Landratsamt Saale-Orla-Kreis CDU-Kandidat Herrgott gewinnt gegen AfD-Kandidaten Thrum

29. Januar 2024, 08:21 Uhr

Christian Herrgott wird neuer Landrat im Saale-Orla-Kreis. Der CDU-Mann gewann in der Stichwahl gegen Uwe Thrum von der AfD. Beide Kandidaten lieferten sich am Sonntagabend lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Christian Herrgott wird neuer Landrat im Saale-Orla-Kreis. Er erhielt am Sonntag in der Stichwahl nach dem vorläufigen Endergebnis 52,4 Prozent der Stimmen. Uwe Thrum von der AfD lag mit 47,6 Prozent der Stimmen knapp dahinter.

Der AfD-Landtagsabgeordnete war mit deutlichem Vorsprung in die Stichwahl gegangen. Er hatte auf das bundesweit zweite AfD-Landratsamt nach Robert Sesselmann im Kreis Sonneberg gehofft. Der 39-jährige Herrgott ist Generalsekretär der Thüringer CDU und sitzt seit 2014 im Landtag. Zudem ist er in ehrenamtlicher Funktion Erster Beigeordneter des Landrates im Saale-Orla-Kreis. Sein erster Arbeitstag als neuer Landrat ist am 9. Februar vorgesehen.

Über was ein Landrat überhaupt entscheiden kann und über was nicht, lesen Sie in diesem Beitrag: Wie viel Macht hat ein Landrat in Thüringen?

Gewählt wurde in einer Stichwahl, weil keiner der vier Kandidaten im ersten Wahlgang vor zwei Wochen mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen erreicht hatte. Nach dem ersten Wahlgang hatten die anderen Kandidaten von Die Linke und SPD aufgerufen, die Stimme in der Stichwahl für die CDU abzugeben. Am Ende lag Christian Herrgott von der CDU laut vorläufigem amtlichen Endergebnis knapp 2.000 Stimmen vorne.

Noch höhere Wahlbeteiligung im Saale-Orla-Kreis

Die Wahlbeteiligung war mit 68,6 Prozent für eine Kommunalwahl ungewöhnlich hoch und sogar noch etwas höher als im ersten Wahlgang vor zwei Wochen. Dies hatten Experten nicht erwartet. Bei der vergangenen Landratswahl im Saale-Orla-Kreis nahmen 2018 lediglich 33,2 Prozent der Wahlbeteiligten teil.

Insgesamt waren im Saale-Orla-Kreis mehr als 66.000 Menschen wahlberechtigt. Der bisherige Amtsinhaber Thomas Fügmann (CDU) durfte aus Altersgründen nicht mehr antreten. Er war zwölf Jahre lang Landrat im Saale-Orla-Kreis. Wenn Herrgott sein Landtags-Mandat zurückgibt, wäre laut CDU-Landesliste die frühere Landtags-Präsidentin Birgit Diezel erste Nachrückerin gewesen. Doch Diezel, die auch gegenwärtig Vorsitzende des MDR-Verwaltungsrats ist, hat abgelehnt.

Christian Herrgott und Uwe Thrum schütteln sich die Hände.
Verlierer und Sieger: Uwe Thrum (AfD/links) und Christian Herrgott (CDU) Bildrechte: MDR/Uwe Kelm

Kopf-an-Kopf-Rennen mit wechselnder Führung

Der Auszählungsverlauf brachte anfangs ein äußerst knappes Kopf-an-Kopf-Rennen mit wechselnder Führung: Zunächst lag nach den allerersten Zahlen Herrgott vorne, ab 18:09 Uhr dann Thrum. Um 18:23 Uhr ergab die Auszählung 50:50-Prozent mit noch einigen Stimmen Vorsprung für Thrum. Ab 18:26 Uhr lag Herrgott vorne und gab die Führung nicht mehr ab. Mit Auszählungsstand 18:49 Uhr hatte er dann erstmals mehr als 1.000 Stimmen Vorsprung.

