WUK Theater Quartier  2 min
Das freie Theater in Halle, WUK Theater Quartier, nimmt den Spielbetrieb wieder auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Einbrüchen WUK Theater Quartier in Halle startet Spielbetrieb neu

09. März 2024, 16:31 Uhr

Das WUK Theater Halle hat mit den Folgen von zwei schweren Einbrüchen zu kämpfen. Doch am Samstag startet der Spielbetrieb neu mit einer Lesung der CORRECTIV-Enthüllungen. "Dafür haben wir alles getan", erklärt WUK-Chef Tom Wolter bei MDR KULTUR. Er äußert sich zu den gravierenden Folgen, die nicht nur im Schaden von mehr als 100.000 Euro bestehen, freut sich über 9.000 Euro an Spenden und gibt einen Ausblick, wie es weiter geht – bei den "Bildungswochen gegen Rassismus" und mit einem Benefiz Ende März.

Nach zwei schweren Einbrüchen nimmt das WUK Theater Quartier am Holzplatz in Halle seinen Spielbetrieb am Samstagabend, den 9. März wieder auf. Auf dem Programm steht die szenische Lesung "Geheimplan gegen Deutschland" des freien ensemble p&s, das die jüngsten CORRECTIV-Enthüllungen zum Treffen von AfD-Politikern, Neonazis und Unternehmern auf die Bühne bringt. Im Anschluss gibt es eine Publikumsdiskussion.

WUK-Chef Wolter: "Dafür haben wir alles getan!"

Trotz der gravierenden Folgen der Einbrüche sei im Team entschieden worden, die Veranstaltung zu realisieren, erklärt Tom Wolter als geschäftsführender Vorstand und künstlerischer Leiter des WUK im Gespräch mit MDR KULTUR. "Dafür sind wir da und dafür haben wir alles getan." Schließlich sei das WUK Partner der "Bildungswochen gegen Rassismus", die Entscheidung dazu habe man bereits im vergangenen Jahr getroffen und der fühle man sich verpflichtet.

WUK Theater Quartier Halle von oben.
Das WUK Theater Quartier Halle hat mit den Folgen von zwei schweren Einbrüchen im Januar und Februar zu kämpfen. Bildrechte: imago images/Steffen Schellhorn

Auf die Lesung folgen am 10. und 11. März zwei Veranstaltungen im Rahmen der Bildungswochen, "Wurzeln" ist laut WUK eine musikalisch-akrobatische Reise in die ambivalente Welt deutscher Heimat mit Maxi Schreier und Felix Fischer als Four String Company. Mit "Erinnerungskultur kritisch betrachten" von Halle postkolonial präsentiert Andrea-Vicky Amankwaa-Birago laut WUK ihre Forschung zu Anton Wilhelm Amo. Amo war der erste bekannte Philosoph aus einem afrikanischen Land in Deutschland. Er studierte in Halle und in Wittenberg, wo er 1734 auch promoviert wurde. Seine Hallenser Disputation widmete er der rechtlichen Stellung Schwarzer Menschen in Europa.

"Alles auf Kante": Doppelter Ressourcen-Klau für freien Theaterbetrieb

Im Gespräch mit MDR KULTUR verweist Wolter auf den tiefgreifenden Schaden der beiden Einbrüche: "Das ist auch ein Diebstahl an Arbeitszeit!", betonte er. Zum WUK-Team mit zehn festen Mitarbeitenden gehörten viele Teilzeit-Kräfte. Im vergangenen Jahr seien etwa 300 Vorstellungen für rund 30.000 Besucherinnen und Besucher an drei Spielstätten realisiert worden. Alles sei auf Kante genäht, jedes Jahr müsse aufs Neue um Förderungen gekämpft werden. Den angerichteten materiellen Schaden zu regulieren, mit Polizei, Versicherungen oder betroffenen Künstlerinnen und Künstlern zu kommunizieren, raube wertvolle Zeit, geschätzte 240 bis 250 Stunden, die nun bei der inhaltlichen Arbeit fehle, so Wolter.

