Rekonstruktion Anschlag am 9. Oktober 2019 in Halle: Was geschah an diesem Tag in der Stadt?

Zwei Jahre nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle wird am Samstag der Opfer vom 9. Oktober 2019 gedacht. MDR SACHSEN-ANHALT rekonstruiert den Tag, an dem zwei Menschen getötet wurden.

Anschlag auf die Jüdische Synagoge in HalleSaale in der Humboldtstrasse.
Bei dem Angriff eines rechtsextremen Täters auf die Synagoge in Halle sind am 9. Oktober 2019 zwei Menschen erschossen worden. Bildrechte: imago images/Lutz Winkler

Vor zwei Jahren hat ein Terrorist in Halle versucht, 50 Menschen zu töten, die in der Synagoge den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Er scheiterte an der massiven Tür, erschoss daraufhin die Passantin Jana L. und später im Kiez-Döner Kevin S. Auf der anschließenden Flucht schoss er unter anderem zwei Menschen an.

Geier: "Diese Wunde hinterlässt eine tiefe Narbe"

Aus Anlass des zweiten Jahrestages des Anschlags sagte Halles Bürgermeister Egbert Geier: "Die schreckliche Tat an jenem Mittwoch hat eine tiefe Wunde geschlagen. Diese Wunde hinterlässt eine dauerhafte Narbe. Eine Narbe, die wir nicht verstecken wollen. Eine Narbe, die uns mahnt. Und die uns daran erinnert, wie verletzlich wir sind."

Ein Vergessen und Relativieren darf es und wird es nicht geben. Das ist unsere Verpflichtung als weltoffene Stadt. Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz haben in Halle keinen Platz.

Egbert Geier, Bürgermeister von Halle

Der rechtsterroristische Angriff von Halle mit zwei Todesopfern hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Es war einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte. Am Samstag jährt sich die Tat zum zweiten Mal. Ein Rückblick auf den 9. Oktober 2019, der laut Egbert Geier „fraglos zu den schwärzesten Tagen der jüngsten halleschen Geschichte“ gehört.

Zu beachten ist, dass sich der damalige und der heutige Erkenntnisstand im Folgenden teilweise überschneiden. Beispielsweise ist erst knapp drei Stunden nach der Attacke klar, dass die Synagoge wirklich das Ziel eines Terroranschlages wurde. Auch geht die Polizei lange von möglicherweise mehreren Tätern aus. So ist zu erklären, dass der Täter schon 13:35 Uhr festgenommen wird, aber noch Stunden später akute Sicherheitsmaßnahmen laufen. Die konkreten Angaben zu Anschlag, Flucht und Verhaftung des Attentäters stammen aus einem Minutenprotokoll der Polizei. Alle anderen Zeitpunkte beziehen sich auf das damalige Bekanntwerden der Informationen und Nachrichten. Teilweise sind sie geschätzt.

11:54 Uhr |

Der Täter parkt sein mit vier Schusswaffen und Sprengstoff beladenes Auto auf einem Parkplatz nahe der Synagoge und startet einen Livestream mit einer Handykamera.

11:59 Uhr |

Er befestigt das Smartphone an einem Helm, setzt ihn auf, startet den Motor und fährt zur Synagoge.

12:01 Uhr |

Der schwer bewaffnete 27-jährige Täter greift die Synagoge Halle mit Waffen und Sprengkörpern an, während dort 50 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag begehen. Er schießt mehrfach auf die Tür, die zur Synagoge führt, versucht sich mit selbstgebastelten Sprengladungen Zugang zum Gelände zu verschaffen, scheitert aber. In der Humboldtstraße ist er sieben Minuten lang unterwegs.

12:03 Uhr |

Ein Notruf mit einer ersten Schilderung der Schießerei geht in der Leitstelle ein. Der Gemeindevorsitzende Max Privorozki sagt der Polizei, dass er über eine Kamera am Eingang der Synagoge die Tat verfolgen konnte.

