Ein Mann hält eine Bezahlkarte in der Hand.
Eine Bezahlkarte für Asylbewerber. Die letzten Thüringer Kreisen führen diese ab Mai ein - die kreisfreien Städte dagegen noch nicht. (Symbolfoto) Bildrechte: picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Migrationspolitik Die letzten Thüringer Kreise starten ab Mai mit Bezahlkarte für Flüchtlinge

30. April 2024, 12:21 Uhr

Die letzten Thüringer Kreise führen ab Mai eine Bezahlkarten für Asylbewerber ein. Die kreisfreien Thüringer Städte wollen dagegen weiter auf die bundesweite Einführung warten.

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Alle Thüringer Kreise haben ab Mai eine Bezahlkarte für Flüchtlinge eingeführt. Als letzte Kreise starten Sonneberg, Unstrut-Hainich, Saale-Holzland und Gotha ab dem 2. Mai mit der Ausgabe der Karten.

Wie ein Sprecher im Kreis Sonneberg MDR THÜRINGEN mitteilte, bekommen 116 sogenannte Bedarfsgemeinschaften eine Karte. Insgesamt gibt es im Landkreis derzeit 251 Asylbewerber mit Anrecht auf eine Bezahlkarte. Für die Benutzung der Karte hat der Landkreis eine Reihe von Kriterien festgelegt. Demnach sind damit keine Überweisungen ins In- und Ausland möglich. Mit der Karte kann nur im Landkreis Sonneberg bezahlt werden. Bargeld kann ebenfalls nur im Kreisgebiet und monatlich in Höhe von maximal 50 Euro pro Person abgehoben werden. Grundlage ist ein Beschluss des Kreistages von Ende Februar.

Verzögerungen bei Thüringer Landkreisen

Im Unstrut-Hainich-Kreis sollte die Bezahlkarte bereits zum 1. April eingeführt werden. Allerdings hatte sich die Lieferung der Bezahlkarten verzögert. Nach Angaben des Landratsamtes wurden die Karten erst in der ersten April-Woche geliefert und mussten noch aufgeladen werden. Das sei für die Auszahlung der Sozialleistungen im April zu spät gewesen. Deshalb startet der Kreis nun auch im Mai mit der Ausgabe. Zunächst sollen etwa 500 Karten ausgegeben werden. Die regionale Begrenzung der Bezahlkarte kann laut Landratsamt etwa für Facharzttermine außerhalb des Unstrut-Hainich-Kreises zeitweise aufgehoben werden. Bargeld in Höhe von maximal 50 Euro kann einigen Geschäften abgehoben werden.

Im Saale-Holzland-Kreis verschob sich ebenso der geplante Start vom April auf den Mai. Laut Landratsamt werden ab 2. Mai zunächst rund 20 Karten vor allem an Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien ausgehändigt.

Schließlich werden im Kreis Gotha die Bezahlkarten im Mai eingeführt. Sie sollen nach Angaben des Landratsamtes zunächst an 80 ausreisepflichtige Menschen ausgegeben werden. Die Karte kann den Angaben nach dann im gesamten Postleitzahlbereich 99 genutzt werden - zu dem Erfurt, aber auch Bad Langensalza oder der Rennsteig gehören.

Zum April führten bereits mehrere Landkreise eine Bezahlkarte ein. Das Landratsamt im Weimarer Land gab vorerst 30 Karten aus. Auch im Ilm-Kreis, in den Kreisen Saalfeld-Rudolstadt, im Hildburghausen, Altenburger Land und Nordhausen wurden die ersten Bezahlkarten ausgeteilt. Viele Thüringer Kreise hatten bereits zuvor die Karte eingeführt.

Wie funktioniert eine Bezahlkarte? - Mit einer Bezahlkarten können Flüchtlinge nur in der jeweiligen Region einkaufen, ob im Einzelhandel oder an Automaten.

- Geben Asylbewerber gekaufte Produkte zurück, bekommen sie die Kaufsumme gutgeschrieben.

- Eine Überziehung ist nicht möglich, ebensowenig
Auslandsüberweisungen.

- Unabhängig von der Bezahlkarte erhalten Asylbewerber weiter ein monatliches Taschengeld.

- Im Kreis Greiz hat die Einführung laut Landrätin Martina Schweinsburg zwischen 10.000 und 15.000 Euro gekostet. Eine Karte kostet den Kreis zwischen drei und sechs Euro. Jede Aufladung kostet einen Euro.

Bisher keine Bezahlkarte in kreisfreien Städten

Die kreisfreien Thüringer Städte haben bisher keine Bezahlkarte eingeführt. Sie erklärten, auf eine landeseinheitliche Lösung warten zu wollen. Allerdings scherte der Oberbürgermeister von Erfurt, Andreas Bausewein (SPD), aus diesem Kurs aus und sagte Mitte März, dass die Stadt eine frühere Einführung zumindest prüfe. Er begründete dies damit, dass bereits viele Thüringer Kreise mit der Karte gestartet seien und Asylbewerber inzwischen gezielt dorthin gehen würden, wo es noch Bargeld gebe. Zahlen dafür nannte der sich im Wahlkampf befindliche Oberbürgermeister dazu jedoch nicht.

Vorreiter in Sachen Bezahlkarte waren in Thüringen die Landkreise Eichsfeld und Greiz, sie starteten bereits im Dezember. Nur wenige Wochen später zogen beide Landkreise bereits eine erste positive Bilanz.

