Eine Frau in Schutzkleidung hält in einem Automatisierungslabor einen Test-Wafer
In Magdeburg werden bei Intel viele Mikrotechnologinnen und -technologen gebraucht werden. (Symbolbild) Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert

Fachkräfte Diese Fachkräfte wird Intel in Magdeburg brauchen

14. August 2023, 18:00 Uhr

Zum Start der Chipproduktion bei Intel werden in der Produktion 3.000 Fachkräfte gebraucht. In der Fabrik werden viele Mikrotechnologen ausgebildet werden. Bisher gibt es nur wenige Fachkräfte für diesen Beruf. Intel setzt auch auf Quereinsteiger aus Handwerk und Industrie.

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Derzeit werden in Magdeburg pro Jahr zwei bis drei Mikrotechnologen ausgebildet. Der Ausbildungsbetrieb heißt hier Otto-von-Guericke-Universität. Das ist allerdings mit einigem Aufwand verbunden, denn die Berufsschule befindet sich in Schleswig-Holstein. Bis zum Start der Chipproduktion muss sich die Zahl der Mikrotechnologen in Magdeburg vertausendfacht haben.

Das ist für Intel allerdings keine ganz neue Erfahrung, erklärt Bernd Holthaus, Personaldirektor von Intel Deutschland für den Standort Magdeburg: "Wenn wir an andere Standorte von Intel schauen, nach Irland oder Israel, dann war es dort ähnlich. Nirgendwo gab es in dieser Anzahl Mikrotechnologen. Das heißt, man musste die Menschen qualifizieren."

Herausforderung für Berufsschulen

Allerdings betritt Intel mit dem Schritt nach Magdeburg nicht nur geographisch Neuland, sondern auch in der Berufsausbildung, denn erstmals trifft das Unternehmen auf das Konzept der dualen Berufsausbildung, also der Verbindung von praktischem Lernen im Unternehmen und einer theoretischen Ausbildung in Berufsschulen.

Stefanie Klemmt ist Geschäftsführerin Berufsbildung bei der IHK Magdeburg und damit auch zuständig für die Ausbildung von Mikrotechnologen. Seit über einem Jahr laufen die Vorbereitungen in teils wöchentlichen Sitzungen, um die Berufsausbildung möglichst schnell zu organisieren.

Stefanie Klemmt sagt: "Unser gemeinsames Ziel ist es, einen Ausbildungsverbund Mikrotechnologie ins Leben zu rufen. Drei Jahre dauert die Ausbildung, die erstmal an der Berufsbildenden Schule in Magdeburg starten wird." Aber auch weitere Standorte wie etwa Halle sollen in die Ausbildung einbezogen werden.

Seiteneinsteiger erwünscht

Intel selbst ist Teil der Ausbildungsoffensive, setzt aber darüber hinaus auch auf Menschen aus anderen technischen Bereichen, möglichst mit industriellen Vorkenntnissen, so Bernd Holthaus: "Sei es im Bereich Elektrik, Elektronik oder Automatisierung. Aber auch Kfz-Mechatronik oder andere industrielle Berufe in der Fertigung sind durchaus Qualifikationen, die wir berücksichtigen."

Allerdings muss sich niemand die Hände bei der Arbeit schmutzig machen, denn der Herstellungsprozess von Halbleitern verträgt kein Stäubchen. Arbeiten im Reinraum heißt vor allem Prozesse steuern und überwachen. Wer gerne hämmert, sägt oder bohrt, wird hier kaum Erfüllung im Job finden. Allenfalls bei der Wartung der Anlagen werden dann Dinge auch mal angefasst.

Produktionsprozess ohne Leiharbeit

Der komplexe Herstellungsprozess erfordert, dass die Maschinen kontinuierlich laufen, was Schichtarbeit zu Folge hat, auch an Sonn- und Feiertagen.

Und anders als in der Automobilindustrie wird in der Produktion nicht auf Leiharbeiter zurück gegriffen, erklärt Bernd Holthaus: "Wir setzen ausnahmslos auf festangestellte Mitarbeiter, dort wo die Kernkompetenz von Intel ist. Das, was wir nicht so gut können, wie zum Beispiel die Kantine, das übernehmen Dienstleister für uns."

Doch zugleich ist klar, dass Intel nicht nur in der Region nach Personal sucht. Denn neben den Fachkräften im Reinraum werden jede Menge weitere Spezialisten für den Betrieb nötig sein, aus den Bereichen Physik, Chemie oder Verfahrenstechnik. "Wir werden für Intel einen starken Zuzug benötigen. Aus dem Umland, aus dem Bundesgebiet oder auch international, um diese Fabrik an den Start zu bekommen. Das ist ohne Zweifel."

Ausbildung schon ab 2024?