Eine Menschenmenge bei der Stichwahl im Saale-Orla-Kreis
Spannung am Sonntagabend im Schleizer Landratsamt. Wiederholt hatten dort Begleiter von Thrum Sprechchöre für ihren Kandidaten angestimmt. Bildrechte: MDR/Uwe Kelm

So reagieren Kandidaten und Parteien

Wahlsieger Herrgott bezeichnete die Wahlentscheidung als einen guten Start für Thüringen in das Wahljahr 2024. Die Wahlentscheidung sei von vielen bundespolitischen Themen überlagert gewesen. Der Saale-Orla-Kreis stehe vor wichtigen kommunalpolitischen Entscheidungen. Zudem liege vor ihm persönlich die große Aufgabe, die Menschen in dem Landkreis wieder zusammenzuführen.

AfD-Landeschef Björn Höcke machte die bundesweiten Entwicklungen für die Niederlage bei der Landratswahl verantwortlich. Der Erfolg von Thrum in der ersten Wahlrunde habe die Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf den Kreis gelegt, schrieb Höcke auf der Plattform X. "Und die gegnerischen Kräfte des ganzen Landes brauchte es, um in der Stichwahl das Blatt nochmal zu wenden."

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich erleichtert über den Ausgang der Wahl. "Herzlichen Glückwunsch an Christian Herrgott zur gewonnenen Landratswahl im Saale-Orla-Kreis", erklärte er. "Auf gute Zusammenarbeit und viel Kraft für die neue Aufgabe."

Linke und Grüne würdigen Zivilgesellschaft

CDU-Fraktions- und Landeschef Mario Voigt dankte den Wählern "für dieses starke Votum" und sprach von einem "guten und wichtigen Tag" für den Freistaat. "Gemeinsam im Bündnis mit den Bürgern haben wir die Kraft, die angebliche Alternative von Höcke zu schlagen", erklärte er.

SPD-Landeschef und Innenminister Maier erklärte, der Ausgang der Stichwahl sei "ein ganz wichtiger Erfolg". Die demokratischen Kräfte hätten auch im ländlichen Thüringen die Oberhand behalten.

Aus Sicht der Thüringer Linke-Landeschefin Ulrike Grosse-Röthig ist die Niederlage der AfD auch auf das Engagement der Zivilgesellschaft zurückzuführen. Zum Ausgang dieser Wahl habe maßgeblich das Engagement der Zivilgesellschaft, wie des Bündnisses "Dorfliebe für alle", beigetragen. Damit zeige sich im Saale-Orla-Kreis wie schon nach der Oberbürgermeisterwahl in Nordhausen, dass es einen Unterschied mache, wenn die Zivilgesellschaft sich entschieden in einen Kommunalwahlkampf einmische. Das Ergebnis dieser Landratswahl zeige, "dass eine Mehrheit in unserem Land doch keine Faschisten an den Schalthebeln der Macht will".

Die Thüringer Grünen gratulierten Herrgott zu seiner Wahl als Landrat. Landessprecherin Anne-Sophie Bohm sagte: "Meinen tiefen Respekt vor der Leistung der Zivilgesellschaft im Saale-Orla-Kreis". Das Demokratie-Bündnis "Dorfliebe für alle!" habe geschafft, womit nur noch wenige gerechnet hätten.

Wie hatten die Kandidaten im ersten Wahlgang abgeschnitten?

In der Stichwahl waren Uwe Thrum von der AfD, der in der ersten Runde auf 45,7 Prozent der Stimmen gekommen war, und Christian Herrgott von der CDU gegeneinander angetreten. Der Christdemokrat hatte im ersten Wahlgang 33,3 Prozent der Wählerstimmen bekommen. Die Thüringer AfD wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet. Die Abstimmung war mit Spannung erwartet worden, da es der AfD in den vergangenen Monaten gelungen war, vereinzelt kommunale Wahlen in Ostdeutschland zu gewinnen, etwa bei der Oberbürgermeisterwahl im sächsischen Pirna.

