Ärzte und Pfleger stehen in einer Notfallambulanz
Von links nach rechts: Landrat Harald Zanker, Geschäftsführer Jens Kopp, Ministerin Heike Werner und Bad Langensalzas Bürgermeister Matthias Reinz in der neuen Notfallambulanz in Mühlhausen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Unstrut-Hainich-Kreis Modern, spezialisiert und barrierefrei: Millionen-Investitionen für Kliniken

01. März 2024, 17:18 Uhr

Im Unstrut-Hainich-Kreis werden derzeit drei Krankenhaus-Standorte umgebaut und umstrukturiert. Die Hufeland-Klink Bad Langensalza will vor allem die Doppelversorgung aufgeben und an beiden Standorten Mühlhausen und Bad Langensalza Kosten sparen. Das Ökumenische Hainich Klinikum Mühlhausen will die psychiatrische Notaufnahme in einem Haus konzentrieren und modernisiert nach und nach alle 24 denkmalgeschützen Häuser.

Das riesige Baustellen-Schild an der Wanfrieder Landstraße in Mühlhausen verrät: Hier im Ökumenischen Hainich-Klinikum (ÖHK) wird noch lange gebaut. "Das ist eine Lebensaufgabe für einen Geschäftsführer", sagt Klaus-Peter Fiege.

Klinikleitung des Ökumenischen Hainich Klinikums
Das Leitungsteam des ÖHK : v.l.n.r.: Fritz Handerer (Ärztlicher Direktor), Andrea Mayer (Pflegedirektion), Klaus-Peter Fiege (Geschäftsführung), Katharina Schoett (Ärztliche Direktorin). Bildrechte: Ökumenisches Hainich Klinikum

Die Planer der Anfänge um 1912 seien sehr weitsichtig gewesen, als sie die insgesamt 24 villenartigen Häuser nach und nach entwarfen. Trotzdem sei mehr als 100 Jahre später vor allem die Barrierefreiheit eine Herausforderung. Außerdem könnten mit jedem Baufortschrittt auch die jeweiligen Leitungen für Fernwärme und Wasser auf dem parkähnlichen Gelände erneuert werden; auch die seien schon sehr alt.

Klinikgelände
Die 24 Häuser sind in parkähnlichen Strukturen angeordnet. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Ökumenisches Hainich-Klinikum: Jedes Haus ein Unikat

Weil die Etagen für die jeweiligen Krankheitsbilder zurechtgemacht werden, sei jedes Haus ein Unikat, sagt Fiege. Die Modernisierung erfolgt seit einigen Jahren bei laufendem Klinikbetrieb. Stationen müssen ausziehen und vorübergehend woanders einziehen.

Manchmal - wie bei Haus 5 - gibt es nach Bauende kein Zurück. Die Schizophrenie-Akutpatienten aus Haus 5 werden seit Januar 2024 im erweiterten, modernen und vor allem barrierefreien Haus 21 behandelt. Das 110 Jahre alte denkmalgeschützte Haus sei ertüchtigt worden; es habe einen Anbau und eine zusätzliche Etage bekommen. Ein Fahrstuhl sei ebenfalls eingebaut worden.

Ein Gebäude auf dem Gelände vom Ökumenischen Hainich Klinikum
In Haus 21 werden jetzt Akutpatienten behandelt. Es ist zudem barrierefrei zugänglich. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Statt Gemeinschaftsbädern gebe es in jedem der Ein- und Zweibettzimmer ein Bad mit Toilette. Auch für die Mitarbeiter haben sich auch hier die Arbeitsbedingungen durch moderne Dienst- und Aufenthaltsräume im Dachgeschoss verbessert.

Neues Gebäude für Service und Logistik

Das ÖHK hat 1.300 Beschäftigte und ist der größte Arbeitgeber im Unstrut-Hainich-Kreis. Auch für sie und die Patienten sind das Klinikrestaurant und die Großküche im Keller darunter bereits vor einigen Jahren komplett erneuert worden; gut sichtbar von der Straße. Ebenfalls neu entstanden ist das Heizhaus. Ins ehemalige Heizhaus konnten die Therapie-Werkstätten einziehen.

Ebenfalls neu gebaut wird ein Gebäude für Service und Logistik. An der Bauernfreiheit sollen Apotheke, die Gärtner, der Einkauf, die Reinigung und der Fuhrpark einziehen. Insgesamt 180 Mitarbeiter haben dann ebenfalls bessere Arbeitsbedingungen.

Aufenthaltsräume
Große und moderne Arbeits- und Gemeinschaftsräume für das Personal des ÖHK. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

20 Millionen für die Kinder- und Jugendpsychiatrie

Um Kosten und Personal zu sparen, wird bis Jahresende auch die psychiatrische Notaufnahme in einem Haus konzentriert. Was bisher fünf Häuser jeweils für sich geleistet haben, soll dann nur noch an einer Stelle in Haus 4 passieren.

