Ein verfallenes Gebäude.
Eine von mehreren Hallen auf dem ehemaligen RAW-Gelände. Der linke historische Teil soll erhalten bleiben und wird restauriert. Bildrechte: Andreas Manke/MDR

Bürogebäude, Wohnungen, Hotels Neues Stadtquartier auf RAW-Gelände in Halle geplant

26. Juli 2023, 12:23 Uhr

Das Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks in Halle ist zur Zeit noch ein gigantischer "Lost Place". Fotojäger, aber auch Diebe verschaffen sich regelmäßig illegal Zugang zum Gelände. Damit soll bald Schluss sein, denn die historischen Hallen sollen samt der 19 Hektar große Fläche zu einem neuen Stadtquartier weiterentwickelt werden.

  • Für das Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks in Halle wird zur Zeit ein Altlastenkonzept erstellt
  • Das ehemalige RAW-Gelände soll zu einem neuen Stadtquartier weiterentwickelt werden.
  • Momentan ist das ehemalige RAW-Gelände ein "Lost Place" der Superlative, der auch viele Foto-Jäger anlockt

Ein Gang über das riesige Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks RAW am halleschen Hauptbahnhof zeigt: Noch sind die historischen Hallen aus gelben Backstein in einem traurigen Zustand: Kaputte Dächer, zerbrochenes Fensterglas und zerstörte Türen. Vor den Hallen, aber auch im Inneren, hat sich überall die Natur den Raum zurückerobert. Schon seit 1996 werden hier keine Lokomotiven mehr repariert. Seitdem steht das Areal leer und ist sozusagen im Dornröschenschlaf.

Auf dem RAW-Gelände tut sich was

Schaut man aber genauer hin, dann sind frische Spuren zu erkennen: blaue Plastikrohre schauen aus der Erde. Auf der gesamten Fläche sind mehrere Hundert Bohrungen durchgeführt worden, um die Schadstoffbelastung festzustellen. Durch jahrzehntelange Nutzung des Geländes durch das RAW ist der Boden mit Öl, Benzin und Schmierstoffen massiv verunreinigt.

Aus den Daten der Grundwasser- und Bodenproben soll nun ein Altlastenkonzept erstellt werden. Es ist ein erster Schritt, um das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk in ein neues Stadtquartier zu verwandeln. Auf einer Fläche von 19 Hektar sollen ab 2030 Investoren neue Hallen errichten können. Auch die historischen Backsteinhallen mit einer Gesamtfläche von 30.000 Quadratmetern sollen restauriert werden.

Ein Gummireifen liegt auf einem Grundstück.
Für die Probenentnahme von Grundwasser zur Altlastenuntersuchung wurden Hunderte Bohrungen durchgeführt. Bildrechte: Andreas Manke/MDR

Bürogebäude für die IT-Branche geplant

Das Nutzungskonzept sieht vor, dass überwiegend Flächen für Bürogebäude geschaffen werden, die für Forschung und Entwicklung genutzt werden können. Bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze könnten entstehen, sagt der Chef der Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft Halle-Saalkreis Robert Weber. Auch gebe es bereits konkrete Nachfragen aus der IT-Branche, sodass der Fokus auf der Ansiedlung von Firmen aus dem Bereich IT-Sicherheit, Kommunikation und E-Business liege. Es solle aber kein reines Gewerbegebiet entstehen. "Es soll ein Gebiet werden, dass auch abends lebendig ist", sagt Weber. Geplant seien auch gastronomische Einrichtungen, Hotels und Wohnungen.

Es soll ein Gebiet werden, dass auch abends lebendig ist. Wir denken daran, dass es auch gastronomische Einrichtungen gibt, Hotels, aber auch Wohnungen.

