neues Mobilitätskonzept Wie sich der Verkehr in Halle verändern soll

Annekathrin Queck im Porträt
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Halle erarbeitet eine Arbeitsgruppe, in der Vertreter der Stadtratsfraktionen und von Interessensverbänden sitzen, ein neues Mobilitätskonzept. Jedes Stadtviertel hat seine eigenen Bedürfnisse und Herausforderungen. Das Konzept wird in zwei Schritten erarbeitet. Im kommenden Jahr ist eine aktive Bürgerbeteiligung geplant.

Radstreifen in der Ludwig-Wucherer-Straße in Halle
Noch dominieren Autos die Städte. Das soll sich in Zukunft in Halle ändern. (Archivbild) Bildrechte: Ronny Arnold

In Halle gibt es schon länger Bestrebungen, den Verkehr in der Stadt zu verändern. Vor zwei Jahren sprach sich der Stadtrat für eine weitgehend autofreie Altstadt aus. Ein entsprechendes Konzept schlug unter anderem weniger Parkplätze im öffentlichen Raum vor. Die neugewonnenen Flächen sollten zum Beispiel für Außengastronomie und Grünflächen genutzt werden. Das Problem: Die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt waren nicht an dem Konzept beteiligt. Das hatte zur Folge, dass die meisten beim darauffolgenden Bürgerentscheid dagegen stimmten.

"Aus dieser Erfahrung haben wir gelernt", sagt der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Umwelt, René Rebenstorf. Er leitet eine Arbeitsgruppe, in der Vertreter der Stadtratsfraktionen und von verschiedenen Interessensverbänden sitzen. Sie arbeiten gemeinsam an einem neuen Mobilitätskonzept, diesmal nicht nur für die Altstadt, sondern für das gesamte Stadtgebiet. Auch das Umland wird eine Rolle spielen.

Enge Straßen und zu wenig Brücken

Allein die dicht bebaute Altstadt stellt die Arbeitsgruppe mit ihren engen Straßen zum Teil vor große Herausforderungen. "Da sind manche Fußwege in Magdeburg breiter als die Straßen hier", sagt Rebenstorf. Teilweise sei einfach nicht genug Platz für Autos, Straßenbahn, Fußgänger und Radfahrer. "Die dichte, geschlossene Bebauung zwingt uns dazu, bei der Mobilität andere Wege zu gehen", erklärt der Beigeordnete. Das sei ein hallespezifisches Problem, für das man unbedingt Lösungen finden müsse.

Darüber hinaus braucht es nach Aussage von Rebenstorf dringend mehr Saalebrücken, weil der Fluss die Stadt sehr stark trenne. Dadurch entstünden teilweise lange Umwege. Allerdings sei es keine Seltenheit, dass solche Vorhaben zehn Jahre in der Planung sind. Das habe mit den nötigen Genehmigungen, der Finanzierung und der aktuellen Situation in der Baubranche zu tun.

Verkehrspläne durch gesetzliche Vorgaben eingeschränkt

Ein weiteres Problem: Alle Vorschläge müssen gesetzeskonform sein. Besonders neue Ansätze kamen bei der Verkehrsbehörde in der Vergangenheit nicht immer gut an, erzählt Rebenstorf. Da sei die Antwort mitunter gewesen: "Das geht nicht" oder "Sie haben das wieder zurückzubauen“.

Die Arbeitsgruppe könne zwar theoretisch alles in das neue Konzept schreiben, praktisch sei man aber von vornherein eingeschränkt. Sollten sich am Ende aber doch Vorschläge durchsetzen, die aktuell nicht umsetzbar sind, kann sich Rebenstorf auch vorstellen, die entsprechenden Abschnitte mit dem Hinweis "Achtung! Hier dringend Gesetzesänderung nötig" zu versehen.

Konzept wird in zwei Schritten erarbeitet

Das neue Mobilitätskonzept soll in zwei Schritten entwickelt werden. Im ersten Schritt wird festgelegt, wie viel Raum welche Verkehrsteilnehmer in Zukunft bekommen sollen. Klar ist nach Aussage von Rebenstorf zum Beispiel schon, dass Autos das Stadtbild deutlich weniger prägen sollen. Darüber hinaus müsse aber auch geklärt werden, wie fußgänger- und fahrradfreundlich die Stadt gestaltet wird und welche Rolle öffentliche Verkehrsmittel spielen werden.

Im zweiten Schritt beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit den einzelnen Stadtquartieren. Das wird wohl die meiste Zeit in Anspruch nehmen, glaubt der Beigeordnete. Immerhin hätten Halle-Neustadt, die Altstadt, der Stadtrand und das Umland völlig verschiedene Voraussetzungen und Bedürfnisse. Eine pauschale Lösung für ganz Halle könne es nicht geben.

Keine Veränderung ohne Unterstützung

Rebenstorf ist davon überzeugt, dass sich der Verkehr in der Stadt nur verändern lässt, wenn man die Menschen aktiv miteinbezieht. Das habe der gescheiterte Bürgerentscheid im letzten Jahr gezeigt. Das Ziel sei, ein Konzept zu entwickeln, das sich zum Beispiel den Tagesabläufen und Verkehrswegen der Leute anpasst. Man wolle den Menschen nichts überstülpen, sondern etwas entwickeln, das auch Unterstützung findet.

Deshalb sollen die Hallenserinnen und Hallenser im kommenden Jahr nicht nur über die Vorschläge der Arbeitsgruppe informiert, sondern auch aktiv miteinbezogen werden. Ende 2023 wird man dann voraussichtlich beginnen, alle Ideen in einem Entwurf zusammenzuführen. Dieser wird dann dem Stadtrat vorgelegt und schließlich erneut in einem Bürgerentscheid darüber abgestimmt.

MDR (Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 29. November 2022 | 17:30 Uhr

4 Kommentare

HallunkeHallenser vor 8 Wochen

Es gab keinen Bürgerentscheid darüber, dass alles immer so bleiben sollte wie es ist. Und ideologisch ist zuallererst, zu glauben, das Auto und noch mehr Autos wären die Lösung aller Probleme.

Hobby-Viruloge007 vor 8 Wochen

Herr Rebenstorf akzeptiert anscheinend den Bürgerbescheid nicht?

Halle hat sofort weniger Verkehr, wenn der Autobahnring geschlossen wird. Die Autobahnverbindung Berlin-Göttingen führt über den Riebeckplatz.

Neue Brücken wird es schon wegen NABU und BUND in absehbarer Zeit nicht geben.

Ich würde auch vermuten, dass es unterschiedliche Meinungen in den Quartieren zum Thema Auto gibt. In Gebieten mit hohem grünen Stimmenanteil kann man die Autos ja verbieten.

hilflos vor 8 Wochen

Autofrei finde ich toll. Allerdings sollte man grüne Utopien außen vor lassen, da diese meist Ideologie behaftet sind und meistens nur halb gedacht wurden. In dem Moment, wenn man so etwas plant, muß der ÖPNV aber auch funktionieren und das bis in das weitere Umfeld der Stadt. Nicht jeder der nach Halle kommt, geht ins Theater oder nur Shopping. Viele arbeiten dort und wohnen auch im umliegenden Saalekreis oder weiterweg. Am Bsp meines Sohnes (Azubi in Halle wh in Merseburg) sehe ich, dass monatlich ca 3-4 Störungen mit Zugausfall, erheblicher Verspätung usw auftreten. Von der "Zonenaufteilung des mdv" muss man gleich gar nicht beginnen. P&R Parkplätze im Umfeld der Stadt werden nicht die Lösung bringen

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