Nach derzeitigen Planungen könnte die erste Ausbildungsklasse der Mikrotechnologen mit dem nächsten Lehrjahr in Magdeburg beginnen. Bis dahin dürfte es allerdings unmöglich sein, hier vor Ort eine betriebliche Ausbildung zu ermöglichen.

Die soll stattdessen blockweise in Dublin stattfinden, wo ja Intel bereits eine große Chipfabrik betreibt, erklärt Stefanie Klemmt von der IHK Magdeburg: "Da ist ein Auslandsaufenthalt geplant, damit die Auszubildenden den Produktionsprozess vor Ort live erleben können." Allerdings gibt es eine Einschränkung, denn wegen des Auslandsaufenthalts müssen die Interessenten bereits volljährig sein, wenn sie sich für die Ausbildung entscheiden.

Ab nächstem Frühjahr will auch Intel selbst gezielt mit Angeboten im Netz nach neuen Mitarbeitern für den Standort Magdeburg suchen.

Probleme bei der Nachwuchsgewinnung

Einst, als Magdeburg noch den Beinamen Stadt des Schwermaschinenbaus trug, war es nicht selten, dass der Beruf des Schmieds, des Gießers oder Formmachers in der Familie vererbt wurde. Bei der Ansiedlung einer neuen Branche gibt es diesen Standortvorteil nicht.

Hinzu kommt, dass auch Klassiker der Nachwuchsgewinnung wie zum Beispiel Betriebsbesichtigungen nicht möglich sind, erklärt Stefanie Klemmt: "So etwas wie einen Tag der offenen Tür wird es nicht geben. Nach dem Motto, mach da mal probehalber ein Stück an der Werkbank. Das funktioniert natürlich in diesen hochtechnologisierten Prozessen nicht. Da kann man keinen reinlassen, da kann man auch nichts ausprobieren."

Dennoch wird Intel in den nächsten Jahren auch verstärkt in den Schulen der Region präsent sein. Da nun auch der taiwanesische Chiphersteller TSMC angekündigt hat, in Dresden eine neue Chipfabrik bauen zu wollen, dürfte das Thema Personal in der Region noch um einiges wichtiger werden. In einer unmittelbaren Konkurrenz sieht man sich aber offensichtlich nicht, denn man habe sich über das Thema Ausbildung umfangreich auch in Dresden informiert, so Stefanie Klemmt.

Gemeinsam mit den Kollegen aus Sachsen plane man nun, die Ausbildung zum Mikrotechnologen zu modernisieren. Nach Angaben des Jobportals Stepstone verdient ein Mikrotechnologe in Dresden im Durchschnitt rund 36.000 Euro jährlich. Für Magdeburg gibt es noch keine Zahlen.

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MDR (Uli Wittstock,Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. August 2023 | 12:00 Uhr

50 Kommentare

Mediator vor 48 Wochen

Steile Behauptung ohne die Spur eines Beleges.
Es geht hier um hochwertige Arbeitsplätze und nicht ums Regal einräumen im Supermarkt. Sie wissen schon was Intel herstellt?

Mediator vor 48 Wochen

@Mustermann
Na und?
Warum soll einer aus dem Handwerk nicht den Job wechseln, wenn der für ihn attraktiver ist? Wir sind ein freies Land und da bestimmt gottseidank keine SED mehr wer was zu werden hat weil irgendwo ein Mangel herrscht.

Vielleicht kann ja einer aus der jammernden Braunkohlebranche in den Bereich von Intel wechseln, aber da sind ja gar nicht so viele Menschen beshcäftigt und viele haben wohl auch keinen Bock auf ihre letzten BErufsjahre noch mal umzuschulen.

Mediator vor 48 Wochen

@DanielSBK:
Da muss ich Stellvertretende für den angesprochenen User herzlich lachen.
Sie interessieren sich doch in der Regel nicht mal für ihr Geschwätz vom Vortag und bedienen wechselseitig Untergangsnarrative um Ostdeutschland besonders schlecht aussehen zu lassen, damit ihre blaubraune Alternative weitere Ängstliche und Veränderungsunwillige einsammeln kann. Mal finden sich für INTEL nicht die benötigten Fachkräfte, dann will Intel angeblich gar keine Fachkräfte einstellen und an anderer Stelle soll gar das ganze Land angeblich deindustrialisiert werden.

Die Größenordnung der Investitionen für Magdeburg steht fest und damit auch, was dies in Stellen ausgedrückt grob bedeutet. Komisch, dass sie angeblich immer genau wissen wie viele Stellen wegfallen wenn man irgendeiner Uraltindustrie wie die Braunkohle abwickelt, sich aber dumm und skeptisch stellen, wenn eine Zukunftsindustrie entsteht.

PS: So einen Schmarrn auf BD abspeichern? Nicht ihr Ernst!

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