Darsteller auf Theaterbühne.
Das Bild zeigt die Proben zum Stück "Lebzeitgäste", das am NT in Halle Premiere hat. Bildrechte: Anne Sailer

Theater "Lebzeitgäste": Neues Theater Halle zeigt die Stimmen in unserem Kopf

23. Februar 2024, 14:01 Uhr

Die deutsche Erstaufführung der dänischen Komödie "Lebzeitgäste" am Neuen Theater Halle ist ein Experiment: Regisseurin Mille Maria Dalsgaard hat den Text übersetzt und die Handlung von Kopenhagen hierher verlegt. Der rasante Plot spielt im Gehirn der Protagonistin und zeigt die Stimmen im Kopf, die wir alle aus dem Alltag kennen. Am Freitag hat das Stück Premiere. Unsere Autorin hat eine Probe besucht.

Im Hirn der Protagonistin geht es hoch her: Verschiedene Persönlichkeitsanteile melden sich zu Wort, alle reden durcheinander, hören einander nicht zu. Ein Stimmengewirr erfüllt den Theatersaal. Dabei stehen die Schauspieler, also die Persönlichkeitsanteile, auf Trampolinen. Und sie springen auf diesen herum im Verlauf des rasanten Stücks. Mal wild, mal wippend.

Der Handlung zu folgen, ist gar nicht so einfach: Dann wird dem Zuschauenden klar, dass sich all das auch im eigenen Gehirn abspielt. Egal, ob wir eine Unterhaltung führen, wir eine Entscheidung treffen müssen oder wir mit einem Problem konfrontiert sind. Stets erheben sich in unserem Kopf Stimmen. Da gibt es beispielsweise den Übermütigen, den Ängstlichen, den Moralapostel, das Gewissen, den Ehrgeizigen und viele mehr. Am bekanntesten dürfte der innere Schweinehund sein. Den kennt jeder.

Gesunde Stimmen im Kopf

Die künstlerische Leiterin des Neuen Theaters und auch Regisseurin des Stücks, Mille Maria Dalsgaard, hat es selbst aus dem Dänischen für die Bühnen Halle übersetzt. Das sei ein schwieriger Prozess gewesen, erzählt Dalsgaard über die Arbeit an dem mehrschichtigen Stück der dänischen Erfolgsautorin Line Knutzon.

Anspruchsvoll ist vor allem die Übertragung der Alltagssprache. Die lebt ja von Wortwitz oder auch von Füllwörtern. All das musste aus dem Kopenhagener Kontext für das hallesche Publikum umgeschrieben werden. Auch der Inhalt musste angepasst werden. In Dänemark weit verbreitete gemeinschaftliche Wohnprojekte gibt es in Halle kaum. In der deutschen Premiere geht es daher um eine unsanierte Berliner Zwei-Zimmer-Wohnung, deren Preis in die Höhe schnellt. Daher zieht die Protagonistin in eine bezahlbare Wohnung in Halle.

Porträt einer lächelnden jungen Frau.
Mille Maria Dalsgaard Bildrechte: Karoline Lieberkind

"Lebzeitgäste" zeigt das Chaos im Kopf

Das Stück "Lebzeitgäste" erinnert an den US-amerikanischen Computeranimationsfilm "Alles steht Kopf" oder auch an ein Kommunikationsmodell. Es stammt vom Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun. Es heißt: Das innere Team. Auch darin melden sich die Anteile ungefragt zu Wort, reagieren panisch, manisch oder komisch auf das Außen.

Im Stück "Lebzeitgäste" gibt es eine junge, naive Figur. Aber auch einen Planer und einen neugierigen Anteil. Er habe keine so positive Rolle abbekommen, verrät Schauspieler Florian Krannich: "Das macht was mit mir. Ich spiele mich immer richtig in schlechte Laune. Das passt dann."

Schlechte Laune spielen geht besonders gut, wenn man welche hat.

Florian Krannich, Schauspieler

"Lebzeitgäste" zeigt das Chaos im Kopf bei einem Anruf vom zudringlichen Nachbarn Enriko. Die Protagonistin muss sich aber auch lebenswichtigen Fragen widmen: Wie gehe ich mit Liebe um? Was bedeuten Freundschaften für mich? Welche Ziele habe ich im Leben? Warum müssen wir sterben?

Ein Kopenhagener Stück für Halle

Mille Maria Dalsgaard scheut sich auch nicht, die Protagonistin ohne Namen in Angstzustände zu versetzen. Sie hat Angst vor dem Tod, vor Arbeitslosigkeit und dem Verlust von Status. Nicht jeder Zuschauende wird alle Figuren in sich wiedererkennen, aber viele, hofft zumindest die Regisseurin. Denn innere Konflikte kennen wir alle. Zudem hat Mille Maria Dalsgaard versucht, das originär für die Stadt Kopenhagen konzipierte Stück für Halle zu übersetzen. Ob das gelungen ist, wird zu sehen sein.

Informationen zum Stück Theaterinszenierung "Lebzeitgäste"
nach Line Knutzon übersetzt von Mille Maria Dalsgaard

Neues Theater Halle
Große Ulrichstraße 51,
06108 Halle (Saale)

Premiere: 23. Februar 2023 um 19:30 Uhr Uhr (Restkarten)
Weitere Termine: 24., 25. und 29. Februar sowie am 1. März, jeweils um 19:30 Uhr

Besetzung: Aline Bucher, Franziska Hayner, Inés Schiller, Nicoline Schubert, Harald Höbinger, Marian Kindermann, Florian Ulrich Krannich, Marketa Jedlickova, Amelie Watson
Regie: Mille Maria Dalsgaard
Bühnenbild: Max Schwidlinski
Kostüme: Vanessa Rust
Choreografische Mitarbeit: Michal Sedláček

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR | 24. Februar 2024 | 12:10 Uhr

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