Pflanzen wachsen auf gestapelten Satang-Münzen
Wie ökologisch angelegt und dabei trotzdem Geld verdient werden kann, weiß Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen. Bildrechte: Colourbox.de

Ökologisch anlegen Grün investieren: Wie Sie mit nachhaltigen Anlagen Geld verdienen

25. Juli 2023, 11:07 Uhr

Geld in Windenergie oder Bio-Landwirtschaft anzulegen, kann sich richtig lohnen und sorgt außerdem für eine nachhaltige Wirtschaft – so das Versprechen. Geldanlagen mit Umweltbonus oder ethischen Merkmalen werden heftig beworben. Doch was steckt wirklich darin? Wie erkennt man schwarze Schafe und so genanntes "Greenwashing"? Hermann-Josef Tenhagen kennt sich aus mit grünen Aktien, Fonds und ETFs. Der Finanzexperte weiß, welche Geldanlagen sich lohnen, wenn Sie in Nachhaltigkeit investieren.

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Geld grün anzulegen ist seit Jahrzehnten möglich. Man kann sich an Windkraftfirmen beteiligen, an Solar- oder Pfandautomatenfirmen wie der norwegischen TOMRA, die beschäftigt weltweit 4.500 Mitarbeitende. Seit den 90er-Jahren gibt es sogar Aktienindizes, in denen zahlreiche solcher Firmen gelistet sind – so ähnlich wie im Dax mit seinen heute 40 Unternehmen. Bei den Ökounternehmen hieß der Index zunächst Nax wie Naturaktienindex und später nach einem Namensstreit NAI.

Dabei konnte man auch immer gutes Geld verdienen. Wer früh in den deutschen Solarboom investiert hat, ist reich geworden. Späte Anlegerinnen und Anleger haben allerdings auch eine Menge Geld verloren, als die Firmen der Reihe nach eingingen. Wer in einzelnen Firmen oder Branchen investiert, muss mit solchen Entwicklungen und auch mit Pleiten und Verlusten leben.

Kleingeld in einem Glas, darauf wächst eine Pflanze.
Auch mit "grünen" Geldanlagen lässt sich Geld vermehren. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Was sind (grüne) ETFs? Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds ("Exchange Traded Fund"). Das Besondere: ETFs sind einfach konzipiert und werden computergesteuert verwaltet. Deshalb sind sie kostengünstiger als die klassischen Aktienfonds und ideale Anlagen für Anfängerinnen und Anfänger. Ein ETF bildet einen Aktien-Index nach wie den deutschen DAX oder den internationalen MSCI World. Die grünere Variante heißt MSCI World SRI.

Drei Siegel sind nebeneinander angeordnet auf einem grünen Blatt.
Mit diesen Siegeln kann man bei der Geldanlage ein wirkich gutes Gewissen haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ökologisch anlegen und trotzdem Geld verdienen

Damit haben sich in der Vergangenheit vor allem Fondsmanager beschäftigt, solche Fonds aufgelegt und die Möglichkeit geschaffen, ökologisch anzulegen und trotzdem Geld zu verdienen. Manche Fondsgesellschaft wurde extra zu dem Zweck gegründet. In anderen Fällen haben klassische Fondsgesellschaften einen besonders ökologischen Fonds verkauft. Solche Fonds sind durchaus erfolgreich und werden inzwischen sogar vor der Tagesschau beworben. 

Ausgewählte Ökofonds und ihre Charakteristika (2017 bis 2021)*
Fondsname (Kennziffer) Zusammensetzung Wertentwicklung in Prozent jährlich
Ökoworld Ökovision Classic (ISIN: LU0061928585) 90 Aktien weltweiter Unternehmen, die feste ESC-Kriterien einhalten; eine Analyseabteilung erstellt Titelprofile, ein Anlageausschuss entscheidet, ob eine Aktie aufgenommen wird oder nicht 12,2
Erste WWF Stock (AT0000705678) 100 Aktien weltweiter Unternehmen aus dem Bereich Wasseraufbereitung, Recycling, erneuerbare Energien etc.; Fondsmanagement wird durch einen Umweltbeirat des WWF unterstützt 20,9
Greeneffects NAI Wertefonds (ISIN: IE0005895655) 30 Aktien weltweit, davon 75 Prozent große und 25 Prozent besonders innovative Unternehmen; der Fonds folgt dem Natur-Aktien-Index, der von einem Expertenausschuss bestimmt wird 15,9

Grün anlegen: Problem mit teurem Fondsmanagement

Sie sind aber auch teuer. Denn das Fondsmanagement mit dem Extra-Blick auf die ökologischen und ethischen Kriterien macht mehr Arbeit. Fondsmanagerinnen und -manager, die das verlässlich machen wollen, brauchen dafür mehr Geld, das Fondsmanagement wird teurer.