Mit der Bezahlkarte soll unter anderem verhindert werden, dass Asylbewerber Geld an Schlepper oder an ihre Familien oder Freunde ins Ausland überweisen. Aber die Landkreise wollen damit auch den Verwaltungsaufwand reduzieren. Die Details sind in den Thüringer Kommunen unterschiedlich geregelt. Nicht eingeführt wird die Karte für Empfänger von Bürgergeld, also etwa für die aus der Ukraine geflüchteten Menschen.

Thüringer Ministerin gegen eingeschränkt gültige Karten

Thüringens Migrationsministerin Doreen Denstädt (Grüne) warnte im Februar bei der flächendeckenden Einführung von Bezahlkarten für Geflüchtete vor diskriminierenden Sonderregelungen und Funktionseinschränkungen. Denstädt sprach sich etwa gegen Einschränkungen im Vergleich zu EC-Karten aus. Auch eine Geltung der Karten nur in bestimmten Regionen sieht Denstädt kritisch - dies komme einer Einschränkung der Freizügigkeit gleich. Ähnlich hatten in der Vergangenheit der Thüringer Flüchtlingsrat und die Thüringer Migrationsbeauftragte argumentiert. Die Oppositionsparteien CDU und FDP hatten dagegen eine schnelle Einführung von Bezahlkarten für Flüchtlinge in Thüringen verlangt.

Nach einer längeren Diskussion hatte sich Anfang März die Bundesregierung auf eine bundesweit einheitliche Lösung für Bezahlkarten verständigt. Ein entsprechendes Gesetz gibt es aber weiterhin noch nicht.

Gutscheine für Flüchtlinge in Thüringen bis 2015

Schon seit vielen Jahren können Thüringer Landräte selbst entscheiden, ob Asylbewerber Geld- oder Sachleistungen erhalten. Vor acht Jahren, im Jahr 2015, beendeten in Thüringen das Weimarer Land und der Kreis Greiz jedoch als letzte Regionen in Thüringen die Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen anstatt von Geld an Asylbewerber. Auch wegen des hohen bürokratischen Aufwandes und der eingeschränkten Akzeptanz im Handel zahlten alle Thüringer Behörden bis zum November die Leistungen für Asylbewerber nur noch als Geld aus.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde am 30. April mit den Angaben zu den weiteren Kreisen ergänzt und überarbeitet.

MDR (jhi/rom/bee)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. April 2024 | 07:00 Uhr

118 Kommentare

Tschingis1 vor 10 Wochen

@Peter Pan
Ich gebe Ihnen einmal einen Text zum Lesen:
"Derzeit haben 632.700 Menschen aus Asylherkunftsländern eine Beschäftigung (Stand: Juli 2023), die meisten von ihnen in sozialversicherungspflichtigen Stellen (540.400). Zudem gab es 92.300 geringfügig Beschäftigte. Die Zahl der Geflüchteten in Arbeit ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen: Im Vergleich zu Ende 2014 – bevor viele Geflüchtete nach Deutschland kamen – gibt es mehr als siebeneinhalbmal so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus Asylherkunftsländern (Ende 2014: 70.000)."
Quelle: Bundesagentur für Arbeit/ August 2023

Peter Pan vor 11 Wochen

@Anita L.Haben Sie schon mal zugesehen, wenn an der Erstaufnahme in Suhl neue Flüchtlinge ankommen, da kommt niemand in abgerissender Kleidung, völlig erschöpft, gezeichnet von Erschöpfung und Strapazen einer anstrengenden Flucht.
Nein, da steigen junge Leute aus, gesund und munter, ordentlich angezogen, viele mit einem Smartphone, Junge familien mit mehreren Kindern, das erste was man denkt, das sind keine armen leute.
Diese Leute haben ne Menge geld ausgegeben um hierher zu kommen, warum wohl?
Und es geht hier nicht um Sozialneid, es geht eher darum, das man hier ständig versucht, die Flüchtlinge, als arme, leidende Menschen darzustellen, die alle in größter Not hierherkommen. Es gibt nur einen wirklichen grund, Deutschland zahlt am besten und mittlerweile ist bereits bekannt, das Flüchtlinge nicht mehr in die LK möchten, die bereits die bezahlkarte eingeführt haben.
Wenn ich in Not hierher komme, dann stelle ich keine Forderungen sondern zeige Dankbarkeit.

Anita L. vor 11 Wochen

"Und erklären Sie uns doch mal, wie kommen diese armen geflüchteten an Turnschuhe die über 200€ kosten, an markenklamotten, an Smartphones die 1000€ kosten"
Schmerzhaft, Ihr Sozialneid. Ich hoffe ja nur, Sie lassen sich für die 200-Euro-Schuhe, die Markenklamotten und Smartphones auch immer hübsch die Quittungen zeigen.... (wenn ich das bei jeder Frau, der ich im Bus mit "Gucci"-Tasche treffe, machen würde...ohne Worte). Es ist halt so eine Sache mit der persönlichen Wahrnehmung... wie ja auch Ihre "persönliche Wahrnehmung" nach zwei Stunden in der Schlange der WU vorm Erfurter Bahnhof... Ich gehe zum Beispiel jeden Tag am Penny vorbei... Da könnte ich mich jetzt aber auch mal fragen, ob die lieben deutschen Bürgergeldempfänger nicht doch zu viel Geld erhalten...und nicht doch grundsätzlich rassistisch sind ... [Achtung: Die Betonung liegt auf "könnte"; mir ist nämlich klar, dass meine Beobachtungen erstens völlig fehlgedeutet sein können und eben nur meine Beobachtungen sind].

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