dazu, die "Ampel" nur sehr weniger Jahre, die außerdem noch von globalen Krisen wie dem Ukrainekrieg überlagert wurden.

knarf vor 20 Wochen

Wessi:
Natürlich gehört das Unternehmerische Risiko dazu.
Sie werden aber zugeben müssen daß wir mit unserem
Kaufverhalten(alles soll billig sein) mit zu dieser Situation beitragen.

knarf vor 20 Wochen

martin:Das die die Agrarindustrie nicht ums Überleben kämpft stimme
ich Ihnen zu wenn diese wirklich nur pauschal "gegen die da oben"
schimpfen!Da sieht es bei den kleinen Bauernhöfen schon anders aus!Vergessen sollten wir aber auch nicht daß wir nicht ganz unschuldig mit unserer Forderung sind alles soll sehr billig sein!

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