Erneuerbare Energie Warum ein Biobauer Solaranlagen auf seine Felder bauen will

MDR-Reporter André Damm
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Landwirt Daniel Kirsch aus Söllichau im Landkreis Wittenberg betreibt den "Kirschhof" an der Landesgrenze zu Sachsen. Jahrelang hat der Landwirt mit Bioprodukten einen festen Kundenstamm versorgt. Doch durch die Energiekrise und die Inflation halten sich viele Verbraucher mit dem Kauf von Bioprodukten zurück. Kirsch geht deshalb neue Wege – setzt auf Fotovoltaikanlagen. Daran gibt es auch Kritik.

Ein Mann zeigt über einen Zaun.
Landwirt Kirsch will künftig auf einem Teil seiner Felder Solarstrom produzieren. Bildrechte: MDR/André Damm

Landwirt Daniel Kirsch ist ein drahtiger Mann mit festem Händedruck. Der Wind weht in sein Gesicht, Staub wirbelt auf. Kirsch verzieht keine Miene. Er ist es gewohnt, bei Wind und Wetter auf dem Feld zu arbeiten.

Kirsch hat sich als Hersteller von Bio-Getreide einen Namen gemacht. Seine Ware liefert er an Demeter, einen der führenden deutschen Bio-Großhändler. Nicht jeder Landwirt schafft es, dort gelistet zu sein. Demeter ist bekannt dafür, den Herstellungsprozess penibel zu überwachen. Oberstes Kriterium: kein Einsatz chemischer Stoffe wie Schädlingsbekämpfungsmittel.

Trockenheit mindert Erträge

Kirsch baut auf seinen Flächen, die sich teilweise im Landkreis Wittenberg befinden, vor allem Roggen an, auch Buchweizen und Winter-Erbsen. Er zeigt auf mehrere XXL-Säcke, bis zum Rand gefüllt mit Buchweizen. Lange Jahre liefen die Geschäfte großartig.

Doch mit Beginn der sogenannten Dürrejahre, die in Sachsen-Anhalt 2018 einsetzten, ging auch sein Umsatz nach unten. "Wenn wir gute Jahre haben, reden wir von 150 Tonnen pro Jahr, was wir hier verkaufen können", sagt Kirsch MDR SACHSEN-ANHALT. "Doch das geht seit vier Jahren nicht mehr. Wir liegen unter der 100-Tonnen-Grenze. Es ist brachial eingebrochen."

Energiekrise verschärft die Situation

Dazu kommt, dass Biobauer Kirsch selbst seine geringeren Erträge kaum noch los wird. Mit der Energiekrise geht auch der Bedarf in den Biomärkten rapide zurück. "Der Kunde gibt sein Geld nicht mehr freiwillig für die teuren Bioprodukte aus, weil er sparen muss. Bei uns bleibt die Lager-Ware liegen. Wir überlagern schon, haben noch Altware im Depot und die neue Ernte ist schon da. Mal schauen, wie wir damit umgehen."

Doch der Söllichauer ist kein Mann, der schnell aufgibt. Vielmehr sucht er neue Wege. Das war schon so, als er der konventionellen Landwirtschaft abschwor und auf Bio-Getreide setzte. Und nun plant er ein gigantisches Fotovoltaik-Projekt. Auf einer 15 Hektar großen Ackerfläche will Kirsch mehrere tausend Solarmodule aufstellen. Die Investitionskosten werden sich auf zehn bis 15 Millionen Euro belaufen.

Gefüllte Säcke in einem Lagerraum
Landwirt Kirsch wird sein Biogetreide schlechter los. Bildrechte: MDR/André Damm

"Ich bin überhaupt nicht der Meinung, dass das besonders mutig ist", sagt Kirsch über sein Vorhaben. "Die Preise sind relativ moderat im Vergleich zu Industrieanlagen. Wir haben eine absolute Effektivität. Die Sonne ist der vorherrschende Energiespender, CO2 komplett neutral. Der Input ist mit nichts vergleichbar, absolut unschlagbar."

Kritik: Guter Boden wird zweckentfremdet

Vertreter der Agrarwirtschaft wie Sachsen-Anhalts Bauernpräsident Olaf Feuerborn kritisieren, dass Felder zweckentfremdet werden. Die Kritik kann Kirsch teilweise nachvollziehen.

Prinzipiell sei die Kritik berechtigt, aber nicht in seinem Fall: Die Felder, die für Fotovoltaikanlagen genutzt werden sollen, seien benachteiligte Flächen. "Deshalb ist das kein Opfer. Bei den Feldern hier ist der Boden schlecht. Wegen der anhaltenden Trockenheit wird einfach zu viel Energie benötigt, um Erträge zu erwirtschaften." Solche Böden würden sich deshalb für Solaranlagen förmlich anbieten, findet Kirsch.

Nächste geplante Investition: Speichermöglichkeiten für Solarstrom

Der Landwirt zeigt auf eine Fläche am Rand seines Bauernhofes, wo in naher Zukunft die Module aufgestellt werden sollen. In diesem und im kommenden Jahr sollen die Planungen und Genehmigungen erfolgen. 2024 könnte das Solarkraftwerk in Söllichau an den Start gehen. "Das müssen wir machen. Das ist die Zukunft", sagt Kirsch, der noch weiter denkt und später in Speichermöglichkeiten für den Solarstrom investieren will.

Trotzdem bleibt der Söllichauer weiter Bio-Landwirt. Er habe noch mehr als 100 Hektar Land, um Bio-Getreide anzubauen.

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MDR (André Damm, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 06. Oktober 2022 | 12:00 Uhr

11 Kommentare

Eulenspiegel vor 8 Wochen

Hallo Tiger
Dann lachen sie mal schön weiter. Das zeigt nämlich nur das sie absolut keine Ahnung habe.
Lyn liegt da schon sehr richtig. Z. B. gedeihen sämtliche Bärenfrüchte am besten im Halbschatten.

Lyn vor 8 Wochen

Wo ist das Problem?
Unter oder zwischen den Solaranlagen kann angepflanzt werden, was Schatten braucht, und braucht dann auch weniger Wasser.
Da gibt es sicher genug Möglichkeiten.
Recherchieren dürfen die interessierten Landwirte selbst.

C.T. vor 8 Wochen

Warum soll das Beispiel keine Schule machen? Einkommen generieren ohne tägliche Feldarbeit - da wird so manchem Bauern der Sabber laufen. Essen ist sowieso überbewertet.

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