Obdach- und Wohnungslosigkeit in Halle
Der Leiter der Wärmestube in Halle, Heiko Wünsch, kennt die Probleme bei Wohnungslositkeit – und weiß, welche Unterstützung wichtig ist. Bildrechte: Anne Sailer

Bedarf deutlich gestiegen Wärmestube und Hilfe-Lotsen: Diese Projekte helfen wohnungslosen Menschen in Halle

16. Oktober 2023, 17:00 Uhr

Die Wärmestube in Halle unterstützt Menschen in prekären Lebenslagen: Mit einer Dusche, einer Mahlzeit oder einem Internetanschluss. Neben ihr gibt es weitere Projekte, die unbürokratisch helfen. Sie alle stellen fest: Während Obdachlosigkeit in der Stadt zuletzt nicht zugenommen hat, ist wohnungslos zu sein, ein wachsendes Problem. Viele Menschen wissen nicht, wohin sie sich wenden können. Um sie zu unterstützen, sind Stadt und freie Träger gut vernetzt und suchen nach neuen Möglichkeiten.

In der Evangelischen Stadtmission hängt eine Weltkarte. Kleine Fähnchen markieren die Orte, aus denen Hilfe suchende Menschen sich an die Evangelische Stadtmission in Halle wenden. Diese bietet Hilfe in allen Lebenslagen, bei Geldnot, Sucht-Erkrankungen. Sie hilft mit Ämtern oder einfach mit warmer Kleidung und Essen.

Obdach- und Wohnungslosigkeit in Halle
Die Weltkarte der Evangelischen Stadtmission zeigt, woher bedürftige Menschen in Halle kommen. Bildrechte: Anne Sailer

Bedarf für Beratung bei der Stadtmission Halle ist deutlich gestiegen

Heiko Wünsch leitet die Wärmestube der Stadtmission. Er sagt, im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren sei der Bedarf an Beratungsangeboten um 50 Prozent angestiegen. Dabei betreut die Einrichtung nicht nur Obdachlose, erklärt Wünsch: "Es gibt auch wohnungslose Menschen, die keine eigene Wohnung haben, aber nicht auf der Straße schlafen, sondern bei Bekannten oder Verwandten."

Viele von ihnen würden aus europäischen Ländern kommen und in Deutschland arbeiten, aber durchs soziale Netz fallen. Für diese Menschen gibt es in der Stadtmission zum Beispiel eine Melde-Adresse, über die sie für Behörden oder ihren Arbeitgeber erreichbar sind.

Obdach- und Wohnungslosigkeit in Halle
Heiko Wünsch leitet die Wärmestube der Evangelischen Stadtmission in Halle. Bildrechte: Anne Sailer

Vieles geht nur noch online

Bei der Evangelischen Stadtmission können sie außerdem Wäsche waschen, sich duschen oder das Internet nutzen. Hilfe bei der Ausfüllung von Formularen und der Erbringung von Dokumenten werden laut Wünsch auch oft angefragt.

Hinzu komme, dass viele Behörden nur noch Online-Anträge anbieten oder über das Internet Termine vergeben, bedürftige Personen aber oft gar kein Internet haben. "Dafür sind wir dann da", sagt Wünsch.

Diakonie-Sprecher: "Obdachlosigkeit ist in Halle kein Problem"

Auch wenn immer mehr Menschen unbürokratische Hilfe benötigen: "Obdachlosigkeit ist in Halle kein Problem", bestätigt der Sprecher der Diakonie, Frieder Weigmann, dem MDR. Dem pflichtet ein Stadtsprecher bei. Im Haus der Wohnhilfe sind derzeit im Durchschnitt 110 Personen im Wohnbereich und 17 Personen im Notquartier untergebracht. Gegenwärtig stehen 43 freie Plätze zur Verfügung. Zudem hält die Stadt rund 20 Wohnungen für Familien nach Wohnungs-Verlust vor.

Viele Angebote können genutzt werden

Obdach- und Wohnungslosigkeit in Halle
Das Projekt "Hal-Lo" bietet schnelle Hilfe. Bildrechte: Anne Sailer

Die Freien Träger, private Initiativen wie der Bus "Vier Jahreszeiten" und die Stadt selbst sind in Halle gut vernetzt. Alle arbeiten zusammen. Mit "Hal-Lo", den "Halleschen (Hilfe)-Lotsen", gibt es zudem eine "schnelle Eingreiftruppe", erklärt Heiko Wünsch von der Stadtmission. Diese würden in Fällen unterstützen, in denen Bürgerinnen und Bürger unsicher sind, wo es Hilfe gibt.

In den Stadtrat soll zudem ein Modellprojekt eingebracht werden. Es nennt sich "Housing first" und ist bereits in Leipzig und Magdeburg erfolgreich. Die Idee: Zuerst bekommen die Menschen eine Unterkunft, dann andere Lebenshilfen. Allen kann geholfen werden, vorausgesetzt, sie sind mit der Unterstützung einverstanden.  

MDR (Anne Sailer, Maren Wilczek)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 16. Oktober 2023 | 11:20 Uhr

6 Kommentare

Thommi Tulpe vor 32 Wochen

Die Politik baut sehr sicher keine Wohnungen - hat dieses nie getan.
Die Politik kann nur Bedingungen schaffen, dass Wohnungen zu für jenen, der diese Wohnungen eben baut, zu für ihn akzeptablen Rahmenbedingungen geschehen kann. Und in diesem Punkt versagt die Politik seit Jahrzehnten.

Thommi Tulpe vor 32 Wochen

Was wollen Sie von jemandem fordern, der nichts mehr hat?
Es wäre sicherlich für den argumentativen Inhalt Ihrer "Kommentare" sehr förderlich, wenn Sie sich mit den Materien, die Sie "kommentieren", ernsthaft beschäftigen würden. Im Interesse hier Mitlesender würde ich das von Ihnen fordern.

steka vor 32 Wochen

Wie wärs denn auch mal aus spekulativen Gründen leerstehende und verfallende Wohnblöcke zu beschlagnahmen oder zwangszu versteigern und wieder Wohnungssuchenden zur Verfügung zu stellen.

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