"Stadtgespräch" Dialog in Meiningen über Corona-Politik, Proteste und Respekt

Die Corona-Krise hat Meinungsverschiedenheiten verstärkt und Menschen auseinandergetrieben. Um verhärtete Fronten aufzuweichen, wurde am Samstag in Meiningen zum "Stadtgespräch" eingeladen. Organisiert wurde es gemeinsam von Vertretern der Stadt und Teilnehmern der Proteste.

Dutzende Menschen sitzen an Tischen beisammen.
Dutzende Menschen nahmen am Wochenende das Angebot zum Dialog in Meiningen an. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Nicht übereinander, sondern miteinander reden. Das war das Anliegen der Organisatoren des ersten Meininger "Stadtgesprächs". Anders als bisher ging das Gesprächsangebot nicht nur von einer Seite aus. Im Organisationsteam für die Veranstaltung waren zu gleichen Teilen sogenannte Spaziergänger und Menschen aus Stadtpolitik und Öffentlichkeit, die die aktuellen Proteste kritisch sehen. Knapp 100 Menschen waren der Einladung zum Meinungsaustausch am Samstag ins Meininger Volkshaus gefolgt.

Corona-Politik als zentrales Thema

Die Stimmung war überraschend friedlich. Diskutiert wurde in kleinen Gruppen. Am Eingang musste jeder eine Tischnummer ziehen, so dass sich die Gesprächsrunden zufällig ergaben. In vielen Gruppen kamen rasch die Themen Corona-Politik und einrichtungsbezogene Impfpflicht auf den Tisch.

Ein Blatt mit Wünschen liegt auf einem Tisch.
Im Gespräch miteinander bleiben: Einer von vielen Wünschen und Hoffnungen in Meiningen. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Handeln kritisch hinterfragen

Auf Seiten der Corona- und Regierungskritiker war das Bedürfnis nach Aufarbeitung zu spüren. Politische Verantwortungsträger müssten ihr damaliges Handeln kritisch hinterfragen und Fehler einräumen, so die Meinung einer Teilnehmerin. Neben der Corona-Politik waren auch die mediale Berichterstattung im Allgemeinen und das Vertrauen in die Politik Gegenstand vieler Gespräche.

In einigen Runden wurde die Zeit auch genutzt, um sich mit den Mitbürgern über andere kommunalpolitische Themen auszutauschen. Welche Verkehrsprobleme gibt es in der Stadt? Wie ist die gesundheitliche Versorgung? Wie kann die Innenstadt lebendig gehalten werden?

Respektvolles Miteinander

Gleichwohl sehr unterschiedliche Sichtweisen aufeinanderprallten, blieb die Atmosphäre durchweg respektvoll. Zuhören, aussprechen lassen, den Gegenüber mit seiner Meinung ernst nehmen, all das schien eine Selbstverständlichkeit. Auch gegenüber anwesenden Medienvertretern war eine große Offenheit zu spüren. Die Pause wurde mit einer gemeinsamen Brotzeit begangen. Dazu hatten Teilnehmer selbst gemachte Marmelade, Bärlauch-Dip und Guacamole mitgebracht. Trommeln, Trillerpfeifen und "Friede, Freiheit, keine Diktatur"-Rufe schienen am Büfett weit weg.

Teilnehmer ziehen positivem Fazit

Auch wenn sich die Meinungsverschiedenheiten während der Gespräche nicht in Luft aufgelöst haben, schien das gegenseitige Verständnis am Ende der Veranstaltung gewachsen zu sein. Auch entstand Raum, um konkrete Wünsche zu formulieren. Eine Teilnehmerin bat die Demonstranten darum, künftig auf Trillerpfeifen und Trommeln zu verzichten.

Die Demonstranten wiederum verlangten nach einem differenzierten Blick. Die Teilnehmer an den Protesten dürften nicht pauschal "in die rechte Ecke" gestellt werden, so die Forderung. Zumal sich viele ehemalige Demonstrationsteilnehmer von den "Montagsspaziergängen" abgewandt hätten, seitdem auch Rechtsextreme mitliefen.

In einem Punkt waren sich viele am Ende sogar vollkommen einig: Ein solches Stadtgespräch dürfe gerne öfters stattfinden. Das Ziel der Organisatoren, die verhärteten Fronten in der Stadt aufzuweichen, scheint mit dem ersten Meininger Stadtgespräch also erreicht worden zu sein.

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MDR (med, mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 03. Dezember 2022 | 18:20 Uhr

116 Kommentare

kleiner.klaus77 vor 8 Wochen

Können Sie auch Ihre unbelegten Tatsachenbehauptungen beweisen:
1. Welche Statistik meinen Sie konkret?
2. In welcher Stadt in südostthüringen sind stadtbekannte Neonazis mit den antikorona-demos mitgelaufen?

Taus RanderS vor 8 Wochen

@Bettina.Weber
Aus eigener ITS-Erfahrung und Statistik im von mir überblickten Klinikum: Ungeimpfte waren in der Welle ab September '21 die starke Mehrheit der ITS-Patienten und ITS-Toten. Andere Patienten starben, weil es im Umkreis von 200 km keine ITS-Betten mehr gab. Die Impfung schützte damals (Delta-Variante) also die Geimpften überwiegend vor ITS-Verlauf und die Non-Covid-Patienten vor Unterversorgung.

@OOOO
Selbst 2x erlebt bei Demos in Südostthüringen: offenes Auftreten von stadtbekannten Nazis oder solchen mit rechtsorientierter Dekoration ohne Distanzierung der Veranstalter oder Demonstranten.
Habe mir 1x ein Bild machen wollen und war 1x beruflich involviert.

Wessi vor 8 Wochen

Das ist einfach falsch @ Dermbacherin...auch auf NDR Info sind in der Sendung "Redezeit"+an anderen Sendeplätzen Maßnahmen-Kritiker mehrfach zu Wort gekommen.Aber Sie sagten ja auch "mir bekannt".Und die Kritiker mussten sich dann auch Gegenrede anhören...!

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