12:04 Uhr |

Eine Meldung der Attacke geht ebenfalls bei der Polizeiinspektion Halle ein. Die Lage ist noch vollkommen undurchsichtig und erhellt sich erst im Laufe der nächsten Stunden und Tage.

12:07 Uhr |

Der Täter gibt seinen Angriff auf, fährt zur Ludwig-Wucherer-Straße und hält am Kiez-Döner an.

12:11 Uhr |

Ein Toter liegt auf einer Strasse in Halle an der Saale
Jana L. liegt tot auf der Straße. Bildrechte: MDR/Stefan Hellem

Erste Polizeikräfte treffen an der Synagoge ein, hier finden sie bereits die tote Frau. Es handelt sich nach späteren Erkenntnissen um Jana L.

Kurz danach |

Der Täter wirft einen Sprengsatz vor den Kiez-Döner in der Ludwig-Wucherer-Straße und schießt auf Passanten. Hier fällt ihm Kevin S. zum Opfer. Er ist ca. sechs Minuten vor Ort.

12:15 Uhr |

Die Polizei trifft in der Ludwig-Wucherer-Straße ein, es folgt ein Schusswechsel mit dem Täter, dabei wird er am Hals verletzt. Auch ein Streifenwagen wird beschädigt.

Kurz danach |

Der Täter flüchtet in seinem Wagen, die Polizei verfolgt ihn. Er kann jedoch aus dem Sichtbereich der Polizei fliehen.

12:48 Uhr |

Die Stadt Halle warnt die Bürger mit einer Warn-App über die Ereignisse im Paulusviertel und bittet Anwohner, in ihren Wohnungen zu bleiben und Fenster und Türen zu meiden. Das Viertel ist von der Polizei abgeriegelt worden.

13:00 Uhr |

Bei der Polizei geht eine Meldung über eine Schießerei in Wiedersdorf bei Landsberg ein. Hier wechselt der Täter den Fluchtwagen. Er versucht, einen Pkw zu stehlen, verletzt mit Schüssen einen Mann und eine Frau schwer und stiehlt ein Taxi aus einer Autowerkstatt für die Flucht.

Kurz danach |

Der Täter versucht auf der Autobahn in Richtung München zu fliehen. Zwischenzeitlich geht die Polizei von mehreren Tätern aus.

13:10 Uhr |

Nach Angaben von Abellio ist auch der Hauptbahnhof in Halle wegen des Polizeieinsatzes gesperrt.

13:25 Uhr |

Im ersten Fluchtfahrzeug in Wiedersdorf werden von der Polizei circa vier Kilogramm Sprengstoff gefunden.

13:25 Uhr |

Die Polizei hat inzwischen eine zweite Gefahrenmeldung für den Landsberger Ortsteil Wiedersdorf (Saalekreis) herausgegeben. Der Ort wird abgeriegelt.

13:31 Uhr |

Die Stadt gibt bekannt: Für Nachfragen können die Bürger die Hotline 115 wählen.

13:35 Uhr |

Der Fluchtwagen des Täters kollidiert auf der B91 frontal mit einem Lastwagen. Der Schütze versucht, zu Fuß zu flüchten, und wird von den Revierpolizisten festgenommen.

Karte mit der chronologischen Abfolge des Terroranschlags in Halle
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

13:42 Uhr |

Das Friedensgebet in der Marktkirche, das in Gedenken an die Montagsdemo vor 30 Jahren stattfinden sollte, wird abgesagt.

13:44 Uhr |

Jetzt meldet die Polizei die Festnahme des Attentäters offiziell. Weitere Täter können noch nicht ausgeschlossen werden.

13:55 Uhr |

Ein Augenzeuge berichtet MDR SACHSEN-ANHALT, dass sich der Verkehr auf der A14 staut. Hubschrauber seien im Einsatz.

14 Uhr |

Zu der Zeit geht die Polizei immer noch von mehreren Tätern aus. Auch der Zusammenhang zwischen der Anschlagsserie, dem Anschlagsort Synagoge sowie dem jüdischen Feiertag Jom Kippur ist noch unklar.

