Drei blau angemalte Kangxi Vasen stehen nebeneinander vor neutralem Hintergrund. 9 min
Diese drei Vasen sind nun nicht mehr Teil der Glauchauer Sammlung. Bildrechte: Museum Schloss Hinterglauchau | Foto: Gregor Lorenz

Vasen aus China Glauchauer Museum übergibt NS-Raubkunst an jüdische Erben

28. Mai 2024, 16:41 Uhr

In Glauchau sind im Rahmen einer feierlichen Übergabe drei chinesische Porzellanvasen aus der Ära des Kaisers Kangxi an Erben des jüdischen Industriellen Ottmar Edwin Strauß zurückgegeben worden. Dieser hatte die Vasen während des Nationalsozialismus verkaufen müssen. Wiebke Glöckner, die Leiterin des Museums Schloss Hinterglauchau, hat dem MDR erklärt, wie die Vasen nach Glauchau kamen und warum sie nun zurückgegeben werden.

Am Dienstag sind in Glauchau im Rahmen einer feierlichen Übergabe drei chinesische Porzellanvasen der Kangxi-Ära an die rechtmäßigen Erben des jüdischen Industriellen Ottmar Edwin Strauß zurückgegeben worden. Dieser musste die Vasen verkaufen, um in der Zeit des Nationalsozialismus die erforderliche Reichsfluchtsteuer bezahlen zu können.

Die abenteuerliche Reise der Kangxi-Vasen nach Glauchau

Für die Leiterin des Museums Schloss Hinterglauchau Wiebke Glöckner markiert die Rückgabe den Endpunkt eines Provenienzforschungsprojekts (Herkunftsforschung), das über zweieinhalb Jahre in ihrem Haus stattgefunden hat. Nun ist der abenteuerliche Weg der drei Balustervasen aus China mit charakteristischem Dekor und kobaltblauer Glasur fast lückenlos geklärt.

Zu sehen ist der Boden einer blau angemalten Kangxi Vase.
Der Boden einer der Kangxi-Vasen aus der Sammlung von Paul Geipel. Bildrechte: Museum Schloss Hinterglauchau | Foto: Gregor Lorenz

Die Kangxi-Vasen gelangten laut Glöckner nachweislich 1721 in das Porzellankabinett von August dem Starken, der zur Zeit des chinesischen Kaisers Kangxi herrschte. Kangxi war der vierter Kaiser der Qing-Dynastie und gilt als Kaiser mit der längsten Regierungszeit in der chinesischen Geschichte. Unter ihm erlebte die chinesische Kultur eine Blütezeit.

Die Sammlung August des Starken sei um 1919 versteigert wurden – an wen, sei bis heute nicht bekannt. "Das ist die einzige echte Lücke, die wir, in dem Weg der Vasen momentan noch haben", erklärt Glöckner. Die Vasen seien dann 1931 wieder in der Kunstsammlung des jüdischen Großindustriellen Ottmar Strauß in Köln aufgetaucht.

Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten und im Zuge der "Arisierung" seines Unternehmens sei Strauß enteignet wurden. Er sei gezwungen gewesen eine Reichsfluchtsteuer zu bezahlen. Um sich das leisten zu können, habe er damals seine Kunstsammlung veräußerte. Bei diesen Auktionen sei der Dresdner Mediziner Paul Geipel anwesend gewesen, der die Vasen weit unter ihrem eigentlichen Wert ersteigern konnte.

So landeten die Vasen schließlich in Glauchau, berichtet Museumschefin Glöckner: "Paul Geipel hat zu Lebzeiten schon zwei Museen bestimmt, die sein Erbe antreten sollten - unter anderem die Sammlung in Glauchau."

Provenienzforschung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste

Die Vasen befanden sich mehr als 70 Jahre in der Glauchauer Sammlung. Als 2019 anlässlich des 150. Geburtstags von Paul Geipel eine Sonderausstellung vorbereitet wurde, kamen im Zusammenhang mit der vorangegangenen Recherchearbeit erste Verdachtsmomente auf. Die Museumsleiterin wurde aktiv: "Mit dieser Vorahnung haben wir dann einen Projektantrag beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gestellt." Dort habe man sich dafür entschieden, das Projekt zur Erforschung der Provenienz mit einer Förderung zu unterstützen.

«Deutsches Zentrum Kulturgutverluste» ist auf einem Schild zu lesen.
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste befasst sich mit verschiedenen Kulturgütern, die einst geraubt wurden. Bildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Das Projekt wurde ausgeweitet und umfasste schließlich nicht nur die drei Vasen, sondern insgesamt 224 Einzelexponate. Denn alle Objekte, die Paul Geipel von 1933 bis 1945 im Kunsthandel erworben hatte, mussten untersucht werden – darunter Stücke aus Ostasien, Porzellane, Grafiken, Bücher, Möbel, historische Waffen und Bronzen. Nun kann Glöckner für die anderen Objekte Entwarnung geben: "Was die Provenienzen innerhalb der Kunstsammlung Paul Geipel betrifft, haben wir das jetzt wissenschaftlich abgeschlossen und erarbeitet."

Vasen spielen Nebenrolle in der Sammlung

Die Übergabe der Vasen tut dem Glauchauer Museum laut Glöckner keinen Abbruch. Schließlich spiele Porzellan in der Sammlungsstrategie des Museums eher eine untergeordnete Rolle. Im Zusammenhang mit der Kunstsammlung Paul Geipels seien die Vasen zwar ein Hingucker, aber sein Hauptaugenmerk lag laut der Museumschefin auf Grafiken und Gemälden des 19. Jahrhunderts. Auch sonst gibt es im Schloss viel zu entdecken, da ist sich Glöckner sicher: "Das gesamte historische Ambiente ist immer einen Besuch wert", wirbt sie.

Schloss Hinterglauchau, ein Renaissanceschloss im westsächsischen Glauchau
Das Renaissanceschloss Hinterglauchau beherbergt das Museum und die Kunstsammlung. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Mehr Informationen zum Museum

Museum Schloss Hinterglauchau
Schlossplatz 5a, 08371 Glauchau

Öffnungszeiten:
Montag und Dienstag geschlossen
Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 4 Euro
Für Kinder bis 16 Jahre ist der Eintritt frei.

Führungen:
Schlossführungen sind möglich und kosten 30 Euro zuzüglich Eintritt. Eine Kinderführung kostet 15 Euro.

Quelle: MDR Sachsen (Andreas Berger)
Redaktionelle Bearbeitung: as

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Aufgefallen - Das Kulturmagazin | 27. Mai 2024 | 20:00 Uhr

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