Haseloff 1 min
Der Computerchip-Hersteller Intel wird nun doch definitiv seine neue Fabrik in Magdeburg bauen. Ausschlaggebend dafür waren wohl 9,9 Milliarden Euro an Subventionszusagen von staatlicher Seite. Ministerpräsident Reiner Haseloff zum Termin am Montag. Bildrechte: MDR

Fördervertrag unterzeichnet Zusätzliche Milliarden für Intel könnten aus Klimafonds kommen

21. Juni 2023, 10:11 Uhr

Die Intel-Fabrik in Magdeburg wird kommen. Nach zum Teil zähen Verhandlungen haben sich Konzernchef Gelsinger und die Bundesregierung über die Fördersumme von fast zehn Milliarden geeinigt. Am Montag (19. Juni) wurde der Subventionsvertrag unterzeichnet. Wirtschaftsminister Habeck lobt die Einigung.

Die Bundesregierung und der US-amerikanische Chiphersteller Intel haben am Montag in Berlin einen Vertrag über die Förderung einer Chipfabrik in Magdeburg unterzeichnet. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT unterstützt der Bund die Ansiedlung mit 9,9 Milliarden Euro. Die Aufstockung der ursprünglich geplanten Fördersumme muss von der EU-Kommission noch genehmigt werden.

Eine Computergrafik zeigt die in Magdeburg geplante Chipfabrik des US-Konzerns Intel.
Bildrechte: picture alliance/dpa/Intel Corporation

Bund erhöht Fördersumme für Intel-Ansiedlung

Das Handelsblatt hatte vergangene Woche berichtet, dass der Bund die Ansiedlung des Tech-Unternehmens mit 9,9 statt der ursprünglich in Aussicht gestellten 6,8 Milliarden Euro fördern will. Demnach investiert Intel einschließlich staatlicher Hilfen damit mehr als 30 Milliarden Euro. Als Grund für die zusätzlichen Fördermittel wird auf gestiegene Energie- und Rohstoffpreise verwiesen.

Intel-Chef Pat Gelsinger im Interview in Berlin 9 min
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9 min

Bundesregierung und US-Chiphersteller Intel haben am Montag einen Fördervertrag über 9,9 Milliarden Euro unterzeichnet. Intel-Chef Gelsinger zeigte sich im MDR-Interview hoch erfreut. Hier das Gespräch in voller Länge.

MDR S-ANHALT Mi 21.06.2023 15:04Uhr 08:35 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/video-intel-gelsinger-unterschrift-foerderung-interview-102.html

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Geld könnte aus Klimafonds kommen

Woher die zusätzlichen Fördermilliarden kommen sollen, ist noch unklar. In der Bundesregierung hatte sich vor allem Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) für die höheren Subventionen eingesetzt. Finanzminister Christian Lindner (FDP) betonte mehrfach, im Bundeshaushalt sei kein Geld mehr vorhanden.

Es gilt daher als wahrscheinlich, dass die Mittel nicht aus dem regulären Etat, sondern aus einem Sondertopf kommen. Dabei handelt es sich nach dpa-Informationen um den Klima- und Transformationsfonds, aus dem die Bundesregierung Projekte für mehr Klimaschutz und die Transformation der Wirtschaft bezahlt. Aus dem gleichen Topf sollen allerdings auch Fördermittel für den beschlossenen Heizungstausch und andere Projekte gestemmt werden.

Bundeskanzler Scholz: Größte ausländische Direktinvestition

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach laut einer Intel-Mitteilung von einem wichtigen Schritt für den Hightech-Produktionsstandort Deutschland. Intels Halbleiter-Produktion in Magdeburg sei die größte ausländische Direktinvestition in der deutschen Geschichte.

Mit dieser Investition schließen wir technologisch zur Weltspitze auf und erweitern unsere eigenen Kapazitäten für die Ökosystementwicklung und Produktion von Mikrochips.

Olaf Scholz, SPD Bundeskanzler

Produktion in Magdeburg soll 2027 oder 2028 starten

Intel-Chef Pat Gelsinger dankte der Bundesregierung, dem Bundeskanzler und der Regierung von Sachsen-Anhalt "für ihre Partnerschaft und ihr gemeinsames Engagement bei der Verwirklichung der Vision einer lebendigen, nachhaltigen und führenden Halbleiterindustrie in Deutschland und der EU."

In vier bis fünf Jahren will Intel nach eigenen Angaben mit seiner Produktion in Magdeburg beginnen. In einer ersten Ausbaustufe sollen zwei Halbleiterwerke gebaut werden, mehrere Tausend Arbeitsplätze könnten entstehen. Außerdem ist ein High-Tech-Park für die Ansiedlung von Zulieferern geplant.

Dank von Ministerpräsident Haseloff und Magdeburgs OB Borris

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) dankte dem Bund für die Förderzusage zur Realisierung der Intel-Ansiedlung. "Heute ist ein guter Tag für Magdeburg und für Deutschland", so Haseloff. Nun hoffe er auf eine schnelle Umsetzung des Vorhabens. Sachsen-Anhalt werde dazu weiter seinen Beitrag leisten. Auch Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) bedankte sich bei der Bundesregierung. Sie sieht in der Förderung auch einen Vertrauensbeweis in den Standort Magdeburg. "Der heutige Abschluss der Verhandlungen zwischen dem Bund und Intel ist ein Meilenstein für die geplante Ansiedlung des Mikrochip-Herstellers in Magdeburg", sagte Borris.