14 Uhr |

Der mittlerweile suspendierte Oberbürgermeister Bernd Wiegand hat einen Stab für außergewöhnliche Ereignisse ins Leben gerufen. Alle Rettungskräfte sind in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Stadt Halle spricht nach den tödlichen Schüssen von einer "Amoklage".

14:10 Uhr |

Nach Berichten von MDR-Reportern ist die Stadt Halle im Ausnahmezustand. Polizeiwagen seien mit Sirenen und Blaulicht unterwegs, die Straßen menschenleer.

14:13 Uhr |

Ein Augenzeuge berichtet, dass der Täter versucht habe, auf den jüdischen Friedhof einzudringen. Der Täter habe mehrmals mit einer Schrotflinte und einem Maschinengewehr auf die Tür der Synagoge geschossen. Eine Frau, die von der Straßenbahnhaltestelle kam, sei dem Täter zum Opfer gefallen. Der Mann habe Schutzkleidung mit Helm getragen. Er habe auch Granaten unter die Friedhoftür geschmissen.

14:15 Uhr |

Wegen der Ereignisse in Halle bricht Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) eine Dienstreise in Brüssel kurzfristig ab. Sobald es die Lage erlaube, wolle Haseloff nach Halle reisen, heißt es.

14:32 Uhr |

Regierungssprecher Steffen Seibert nimmt Stellung zur Frage, ob die Bundesregierung einem Strafverfahren gegen Jan Böhmermann zustimmen wird. (Screenshot Video tagesschau.de)
Regierungssprecher Steffen Seibert Bildrechte: ARD Tagesschau

Die Bundesregierung äußert sich zu den Ereignissen in Halle. Regierungssprecher Steffen Seibert spricht von "schrecklichen Nachrichten". Dass es zwei Tote gebe, sei "entsetzlich". Er hoffe sehr, "dass die Polizei den Täter oder die Täter möglichst schnell fassen kann und kein weiterer Mensch in Gefahr kommt". Es sei nun ganz wichtig, dass die Bevölkerung den Anweisungen der Polizei Folge leiste.

14:40 Uhr |

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Stadtgebiet unterwegs. Die ersten Bilder vom Ausnahmeeinsatz tauchen auf.

Bilder vom Polizeieinsatz Halle im Ausnahmezustand

Ausnahmezustand in Halle: Ein 27-jähriger Mann hat am Mittwoch zwei Menschen erschossen. Stundenlang herrschte Verwirrung, am Abend stand dann fest, es handelt sich um einen Täter.

Polizeifahrzeuge an Ortsschild
Bildrechte: MDR/Jörg Wagner
Polizeifahrzeuge an Ortsschild
Bildrechte: MDR/Jörg Wagner
Bewaffnete Täter in Halle an der Saale
Der mutmaßliche Täter bewegt sich schwerbewaffnet durch Halle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bewaffnete Täter in Halle an der Saale
Der mutmaßliche Täter schießt in Halle auf Polizisten und nutzt einen Pkw als Deckung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schwer bewaffnete Polizeikräfte in Halle an der Saale
Die Polizei riegelt den Tatort weiträumig ab. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Ein Toter liegt auf einer Strasse in Halle an der Saale
Rettungskräfte am Tatort Bildrechte: MDR/Stefan Hellem
Schwer bewaffnete Polizeikräfte in Halle an der Saale
Schwerbewaffnete Polizisten durchkämmen Halle. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Schwer bewaffnete Polizeikräfte in Halle an der Saale
Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
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14:45 Uhr |

Die Polizei verstärkt ihre Kräfte vor den Synagogen in Leipzig und Dresden. Laut einer dpa-Reporterin stehen sie vor dem Gebäude in der Leipziger Innenstadt. Die Polizei geht offenbar weiter von mindestens zwei Tätern aus, die sich nach der Tat getrennt haben. Einer sei in Richtung Sachsen unterwegs.

14:55 Uhr |

Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen nach dem Anschlag in Halle. Dass es sich um eine antisemitische Tat handelt, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar, wie ein Sprecher mitteilt.