Blick ins WUK Theater in Halle
300 Vorstellungen an drei Spielstätten realisierte das WUK Theater in Halle im vergangenen Jahr. Bildrechte: WUK Theater / Nikita August

Nach dem ersten Einbruch sei noch am selben Abend weitergespielt worden, auch die Premiere am Folgetag habe stattgefunden, um nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Das sei so nach dem zweiten Vorfall so nicht mehr möglich gewesen. "Wir mussten uns erstmal sortieren." So habe das WUK die für das erste März-Wochenende geplanten Benefizveranstaltungen mit 50 künstlerischen Partnerinnen und Partnern sowie die Eröffnung der Konzertreihe "Forum Grenzgänge" absagen müssen.

Sachbeschädigung, aber auch Angst um Leib und Leben

Wolter beziffert den Schaden des ersten Einbruchs vom 31. Januar im Gespräch mit MDR KULTUR auf 100.000 Euro. Am 28. Februar sei es nahezu zeitgleich gegen 5:30 Uhr zu einem zweiten Delikt gekommen. Er sei erneut von der Reinigungskraft alarmiert worden, die die Täter im Haus überrascht habe. So habe er noch nie um Leib und Leben Mitarbeitender fürchten müssen, kommentiert Wolter. Wieder sei wertvolle Technik, diesmal im Wert von mindestens 20.000 Euro, gestohlen worden.

Allerdings sei die Sachbeschädigung gravierender als beim ersten Einbruch – insgesamt 16 Türen seien aufgebrochen und teils unbrauchbar gemacht worden. Werkstatt, der Saal, Proben- und Lagerräume sowie das Büro der künstlerischen Leitung wurden laut WUK verwüstet. Auch das Büro der Geschäftsstelle des Netzwerks Freier Theater, die im Haus ansässig ist, sei diesmal betroffen gewesen.

Eine aufgebrochene Tür vom WUK Theater in Halle.
Neben dem Klau von Veranstaltungstechnik sind auch die Sachbeschädigungen im WUK enorm. Bildrechte: MDR/Theo M. Lies

Neuer Anlauf: Benefiz und Konzertreihe nun für Ende März geplant

Zum Stand der Ermittlungen erklärt Wolter, es gebe zwei Tatverdächtige. Im zeitlichen Zusammenhang mit den Einbrüchen ins WUK sei es auch im Umfeld des Theaters zu weiteren Delikten gekommen. Grundlage des Spielbetriebes sei ein aktualisiertes Sicherheitskonzept.

Ermutigend finde er, dass mehr als 100 Menschen das WUK seit den Vorfällen mit Spenden unterstützten. So seien bereits 9.000 Euro zusammengekommen. Das helfe, den Eigenanteil am Schaden zu tragen und das WUK als Theaterquartier für Künstlerinnen und Künstler aus der Halleschen Szene offen zu halten und sie sichtbar zu machen. Mit Maxi Schreier und Felix Fischer seien zwei davon nun am Wiedereröffnungs-Wochenende zu erleben, freut sich Wolter.

Benefiz und die Eröffnung der Konzertreihe "Forum Grenzgänge" sollen Ende März nachgeholt werden.

Nicole Tröger im verwüstetet Büro
Nicole Tröger vom WUK im verwüstetet Büro, inzwischen gingen rund 9.000 Euro Spenden ein. Bildrechte: WUK Theater Quartier/Patrick Jungwirth

Quelle: MDR KULTUR (Alexander Mayer), Redaktionelle Bearbeitung: Katrin Schlenstedt

Neustart am WUK Theater Quartier Halle: Das Programm im März 2024

WUK Theater Quartier
Holzplatz 7a
Halle

9. März | 20:30 Uhr
Geheimplan gegen Deutschland

10. März | 18 Uhr
WURZELN

11. März, 18:30 Uhr
Erinnerungskultur kritisch betrachtet – Anton Wilhelm Amo

15./16. März
STIMMEN

17. März | 18 Uhr
Eröffnung Forum Grenzgänge pt. 1 | Harald Kimmig Solo: HARA
Begegnungen experimenteller Musik mit Performance, Tanz und visueller Kunst

23. März | 10 Uhr - 24. März | 3 Uhr
Ein ganzer Tag Benefiz!

24. März | 18 Uhr
Forum Grenzgänge pt.2 | Albrecht Brandt & Luise Volkmann

27. März | 19:30 Uhr
HUNGER
Literarischer Salon

31. März | 16:00 - 20:00
OVERSEAS
Hiphop auf dem Deck des WUK Theater Quartier Schiffs

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. März 2024 | 13:10 Uhr

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