61 Millionen Euro Jahrelanger Kraftakt: "Medizin-Campus" soll in Eisenach entstehen

11. Juli 2023, 20:35 Uhr

Einen Förderscheck über knapp 61 Millionen Euro hat am Dienstag Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) für das Eisenacher St.-Georg-Klinikum mitgebracht. Das Land übernimmt die Kosten für den Neubau des bisherigen Eingangsgebäudes. Zusammen mit einem weiteren Neubau soll ein "Medizin-Campus" entstehen. Zur Zukunftssicherung setzt das Haus seit Jahren auf Qualität und hat viele Teilbereiche aufwendig zertifizieren lassen.

Der Kreis rundet sich, freut sich Thomas Breidenbach, der Geschäftsführer des Eisenacher St.-Georg-Klinikums. Was seine Vorgänger vor 21 Jahren mit einer großen Krankenhausfusion begonnen hätten, komme jetzt zum Abschluss.

Damals hatten sich das kommunale Wartburg-Klinikum mit den Trägern Stadt und Landkreis und das Christliche Krankenhaus zusammengetan, um Kräfte zu bündeln. Letzteres war 1994 aus dem Evangelischen Krankenhaus und dem katholischen Elisabeth-Krankenhaus entstanden. Innerhalb von 30 Jahren also aus drei Häusern eines - und nun ist der vorerst letzte bauliche Schritt in trockenen Tüchern: der Ersatzneubau für das Eingangsgebäude (Haus A).

Altbau aus dem 19. Jahrhundert

Das stammt noch vom Ende des 19. Jahrhunderts und ist seither mehrfach umgebaut worden. Weil die Substanz so marode ist, sind dort schon länger keine Patienten mehr untergebracht. Stattdessen finden sich darin Büros beispielsweise für den Sozialdienst oder die Hygiene, Konferenzräume in früheren OP-Sälen, dazu mehrere Praxen des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ).

Letztere sollen in ein eigenes Ärztehaus umziehen, das noch auf dem Gelände gebaut werden soll, als Ersatz für das bisherige Haus N. Von einem "Medizin-Campus" spricht Geschäftsführer Thomas Breidenbach.

Ministerin sieht "überregionale Bedeutung"

Das Land will mit der Großinvestition sichern, dass die Menschen in Westthüringen wohnortnah versorgt sind, sagt die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke). "Das Klinikum hier hat einen Schwerpunktauftrag, aber auch eine überregionale Bedeutung, deswegen ist es wichtig, dass es hier gute Krankenhausstrukturen gibt." Es brauche gute Rahmenbedingungen und auch viel technischen Support - dem könne man mit dem Ersatzneubau Rechnung tragen.

Technisch aufwendige Stationen und OP

Das neue Gebäude soll zum einen repräsentativer Eingang sein, der Patienten besser in und durch das Klinikum leitet. Das ist bisher ein Manko, viele finden sich im Klinikum nur schwer zurecht. Zum anderen sind auf den 7.400 Quadratmetern eine Reihe technisch aufwendiger Einrichtungen geplant: zwei Säle für ambulante Operationen, eine "Stroke-Unit" für Schlaganfallpatienten und die neurologische Frührehabilitation für Menschen, die künstlich beatmet werden müssen.

Dazu kommen die Neurologie mit 28 und die Palliativstation mit zehn Betten. Im Erdgeschoss ist ein Konferenzbereich geplant, denn es wird immer mehr interdisziplinär und auch mit anderen Krankenhäusern zusammengearbeitet - auch dafür braucht es Räume und Technik.

Hoher Energiestandard und Solaranlage

Für die 61 Millionen Euro wird außerdem auf dem Dach eine große Solaranlage gebaut und das Außengelände neugestaltet. Wenig versiegeln, angenehme Flächen zum Aufenthalt schaffen, so stellt es der Projektleiter, Verwaltungsleiter Arne Hederich, vor. Und erwähnt auch, dass ein höherer Energiestandard erreicht wird als derzeit vorgeschrieben.

Allerdings, und das wird vermutlich viele Eisenacher schmerzen, werden die beiden 130 Jahre alten Schwarzkiefern vor dem Eingang für das Bauprojekt fallen müssen. Es sollen Kunstwerke aus dem Holz entstehen, sagt Thomas Breidenbach, die vor und in der Klinik aufgestellt werden.

Containerpark als Übergangslösung

Seit Jahren wird das Vorhaben geplant, jetzt kann es umgesetzt werden. Der Zeitplan ist sportlich. Es beginnt mit dem Bestandsgebäude, das bis Ende kommenden Jahres leergezogen werden soll - vorausgesetzt, der Neubau des Ärztehauses für die MVZ-Praxen ist bis dahin fertig. Für die übrigen Büros werden "modulare Systeme" aufgebaut, ein Containerpark. Anfang 2025 soll der Abriss folgt, gleich anschließend der Aufbau. 2027, so Breidenbachs Ziel, sollen die ersten Bereiche dort einziehen und arbeiten, bis 2028 alles komplett sein.

Frühzeitig auf Qualität gesetzt

392 Betten hat das Eisenacher Klinikum derzeit, zusätzlich 63 in einer Tagesklinik in der Schillerstraße - dabei soll es bleiben. Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) sieht in dem Ersatzneubau einen wichtigen Schritt, damit sei das Haus zukunftssicher aufgestellt. Das liege aber auch an "großartigen ärztlichen und Planungsleistungen".

Man habe schon länger vorhergesehen, sagt der Geschäftsführer, dass Qualität künftig besonders wichtig sein wird. Deshalb kann der ärztliche Direktor Heiko Wunderlich der Ministerin elf Bereiche vorstellen, die in den vergangenen Jahren aufwendig zertifiziert wurden. Das reicht von der zentralen Sterilgutversorgung über die Intensivstation, ein Alterstraumazentrum, ein Darmkrebszentrum, eine regionale Stroke Unit bis zum Prostata-, Nieren- und Harnblasenkrebszentrum. Vier weitere Zertifizierungen sind aktuell geplant.

Für Krankenhausreform gut aufgestellt

Damit sieht Geschäftsführer Thomas Breidenbach sein Haus für die anstehende Krankenhausreform gut gerüstet. "Mit den Zertifizierungen zeigen wir, dass hier Medizin in höchster Qualität geleistet wird. Von daher glaube ich, dass wir auch bei dem, was jetzt kommen wird, gut aufgestellt sind, dass wir in Bereichen wie der Urologie, der Allgemein- und Viszeral-Chirurgie aber auch der Gastroenterologie die höchste Gruppe der Versorgungsgruppen erfüllen dürfen."

Sorgen wegen steigender Kosten

Mehr Sorgen macht ihm aktuell die Liquidität des Klinikums. Im vergangenen Jahr stiegen die Energiekosten durch das Nahwärmenetz um 1,2 Millionen Euro. Dazu klettern die Personalkosten "immens" - was aber sehr gut und wichtig sei für die rund 1.000 Beschäftigten, wie Breidenbach sagt.

Jetzt gerade gab für es für alle 1.500 Euro Inflationsausgleich, im kommenden Jahr folgt eine weitere Zahlung. Das müsse alles finanziert werden. So könne auch ein gut aufgestelltes Haus in Schwierigkeiten kommen, fürchtet der Geschäftsführer. Vieles habe das Klinikum selbst nicht in der Hand: "Personal ist notwendig, bei den Sachkosten kann man nicht mehr einsparen, die Inflation steigt stetig - aus meiner Sicht muss das durch die Krankenkassen ausgeglichen werden."

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MDR (co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 11. Juli 2023 | 18:15 Uhr

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