15:05 Uhr |

Erst jetzt werden erste Details über die beiden Toten aus dem Paulusviertel bekannt. Eine Polizeisprecherin bestätigt, dass Jana L. in der Humboldtstraße und Kevin S. im Kiez-Döner erschossen wurden. Sicherheitskreise gehen erstmals von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat aus.

15:15 Uhr |

Die Deutsche Bahn gibt bekannt, dass der Bahnhof Halle voraussichtlich bis zu den späten Nachmittagsstunden gesperrt bleibt. Fernverkehrszüge werden umgeleitet.

15:20 Uhr |

Die Bürger im gesamten Stadtgebiet von Halle sollen zu ihrer Sicherheit in Gebäuden bleiben. Das sagt ein Stadtsprecher der dpa.

15:35 Uhr |

Die Hallesche Verkehrs-AG stellt bis auf Weiteres den Verkehr von Straßenbahnen und Bussen ein. Weiter meldet die Polizei auf Twitter, dass es wegen der Einsatzlage zu starken Verkehrsbehinderungen im Innenstadtbereich kommt.

15:40 Uhr |

Die Polizei in Halle schaltet jetzt Hinweis-Telefone frei.

15:44 Uhr |

Die Polizei dementiert, dass sich ein Tatverdächtiger im Raum Leipzig aufhalte. Hierzu gebe es keine Erkenntnisse, so die Polizei.

15:47 Uhr |

Die Abgeordneten im Europaparlament gedenken der Todesopfer in Halle."Wir sprechen den Familien der Opfer unser tiefstes MItgefühl aus", so Präsident David Sossoli. Die Abgeordneten seien schockiert und traurig über die tragischen Vorfälle in Halle.

15:50 Uhr |

Ministerpräsident Reiner Haseloff zeigt sich erschüttert über die tödlichen Schüsse in Halle. "Ich bin entsetzt über diese verabscheuenswürdige Tat", so der Ministerpräsident. Dadurch seien nicht nur Menschen zu Tode gekommen, die Tat sei "auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land". Er spricht den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus.

15:56 Uhr |

Die Polizeidirektion Magdeburg teilt mit, dass derzeit alle jüdischen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt von Polizeikräften aufgesucht werden. Die Polizei habe entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen. Alle verfügbaren Einsatzkräfte seien aktuell im Einsatz.

16:03 Uhr |

Eine Sprecherin des Generalbundesanwalts sagt dem Evangelischen Pressedienst, es gebe ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat. Dafür sprächen die gesamten Umstände.

16:12 Uhr |

Die Gerüchte über eine Geiselnahme in der halleschen Südstadt kann die Polizei nicht bestätigen. "Bitte bewahren Sie Ruhe und glauben keinen Gerüchten und Falschmeldungen. Das unüberlegte Teilen erschwert uns die Arbeit", teilt die Polizei mit.

16:20 Uhr |

Aufgrund des (damals noch vermeintlichen) Anschlags verstärkt die Bundespolizei ihre Kontrollen an Bahnhöfen und Flughäfen in Mitteldeutschland. Das gilt auch für die Verkehrswege nach Polen und Tschechien.

16:22 Uhr |

Der VfL Halle 96 e.V. sagt alle Trainings für den Mittwoch ab. "Die Absage gilt verpflichtend für alle Mannschaften", schreibt der Sportverein auf seiner Seite. Viele Vereinsmitglieder und Sportler würden in unmittelbarer Nähe zum Tatort wohnen.

16:30 Uhr |

Mit einem Bus und unter starkem Polizeischutz werden die Menschen aus der Synagoge in Sicherheit gebracht.

16:52 |

Das Bundeskriminalamt schaltet ein Hinweisportal frei. Wer Fotos, Videos oder sonstige Hinweise habe, könne sich dort melden. Die Polizei bittet auf Twitter ausdrücklich darum, keine Hinweisfotos und -videos in sozialen Netzwerken zu teilen, sondern das Portal zu nutzen, um zu helfen.