Auch in Haus 14 und 15 wird gebaut. Für die Kinder- und Jugendpsychiatrie stehen bis 2026 fast 20 Millionen Euro vom Land bereit. Mit dem Geld wird das Therapieangebot ausgebaut, große Zimmer verschwinden. Für die jungen Patienten soll es nur noch Ein- und Zweibettzimmer geben.

neue Zimmer
Zweibettzimmer statt großem Schlafsaal. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Auch die Therapiestation nebenan wird erneuert. Ende 2026 soll alles fertig sein. Fiege hofft, dass wie bei allen bisherigen Häusern die Baukosten wie geplant eingehalten werden können.

Baukosten an Hufeland-Klinik gestiegen

An der Hufeland-Klinik machen die gestiegenen Baukosten Probleme. Dennoch sollen mit Millioneninvestitionen die beiden Standorte des Hufeland Klinikums in Bad Langensalza und Mühlhausen modernisiert werden. Es würde schneller gehen, wenn die Baukosten nicht explodiert wären, sagt Hufeland-Geschäftsführer Jens Kopp.

Deshalb stehe das Bettenhaus am Standort Bad Langensalza noch auf der Wunschliste und sei erst nach dem Operationstrakt, der Radiologie und der Notfallambulanz dran; allein dafür müssen mehr als zehn Millionen Euro investiert werden.

Wenn es für das Bettenhaus keine Fördermittel gibt, müsste das Geld aus der Rücklage kommen. Dort sollen vor allem große Zimmer verkleinert werden und ebenfalls modernisiert werden.

Geschäftsführer der Hufelandklinik, Jens Kopp
Geschäftsführer Jens Kopp zeigt im OP-Trakt auf entdeckte Baumängel. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Doppelversorgung soll verschwinden

Die derzeitige Doppelversorgung mit gleichen Angeboten in beiden Häusern soll in den nächsten Jahren verschwinden. Für den Konzentrationsprozess gebe es eine Übergangsphase, so Kopp.

Der Standort Bad Langensalza werde zu einem Zentrum für ambulante Operationen ausgebaut, sagt Kropp. Mit weniger stationären Betten. Allerdings sei die Pflegesituation mittlerweile so, dass auch für ambulante Operationen mangels häuslicher Hilfe Übernachtungen möglich sein müssen.

Hufelandklinik in Bad Langensalza
Die Hufelandklinik in Bad Langensalza. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

In Mühlhausen sollen demnach stationäre Behandlungen und die Notfallmedizin konzentriert werden. Auch die Urologie, die Gynäkologie und die Gastroenterologie werden in Mühlhausen angesiedelt, dort soll ein OP-Roboter zum Einsatz kommen. Auch im IT-Bereich sind Investitionen geplant. Das W-LAN für Patienten und Klinikalltag soll besser werden; dazu zählt auch die elektronische Patientenakte.

Letzte Investitionen im Jahre 2008

Beide Standorte seien zuletzt vor fast 16 Jahren modernisiert worden, so Kopp. Bei Untersuchungen seien im Operationstrakt am Standort Bad Langensalza erhebliche Mängel in der Bausubstanz festgestellt worden, deutlich verbessert werden muss dort auch der Brandschutz.

Medizinische Anforderungen haben sich ebenfalls verändert. Deshalb müsse auch die Medizintechnik erneuert werden. Weil die aktuelle Bausubstanz nicht zum neuen Klinikkonzept passe, müsse umgebaut werden. Diese Arbeiten seien nicht ohne Fördermittel vom Land möglich. 7,5 Millionen Euro gibt es vom Land für ein neues Notfallzentrum in Mühlhausen; die Gesamtkosten liegen bei fast zehn Millionen Euro.

Hufelandklinik Mühlhausen
Die Hufelandklinik in Mühlhausen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Damit kann die seit 24 Jahren bestehende Notfallambulanz umgebaut und modernisiert werden. Gemeinsam mit der Ambulanz nebenan entsteht ein neues Zentrum mit separatem Eingang. Auch medizinische Geräte werden neu angeschafft, darunter ein neuer Computertomograph. Baustart ist für nächstes Jahr geplant.

Klinik mit zwei Standorten

Das neue Klinik-Konzept sei ein Ja zu beiden Standorten, sagt Gesellschafter und Landrat Harald Zanker (SPD). Für ein kommunales Krankenhaus sei es wichtig, dass es auch für die Bewohner des Kreises gut zu erreichen ist. "Eine Klinik mit unterschiedlichen Leistungen an zwei Standorten", sagt Zanker.

Harald Zanker ist Landrat des Unstrut-Hainich-Kreises
Harald Zanker ist Landrat des Unstrut-Hainich-Kreises. Bildrechte: IMAGO/Funke Foto Services

Die Patientenströme im ländlichen Bereich erfordern das. Auch Bad Langensalzas Bürgermeister Matthias Reinz ist es ein wichtiges Signal, dass der Standort Bad Langensalza erhalten bleibt. Die Angst vor einer Schließung sei groß gewesen. Die Stadt ist neben dem Landkreis der zweite Gesellschafter der Klinik.

Mehr zur Hufelandklink und der Krankenhausreform

MDR (cg/dvs)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten Nordthüringen | 22. Februar 2024 | 15:30 Uhr

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