Ostbeauftragter: entscheidender Impuls für Magdeburg

Zwei Männer im Gespräch
Der Ostbeauftrage Schneider (rechts) im Gespräch mit Intel-Chef Gelsinger (links). Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), hat angekündigt, dass nun die wirtschaftspolitische Landkarte Deutschlands neu gezeichnet werde. Ostdeutschland habe in den vergangenen 30 Jahren unfassbar viel geleistet und nun komme die Zeit der Ernte, sagte Schneider MDR SACHSEN-ANHALT. Ostdeutschland zeichne sich durch exzellente Arbeitnehmer aus, es stünden genügend grüne Energie und Flächen zur Verfügung. Schneider geht von einem entscheidenden Impuls für die Region Magdeburg aus. Nicht nur viele Arbeitsplätze bei Zulieferern würden entstehen, auch der Forschungsstandort mit der Otto-von-Guericke-Universität werde profitieren. "Es wird dieser Stadt, die doch schwer gelitten hat in den letzten Jahrzehnten unter dem Niedergang der Schwerindustrie, noch mal einen ganz neuen Aufbruch geben", so Schneider.

Wirtschaftsminister Habeck begrüßt Entscheidung

"Die Verständigung mit Intel ist ein großer Erfolg und eine starke Investition in die Zukunft", so Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Die Investition zeige, wie hoch attraktiv der Standort Deutschland sei. "Wir spielen im globalen Wettbewerb vorn mit und sichern nachhaltige und qualifizierte Arbeitsplätze und Wertschöpfung."

Kritik an der Vereinbarung kommt vom Präsidenten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung München (Ifo) Clemens Fuest. Er hält die milliardenschweren Subventionen für die Intel-Ansiedlung in Magdeburg für "fragwürdig". "Lieferrisiken gibt es bei vielen Produkten, das gehört zum normalen Geschäftsleben", sagte Fuest.

Staat übernimmt Aufgaben von Unternehmen

Die Absicherung mit Halbleitern sei in erster Linie Aufgabe der Unternehmen und nicht des Staates. "Darüber hinaus ist nicht klar, was genau in Magdeburg produziert wird, ob es die Chips sind, die Deutschland oder Europa brauchen und an wen diese Chips im Krisenfall geliefert werden", kritisierte Fuest.

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Intel-Chef Pat Gelsinger im Interview in Berlin 9 min
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Bundesregierung und US-Chiphersteller Intel haben am Montag einen Fördervertrag über 9,9 Milliarden Euro unterzeichnet. Intel-Chef Gelsinger zeigte sich im MDR-Interview hoch erfreut. Hier das Gespräch in voller Länge.

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reuters, MDR (Sebastian Mantei, Max Schörm, Fabienne von der Eltz) | zuerst veröffentlicht 18.06.2023

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. Juni 2023 | 16:00 Uhr

168 Kommentare

Troll vor 35 Wochen

Wer profitiert denn am Ende von diesen Subventionen? Die Aktionäre von Intel. Magdeburg war schon vor der Intel Ansiedlung kein schlechter Standort und so wird das Geld an einen Ort investiert, der es eigentlich nicht nötig hat. Schließlich landet dort schon genug unberechtigte Geld durch die Landesregierung.

Jana vor 35 Wochen

@Shantuma:
BASF strukturiert aktuell um und baut trotzdem den Konzern aus. Der Totalverlust der eigenen Investitionen in Russland muss auch erst einmal weggesteckt werden.

In China werden z.B. 10 Mrd investiert und auch in Deutschland redet man nicht wirklich von Entlassungen, sondern davon, dass man Stellen teilweise einfach nicht nachbesetzt.

Sorry, aber da wo man im Osten herumheult, wenn irgendwo Arbeitsplätze über 2 Jahrzehnte wie in der Braunkohle abgebaut werden müssen, ist man es im Westen gewohnt, dass von Jetzt auf Gleich Standortentscheidungen ohne staatliches Subventionspolster tausende Stellen in einer Region wegrationalisieren. Unternehmen wachsen und schrumpfen, aber wenn man sich die vergangenen Jahrzehnte anschaut, dann zeigte die Kurve am Ende immer nach oben und endete nicht olötzlich wie bei der DDR nach einem steilen Abschwung.

Jana vor 35 Wochen

@Goldloeckchen
Da nenne ich sie doch glatt mal einen LÜGNER:
Denken sie die deutsche Automobilindustrie kann ihre Umsätze in einem Nischenmarkt erzielen?

Wenn man die großen Absatzmärkte der deutschen Automobilindustrie betrachtet dann ist in der EU ein Verbrenneraus beschlossen, China hat 2040 für das Aus angepeilt und in den USA sind Flottengrenzwerte beshclossen worden, die nur bei einem Elektroanteil von ca. 67% erreicht werden können.

Wir leben nicht mehr in der DDR, wo man froh war irgendwa szu produzieren, egal ob die Leute das wollten oder nicht.

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