17:50 Uhr |

Viele Facebook-User von MDR SACHSEN-ANHALT sprechen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus und wünschen Ihnen Kraft. So schreibt Kornelia Lück: "Wieder ein trauriges Ereignis mehr, das wir in Geschichtsbüchern hinterlassen werden. Herzliches Beileid den Angehörigen. Der Augenzeuge wird auch noch lange Zeit quälende Erinnerungen mit sich herumtragen.“ Viele sind aber auch fassungslos, dass so etwas in Halle passiert. "Wie grausam. Ich bin total geschockt. Früher war alles weit weg", schreibt Andrea Pelka.

18:15 Uhr |

Nach Aussage des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, hat sich der Angriff auf die Synagoge während des Jom-Kippur-Gottesdienstes ereignet. Der Täter habe versucht, sich den Zugang mit Hilfe von Granaten, Waffen und Molotov-Cocktails zu verschaffen. Das sei ihm aber nicht gelungen. Privorozki geht mittlerweile von einem gezielten Anschlag aus.

18:20 Uhr |

Die Polizei Halle teilt mit, dass die Gefährdungslage für die Bevölkerung nicht mehr akut ist. Die Einsatzkräfte seien dennoch verstärkt im Einsatz. Die Menschen können wieder auf die Straßen.

18:27 Uhr |

Die Sperrung des Hauptbahnhofs ist wieder aufgehoben. S-Bahn- und der Fernverkehr laufen wieder an. Es kann aber noch zu Verspätungen und Teilausfällen kommen.

18:34 Uhr |

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT sind sich die Ermittler jetzt sicher, dass nicht mehrere Täter an dem Angriff beteiligt waren. Eine offizielle Bestätigung dafür von der federführenden Generalbundesanwaltschaft gibt es aber noch nicht.

19:02 Uhr |

Nach MDR-Informationen handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen 27-jährigen Deutschen aus Eisleben. Er soll ein rechtsextremes Motiv haben.

19:15 Uhr |

Die Polizei Halle gibt auch Entwarnung für den Saalekreis. Die Menschen können auch hier wieder auf die Straßen.

19:45 Uhr |

Die Havag teilt mit, dass die Ludwig-Wucherer-Straße zwischen Steintor und Reileck weiter gesperrt bleibt. Die Straßenbahnen werden über Marktplatz/Kleinschmieden umgeleitet.

20 Uhr |

Im Netz kursieren verschiedene Bilder und Videos vom Angriff. Die Polizei Halle bittet nochmal ausdrücklich darum, keine Aufnahmen im Internet zu verbreiten. Wer Hinweise jeglicher Form habe, solle sich an das Hinweisportal wenden.

20 Uhr |

Circa 200 Menschen gedenken auf dem Markt der Opfer. Es werden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt. Zu der Aktion hat der Verein Halle gegen Rechts aufgerufen.

20:30 Uhr |

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, kritisiert die Arbeit der Polizei. Die Einsatzkräfte seien zu spät vor Ort gewesen. "Mindestens zehn Minuten brauchten die, als ich angerufen und gesagt habe, wir haben einen bewaffneten Anschlag gegen die Synagoge", so Privorozki.

10. Oktober |

Erst in den folgenden Stunden und Tagen wird das ganze Ausmaß der Attacke deutlich. Das Ziel des Attentäters waren die Menschen in der voll besetzten Synagoge, die sich dort am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur getroffen hatten. Er scheiterte an der massiven Tür vor dem Gotteshaus, die heute als Mahnmal – eingefasst in ein Kunstwerk – auf dem Gelände der Synagoge steht.

11. Oktober |

Zwei Tage später gesteht der Todesschütze die Tat und bestätigt ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv. Bei einem mehrstündigen Termin beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs sagt er umfangreich aus.

21. Dezember 2020 |

Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilt den Attentäter zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Die Richter sprechen den 28-Jährigen des zweifachen Mordes und des versuchten Mordes in weiteren zahlreichen Fällen schuldig und stellen außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen.

Letzter Prozess Anschlag von Halle: Der Tag des Urteils in Bildern

Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag auf die Synagoge in Halle hat das Gericht das Urteil gesprochen. Der Prozess gilt als eines der größten Strafverfahren in der Geschichte Sachsen-Anhalts.