Robert Weber Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft Halle-Saalkreis

Zukunftszentrum als Bereicherung

Dass die Stadt Halle das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation bekommt, hätte positive Auswirkungen auf das geplante Stadtquartier, sagt Robert Weber. Direkt im Anschluss an die Entscheidung habe man vermehrt Anfragen von Immobilienentwicklern bekommen, sodass auch die Möglichkeiten der Nutzung der Fläche steigen.

"Hier kann ein Kongresszentrum entstehen, hier können Ausstellungen stattfinden", sagt Weber. Wenn dadurch der Bedarf an Hotels steige, gebe es dafür Flächen in unmittelbarer Nähe. "Es wird auch viele Gäste geben, die eine Woche oder länger hier bleiben, sodass smarte Wohnungen entstehen können, wo man temporär wohnt", so Weber.

Bevor es aber losgehen kann, muss die Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft Halle-Saalkreis das Gelände von der Deutschen Bahn und vom Bundeseisenbahnvermögen kaufen. Bis dahin wird das ehemalige RAW-Gelände ein "Lost Place" bleiben.

Ein verfallenes Gebäude.
Die historische Halle auf dem ehemaligen RAW-Gelände soll vollständig restauriert werden. Bildrechte: Andreas Manke/MDR

Gelände muss aufwändig gesichert werden

Wenig Verständnis für Besucher dieses "Lost Place" hat Ronald Kaiser. Im Auftrag des Bundeseisenbahnvermögens (BEV) sichert er zusammen mit fünf weiteren Mitarbeitern das Gelände. Jeden Tag würde er Leute auf dem Grundstück erwischen, bis zu zehn in einer Woche. Zumeist wäre Neugier das Motiv.

Aber auch Diebstahl und Vandalismus sei ein großes Thema. Regelmäßig würden die Zäune durchgeschnitten. "Es wurden Kanaldeckel gestohlen, sodass die Schächte nach unten hin offen sind", erzählt Kaiser. Jeder, der erwischt wird, bekomme auch eine Anzeige, zumal die Gefahr extrem groß sei, über das Gelände zu laufen. "Wenn man durchs Gras geht und da ein Loch ist, dann kann es schnell passieren, dass man darin verschwindet und nicht so schnell wieder gefunden wird", sagt Kaiser.

Ein Mann mit Warnweste und Schutzhelm öffnet ein Tor.
Ronald Kaiser von der Bauüberwachung des Knoten Halle. Er ist verantwortlich für die Sicherheit auf dem Gelände des ehemaligen RAW. Bildrechte: Andreas Manke/MDR

Es wurden Kanaldeckel gestohlen, sodass die Schächte nach unten hin offen sind.

Ronald Kaiser von der Bauüberwachung des Knoten Halle

Hallenser wünscht sich Leuchtturmprojekt

Auch die Villa sei häufig Ziel von Vandalismus, sagt Kaiser. Regelmäßig werde die Eingangstür aufgebrochen. Am Tag der Begehung lag die alte Holztür sogar komplett zerstört in Trümmern im Hauseingang. Die Villa sei das letzte Gebäude des Reichsbahnausbesserungswerks gewesen, das 1996 geschlossen wurde. Hier habe man bis zum Ende die Arbeitskräfte von DB-Netz vermittelt. Die Villa sei Anlaufpunkt für die Mitarbeiter des RAW gewesen, die dann nach ganz Deutschland zu einer neuen Arbeitsstelle vermittelt wurden.

Kaisers größter Wunsch, so sagt er, ist es, dass er die Anlagenverantwortung in zwei bis drei Jahren komplett an die Investvision Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft Halle-Saalkeis abgeben kann und dass die Stadt Halle hier ein Leuchtturmprojekt baue, worauf er als Hallenser richtig stolz sein könne.

MDR (Andreas Manke, Fabienne von der Eltz)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Juli 2023 | 08:30 Uhr

1 Kommentar

Eulenspiegel1 vor 31 Wochen

Also ich denke bei einem guten Konzept kann dieses Areal durchaus die Perle von Halle werden.

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