Bürgerinnen und Bürger legen am Denkmal für die Opfer des Terrorasnschlags von 2019 Steine im Hof der Synagoge in Halle/Saale nieder. Am 9. Oktober vor drei Jahren hatte ein schwer bewaffneter Attentäter versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in die Synagoge in Halle einzudringen.
Drei Jahre nach dem Attentat in Halle: Menschen legen im Hof der Synagoge als Zeichen der Anteilnahme Steine nieder. Bildrechte: picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Gedenken in Halle Haseloff fordert klare Haltung gegen Antisemitismus und Rassismus

09. Oktober 2022, 17:57 Uhr

In Halle wurde am Sonntag der Opfer des Anschlags auf die Synagoge vor drei Jahren gedacht. Bis zum Abend waren verschiedene Gedenkveranstaltungen geplant. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff mahnte, sich zusammen gegen Judenhass und Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft zu stellen.

Zum dritten Jahrestag des Anschlags auf eine Synagoge in Halle hat Ministerpräsident Reiner Haseloff eine "eindeutige und klare Haltung" gegen Antisemitismus und Rassismus gefordert. "Allen Menschen steht das gleiche Recht auf Achtung und Würde zu", sagte er am Sonntag bei der Gedenkveranstaltung an der Synagoge in Halle. Antisemitismus und Rassismus gefährdeten den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und müssten entschieden bekämpft werden.

Haseloff sprach von einer tiefen Zäsur durch den Terroranschlag, der das Land verändert habe. Der CDU-Politiker warnte davor, den Anschlag als Tat eines isolierten Einzelgängers zu betrachten. Er sei vielmehr Ausdruck einer unter Rechtsextremen verbreiteten Judenfeindlichkeit.

Es gab eine Zeit vor und es gibt eine Zeit nach dem 9. Oktober 2019.

Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und weitere Bundespolitiker mahnten am Sonntag zur Achtsamkeit gegen Antisemitismus und Hass. Scholz schrieb auf Twitter, dieser Jahrestag mahne, nie wegzuschauen. Man gedenke der Opfer und werde Rechtsextremismus in jeder Form entschlossen bekämpfen.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, der das Attentat in der Synagoge miterlebt hatte, betonte am Sonntag, dass am Jahrestag die Trauer um die beiden getöteten Menschen im Vordergrund stehe. Es sei nicht der Tag für die politische Auseinandersetzung. Mit jedem Jahr werde der Zeitabstand zum Geschehen größer, aber es gebe etwas, das immer bleibe: "Da sind zwei Leute, die ermordet wurden".

Gedenken in Halle – das ist geplant

In Halle erinnerten am Sonntag Vertreter der jüdischen Gemeinde, der Stadt und weiterer Organisationen an den Synagogen-Anschlag vor drei Jahren. Nach einem Gottesdienst in der Marktkirche läuteten um 12:03 Uhr in ganz Halle die Glocken, um an den Beginn des Anschlags zu diesem Zeitpunkt am 9. Oktober 2019 zu erinnern. Bis zum Abend waren verschiedene Veranstaltungen geplant, so eine Kranzniederlegung vor dem Kiez-Döner, Kundgebungen und Andachten. Auch der Mitteldeutsche Marathon von Leipzig nach Halle endete am Nachmittag in der Saalestadt.

Schüsse auf eine Synagoge und die Folgen

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Attentäter versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in die Synagoge in Halle einzudringen. Als ihm das nicht gelang, erschoss er davor eine 40 Jahre alte Passantin und in einem nahen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Attentäter zahlreiche weitere Menschen, ehe er von der Polizei gefasst wurde. Der heute 30 Jahre alte Deutsche hat die Taten eingeräumt. Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte ihn 2020 zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Mehr zum Gedenken an Halle-Anschlag

dpa, epd, MDR (Anne Gehn-Zeller, Lucas Riemer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. Oktober 2022 | 19:00 Uhr

14 Kommentare

hinter-dem-Regenbogen am 10.10.2022

Generell sollte jede Art von Terror in Deutschland geächtet werden. Sonst entsteht die Gefahr, dass der Terror von der einen Seite oder der anderen Seite als nicht so schlimm angesehen wird, womöglich noch, heimlich gebilligt wird.

Was fehlt in Deutschland, ist ein gigantisches Denkmal aus Beton für alle Menschen, die durch Terror zu Tode gekommen sind und was die Brisanz daran ausmacht, für Alle Menschen, die noch zu Tode kommen werden.

Denkschnecke am 10.10.2022

Ich finde es ziemlich unsachgemäß, die Bevölkernug von Halle pauschal als "schimmlige Tapete" zu bezeichnen. Zumal der große Schimmelfleck in der Adam-Kuckhoff-Str. 16 inzwischen grundständig entfernt worden ist.

Denkschnecke am 10.10.2022

Ich glaube, es gibt in der Landespolitik hinreichend Versuche, "zu liefern": Welche politischen Maßnahmen hätten denn das Attentat des Rechtsextremisten und Antisemiten Stephan B. verhindern können? Einzig und allein die Zurückdrängung von Rechtsextremismus. Aber wenn sich damit ein hiesiger Politiker hervortut, schreit der Mob hier auf bis zur Behauptung, es gäbe gar keinen Rechtsextremismus.

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