Der Angeklagte wird vor Beginn der Urteilsverkündung im Prozess zum Terroranschlag von Halle auf dem Flugplatz Magdeburg zu einem Transporter geführt
Unter höchsten Sicherheitsstandards ist Stephan B. am Montagvormittag aus der JVA in Burg zum Gerichtssaal in Magdeburg gebracht worden. Bildrechte: dpa
Der Angeklagte wird vor Beginn der Urteilsverkündung im Prozess zum Terroranschlag von Halle auf dem Flugplatz Magdeburg zu einem Transporter geführt
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Der Angeklagte Stephan B. (M) wird von Justizpersonal in den Saal des Landgerichts begleitet und nimmt neben seinem Verteidiger Thomas Rutkowski (r) Platz.
Es war der 26. und damit letzte Prozesstag, bei dem der rechtsterroristische Anschlag auf die Synagoge in Halle verhandelt wurde. Nach fünf Monaten geht das Verfahren zu Ende. Bildrechte: ddp
Der Angeklagte Stephan B. (M) steht am 26. Prozesstag im Saal des Landgerichts neben seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l) und Thomas Rutkowski.
An diesem Tag ist Stephan B. von den Richtern des Oberlandesgerichts zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Es ist die höchstmögliche Strafe. Bildrechte: dpa
Der Angeklagte Stephan Balliet (M) wird von Justizpersonal in den Saal des Landgerichts begleitet.
Das Gericht sprach den Attentäter des zweifachen Mordes und des versuchten Mordes in weiteren zahlreichen Fällen schuldig und stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Das Gericht stufte den Attentäter als voll schuldfähig ein. Gegen das Urteil kann Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.  Bildrechte: dpa
Das Gericht mit Astrid Bode (l-r), Harald Scholz, der Vorsitzenden Richterin Ursula Mertens, Thorsten Becker und Antje Weiߟ-Ehm steht zu Beginn des 26. Prozesstages im Saal.
Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens (m.) sagte in der mehrstündigen Urteilsbegründung: "Das war eine abscheuliche, menschenverachtende Tat". Es sei ein "feiger Anschlag" gewesen, sagte Mertens. Die Richterin schaute dem 28-Jährigen immer wieder direkt in die Augen. "Bei Ihnen, Herr B., gab es keine menschlichen Züge mehr", sagte sie. Bildrechte: dpa
Verteidiger Thomas Rutkowski (r), der Angeklagte Stephan B. (2.v.r.) und Verteidiger Hans-Dieter Weber (3.v.r) stehen zu Beginn des 26. Prozesstages im Landgericht, während das Gericht mit der Vorsitzenden Richterin Ursula Mertens (2.v.l.) den Saal betritt.
Viele Momente in dem Prozess seien unerträglich gewesen, sagte die Richterin weiter. Dabei versagte Mertens die Stimme und ihr kamen die Tränen. "Dieses Verfahren stellt alles in den Schatten." Direkt an den Angeklagten gewandt sagte sie: "Sie sind ein fanatisch ideologisch motivierter Einzeltäter. Sie sind antisemitisch, ausländerfeindlich. Sie sind ein Menschenfeind." Bildrechte: dpa
Der Angeklagte Stephan B. (M) sitzt am 26. Prozesstag im Saal des Landgerichts neben seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l) und Thomas Rutkowski.
Der Attentäter nahm den Urteilsspruch mit ausdruckslosem Gesicht zur Kenntnis. Emotionen zeigte er kaum, manchmal wirkte er etwas genervt. Bildrechte: dpa
 Der Angeklagte Stephan Balliet (2.v.l.) wird vor Beginn des 26. Prozesstag aufgrund einer Zeitverzögerung wieder aus dem Saal geführt, rechts sein Verteidiger Hans-Dieter Weber.
Nach der Verabschiedung hatte der Attentäter eine zusammengerollte Mappe in Richtung der Nebenkläger geworfen. Daraufhin packten die Wachleute den 28-Jährigen sofort, fixierten ihn und trugen ihn aus dem Gerichtssaal. Bildrechte: dpa
Nebenklägerinnen und Nebenkläger stehen mit ihren Anwälten hinter weiÃßen Rosen am Landgericht.
Am 9. Oktober 2019 hatte der heute 28-jährige Stephan B. versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur die Synagoge von Halle zu stürmen und ein Massaker anzurichten. Bildrechte: dpa
 Christina Feist spricht auf einer Veranstaltung der Nebenkläger vor dem Landgericht.
An 25 Prozesstagen befragte das Gericht dort mehrere Dutzend Zeugen und eine ganze Reihe von Sachverständigen. 45 Überlebende und Hinterbliebene hatten sich der Nebenklage angeschlossen, sie wurden von 23 Anwälten vertreten Bildrechte: dpa
Der Angeklagte Stephan B. sitzt am 26. Prozesstag im Saal des Landgerichts zwischen seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l) und Thomas Rutkowski.
Der Prozess gilt als eines der größten Strafverfahren in der Geschichte Sachsen-Anhalts. Bildrechte: dpa
Wenige Menschen sind vor dem Landgericht unterwegs.
Die Verhandlung fand vor dem Oberlandesgericht Naumburg statt. Aus Platzgründen war der Prozess aber in den Räumen des Landgerichts in Magdeburg geführt worden. Dort steht der größte Gerichtssaal Sachsen-Anhalts zur Verfügung.