Uwe Thrum, Kandidat der AfD zur Stichwahl für die Landratswahl im Saale-Orla-Kreis, steht im Landratsamt und wartet auf die Bekanntgabe der Ergebnisse.
Uwe Thrum (AfD) verfehlte den Einzug in das Landratsamt in Schleiz Bildrechte: picture alliance/dpa | Bodo Schackow

Außerdem waren für die SPD die parteilose Regina Butz sowie für die Linkspartei angetreten. Butz vereinigte 14,2 Prozent der Stimmen auf sich, Kalich 6,9 Prozent. Eine Übersicht zu den Kandidaten gibt es auch hier.

Wer durfte wählen?

Wahlberechtigt waren Deutsche sowie alle weiteren Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, die am 14. Januar mindestens 16 Jahre waren und ihren Hauptwohnsitz seit mindestens drei Monaten im Saale-Orla-Kreis haben.

Wo wurden die Wahlergebnisse veröffentlicht?

Nach der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr wurden die Stimmen unmittelbar ausgezählt. Sobald ein Wahlbezirk sein Ergebnis meldete, wurde dieses an den Landeswahlleiter gemeldet und von diesem veröffentlicht. MDR.de übernahm diese Zahlen und veröffentlichte sie ebenfalls.

Wahlplakate von AfD und CDU hängen vor der Landratswahl im Saale-Orla-Kreis am 14. Januar am Straßenrand.
Bereits am Sonntag konnten die Stimmzettel ausgezählt werden, da nur zwei Kandidaten zur Wahl standen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Martin Schutt

Keine Prognose oder Hochrechnungen zur Landratswahl

Anders als bei Bundestags- und Landtagswahlen gab es keine Prognose, bei der durch Befragung von Wählern nach ihrer Stimmabgabe in ausgewählten Wahlbezirken ein repräsentativer Stand errechnet wird. Auch Hochrechnungen gab es nicht. Dort fließen etwa bei Bundestagswahlen im Laufe des Wahlabends auch die ausgezählten Ergebnisse mit ein.

Verfügbar waren Wahlergebnisse in den jeweils fertig ausgezählten Wahlbezirken, deren einzelne Ergebnisse aber erfahrungsgemäß nicht repräsentativ sind. Sie konnten vom Endergebnis deutlich abweichen, weil die Ergebnisse von Wahlbezirk zu Wahlbezirk sehr deutlich voneinander abweichen können. Die Auszählung der abgegebenen Stimmen war öffentlich, so schreibt es die Thüringer Kommunalwahlordnung vor.

Das amtliche Endergebnis wird am Mittwoch nach dem Wahlsonntag vorliegen. Dann tagt der Wahlausschuss.

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Mehr zur Landratswahl im Saale-Orla-Kreis

MDR (caf)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. Januar 2024 | 08:00 Uhr

363 Kommentare

MDR-Team vor 10 Wochen

Liebe User, wir schließen den Kommentarbereich unter diesem Artikel - weiter geht es unter dem neuen Artikel zu den Reaktionen auf die Wahl. https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/saale-orla/wahl-ergebnis-afd-cdu-reaktionen-100.html

Wessi vor 10 Wochen

Zu Ihrer Einschätzung @ faultier, passen die Zahlen der Demonstrierenden im Osten gar nicht.Und BSW wird der AfD auch noch Stimmen abnehmen. (siehe Verian-+INSA-Umfragen)

MalNachdenken vor 10 Wochen

Hallo Hobbykicker,
zur Wahl standen aber nicht "alle anderen Parteien", sondern zwei Kandidaten. Einer hat mehr Stimmen erhalten als der Andere.

So funktioniert das bei einer STICHWAHL.

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