Energiekosten SKW Piesteritz fährt Produktion nach Betriebsstopp wieder hoch

Drei Wochen standen die Maschinen in den Stickstoffwerken Piesteritz still. Zu hohe Energiekosten und die Aussicht auf eine hohe Gasumlage machten dem Unternehmen zu schaffen. Auch weiterhin hofft das Unternehmen auf Hilfe vom Bund. Ein Sprecher sagte aber, man "wärme sich auf." Von dem Mangel an AdBlue sind auch andere Unternehmen wie Speditionen betroffen.

Die Werksfeuerwehr fährt über das Gelände der SKW Stickstoffwerke Piesteritz in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt)
Das Werk der Stickstoffwerke Piesteritz wird seit Montag wieder hochgefahren. Bildrechte: dpa

Die Stickstoffwerke Piesteritz aus Wittenberg haben nach einem wochenlangen Betriebsstopp damit begonnen, ihre Maschinen wieder in Betrieb zu nehmen. Das Hochfahren der Anlage werde ungefähr eine Woche dauern, sagte Firmensprecher Christopher Profitlich am Montag im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT.

Produziert werde in der Zeit noch nichts. Das Unternehmen will allerdings im Falle, dass Hilfen vom Bund kommen, schnellstmöglich die "Versorgungssicherheit" wieder herstellen.

Im Beitrag von MDR um 11 erklärt Alexandra Kruse vom ADAC, wie mit dem Mangel an AdBlue umgegangen werden könnte:

Profitlich sagte am Montag: "Jeder Sportler wärmt sich auf, bevor er 100 Meter sprintet. Wir wärmen uns auf." Man wisse, dass die Produkte systemkritisch sind und wolle niemanden behindern. Dafür müsse es aber "faire Wettbewerbsbedingungen" geben.

Betriebsstopp wegen Gasumlage

Mehr als drei Wochen stand die Produktion in dem 860 Mitarbeiter zählenden Unternehmen still. Grund für den Produktionsstopp waren der hohe Gaspreis und die Gasumlage, sagte Profitlich bereits Mitte August. Wegen der ab Oktober fälligen Gasumlage hätte das Unternehmen monatlich voraussichtlich 30 Millionen Euro zahlen müssen. Das sei finanziell nicht zu stemmen.

Vertrauen auf Lösung vom Bund

Geändert habe sich daran bisher allerdings nichts. Aber Firmensprecher Profitlich zeigt sich optimistisch: "Wir haben das Gefühl, dass das Problem verstanden wurde und vertrauen auf ein verlässliches Signal aus der Politik", ergänzte er und setzt weiterhin auf eine kurzfristige Regelung des Bundes, die ein wirtschaftliches Arbeiten wieder ermöglicht.

Ein solches Signal könnte demnach sein, wenn die SKW von der Gasumlage befreit werde oder die umstrittene Umlage gänzlich abgeschafft werde.

Sollten es keine Lösung geben, dann fahre das Unternehmen den Betrieb wieder runter, betonte Proftilich – auch, wenn dann "Geld verbrannt" worden sei.

AdBlue und Ammoniak aus Piesteritz

Die SKW Stickstoffwerke Piesteritz sind nach eigenen Angaben Deutschlands größter Ammoniak- und Harnstoffproduzent und stellen auch Stickstoff-Düngemittel her. Außerdem gehören sie mit BASF und Yara zu den größten Herstellern von AdBlue in Deutschland. AdBlue ist eine flüssige Harnstofflösung, die in Diesel-Fahrzeugen eingesetzt wird. 

Der Produktionsstopp stellte auch den Kunststoffproduzenten DOMO aus Leuna im Saalekreis vor Probleme. Das Unternehmen teilte MDR SACHSEN-ANHALT vergangene Woche mit, wenn sich die Situation verschlechtere, drohe den Mitarbeitenden schlimmstenfalls Kurzarbeit.

AdBlue-Mangel bring Spediteure in Bedrängnis

Der durch den SKW-Stillstand entstandene AdBlue-Mangel stellt auch Spediteure vor Probleme. Tino Bertold von einer Spedition in Wilsdruff hat durch die gestiegenen AdBlue-Preise aktuell eine Mehrbelastung von 450 Euro pro Fahrzeug im Monat. Bei 17 Fahrzeugen sind das rund 8.000 Euro im Monat, erklärte Berthold am Dienstag im Gespräch mit MDR um 2.

Er müsse immer wieder neu kalkulieren, um Überleben zu können und die Mehrkosten an die Kundinnen und Kunden weitergeben. "Das Verständnis ist da, aber wie lange sich die Kunden das noch leisten können ist unklar", gibt der Spediteur zu bedenken.

Wirtschaftsminister zuversichtlich

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) sagte am Montag, er stehe in engem Kontakt mit dem Bundesministerium und mit dem Stickstoffkraftwerk. Er sei sehr dankbar, dass der Druck, der unter anderem aus Sachsen-Anhalt aufgebaut worden sei, Früchte trage. Er glaube, dass es eine gute Lösung geben werde, um die systemrelevanten Bereiche etwa mit den Produkten der chemischen Industrie zu beliefern.

MDR (André Damm, Moritz Arand, Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 13. September 2022 | 11:00 Uhr

15 Kommentare

DER Beobachter vor 10 Wochen

Herzlich gern, sobald R ernsthaft erkennen lässt, dass es die Souverenität der Ukraine als ganzer respektiert und seinen internationalen politischen und wirtschaftlichen Verpflichtungen nachkommen wird...

Peter Pan vor 10 Wochen

@Hobby-Viruloge007
woher wissen Sie das, haben Sie eventuell zu tief in die Glaskugel geschaut?
Die Gasspeicher sind fast voll, ich sehe das Problem eigentlich derzeit nur beim preis und ich sehe überall künstlich aufgeblähte Panikmache, derzeit frieren und hungern nicht mehr, als auch in den vorangegangenen Jahren.

Mischka vor 10 Wochen

Ich finde es gut, dass SKW wieder versucht zu produzieren. Der Preis von AdBlue war Gestern an einer Tankstelle um über 30 Cent gestiegen und ich habe Bayern beobachtet, welche auf Hamsterkäufen in Thüringen waren. Anders kann ich das Füllen von mehreren 20ltr.Kanistern mit AdBlue nicht nennen.
Vielleicht hält ja die Politik wenigstens seine Versprechen gegenüber der ostdeutschen Wirtschaft.

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