Das Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21.12.2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/pat
Bildrechte: dpa
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29. Dezember 2020 |

Das Urteil wird rechtskräftig. Der Angeklagte hatte bis zum Ablauf der einwöchigen Frist keine Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.

#MDRklärt Darum wird die Aufarbeitung des Anschlags von Halle kritisiert

Zwei Jahre nach dem Attentat von Halle steht die Stadt in der Kritik. Organisationen der Zivilgesellschaft werfen ihr vor, bislang zu wenig für die Aufarbeitung getan zu haben.

Darum wird die Aufarbeitung des Anschlags von Halle kritisiert
Bildrechte: dpa
Darum wird die Aufarbeitung des Anschlags von Halle kritisiert
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Zum zweiten Jahrestag des Anschlags von Halle kritisieren Organisationen der Zivilgesellschaft: Die Stadt habe bislang zu wenig für die Aufarbeitung getan.
Bildrechte: MDRklärt
Die Stadt widerspricht: "Halle ist nach dem Anschlag zusammengerückt. Es hat zum ersten Jahrestag sehr bewegende Veranstaltungen gegeben, an denen auch der Bundespräsident teilgenommen hat. Vor allem aber hat es eine enorme Anteilnahme der Stadtgesellschaft gegeben."
Bildrechte: MDRklärt
"Ich finde, letztes Jahr zum einjährigen Gedenken war das durch den Besuch des Bundespräsidenten und diverse Staatsakte schwierig, ein Austausch unter den Menschen selber untereinander hat  nicht wirklich stattgefunden.“  Mamad Mohamad, LAMSA-Geschäftsführer
Bildrechte: dpa
Weiter führt die Stadt folgende Maßnahmen an: 1. intensivere Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Jüdischer Gemeinde 2. partnerschaftliche Unterstützung des Verbunds "Koalition gegen Antisemitismus" 3. neue Stelle eines Koordinators für Demokratieförderung, der die Antisemitismus-Bekämpfung koordiniert und unterstützt
Bildrechte: MDRklärt
"Wir warten noch darauf, dass sich der Koordinator bei uns vorstellt. Das wird jetzt bald kommen. Bisher können wir dazu nichts sagen, weil bisher nicht sichtbar ist, was diese Stelle tut.  Ohnehin hätte sie viel früher, schon im Jahr 2019, geschaffen werden müssen"  Valentin Hacken, Halle gegen Rechts)
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

MDR/Marie Landes, Daniel George, Max Schörm
Bildrechte: MDR/Max Schörm
Alle (7) Bilder anzeigen

MDR/Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. Oktober 2021 | 08:12 Uhr

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