Hinzu kommt eine Unart der Branche. Die Fondsmanager müssen den Banken, die die Fonds einst an ihre Kunden verkauft haben, häufig jährliche Rückvergütungen bezahlen, die das Fondsmanagement insgesamt noch teuer machen.

Ökologischer und ethischer als klassische Aktienfonds

Auch hier gibt es also Chancen für die Optimierung, sogar ganz klassische Chancen. Nämlich Indexfonds, die weniger Kosten verursachen und gleichzeitig ökologischer und ethischer sind als klassische Aktienfonds. Bei diesen hellgrünen Aktienfonds müssen die Anlegerinnen und Anleger dann allerdings meist Abstriche an den grünen Ambitionen machen. Zum Index gehört der ökologischere Chemiekonzern, aber auch der verbraucht im Zweifel einfach noch zu viel Rohstoffe.

Wenn er mit dem Geld seiner Anlegerinnen und Anleger erfolgreicher ist als die Konkurrenz, ist das dennoch ein Fortschritt für den Planeten.

"Grün" oder "hellgrün" anlegen? Gibts das auch in Grün? Ja, denn grüne Geldanlagen sind im Trend. Leider ist der Begriff nicht geschützt und kann an der Börse vieles heißen. Manche Aktienfonds haben Ausschlusskriterien, zum Beispiel Öl oder Kohle. Deshalb sollte ich die Angebote gut prüfen und den "Beipackzettel" genau lesen: also die Liste der größten Unternehmen im Fonds. Manche Fonds oder Firmen haben nur einen grünen Anstrich, können aber trotzdem nachhaltiger sein als herkömmliche. Wir nennen sie daher hellgrün.

Grün anlegen: Das muss man wissen

  1. Ja, grüne, nachhaltige Geldanlage ist möglich. Sie ist sogar erfolgreich möglich.
  2. Hellgrüne Geldanlage in solchen Aktienindexfonds ist praktisch ohne Abstriche bei den Renditeerwartungen und ohne größeres Risiko als bei der konventionellen Geldanlage in Aktien möglich. Meine Kollegen bei Finanztip empfehlen drei solcher Fonds für ihre Kombination von grünerer und sicherer Geldanlage: zwei Fonds der Schweizer Großbank (ISIN: LU0629459743 und LU0950674332 (Kennzifern)) und einen von iShares (IE00B57X3V84). In den vergangenen Jahrzehnten waren im Schnitt zwischen sechs und neun Prozent Wertsteigerung im Jahr drin, nach 15 Jahren war das Verlustrisiko praktisch gleich null.  
  3. Grüne Geldanlage braucht allerdings etwas mehr Mühe, entweder von den Managern und Managerinnen, die aussuchen, welche Firmen ökologischer, ethischer arbeiten. Oder von den Anlegern selbst, die dann die Arbeit des Aussuchens erledigen. Ein Indexfonds ist in dieser Hinsicht immer ein Kompromiss, der sichere Geldanlage mit weniger ökologischem Schaden möglich macht.
  4. Auch bei einer grünen Geldanlage muss man aufpassen. Es gibt Firmen, die die guten Absichten der Anleger und Anlegerinnen ausnutzen, um damit ein Geschäft zu machen. Also zum Beispiel Firmen als grüner und ethischer zu verkaufen, als sie es wirklich sind. "Greenwashing" heißt diese Taktik.

Grün und nachhaltig anlegen heißt, erfolgreich aber nicht naiv zu sein und genau hinzusehen.

Hermann-Josef Tenhagen, Finanzexperte

*Quelle: Finanztest, Ökotest, Morningstar, finanzen.net, Finanztip-Recherche (Stand: 31. Mai 2022)

MDR (sib)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 25. Juli 2023 | 17:00 Uhr

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