Mensch mit Regeonbogenflaggen über die Schulten gelegt stehen auf dem Markplatz in Halle vor einer Bühne.
Schon 2022 wurde der CSD in Halle von tausenden Menschen besucht. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Cynthia Seidel

Vier Personen verletzt Staatsschutz ermittelt nach Angriff auf CSD-Teilnehmende in Halle

12. September 2023, 11:07 Uhr

Die Veranstalter des CSD in Halle verurteilen den Angriff auf vier Teilnehmende der Demo. Diese waren am späten Samstagabend von vier Männern angegriffen und verletzt worden, einer von ihnen schwer. Die Polizei und der Staatsschutz ermitteln. Schon während der Demo hatte es Störungen gegeben. Nach mehreren Angriffen auf CSD-Veranstaltungen will die Fraktion der Linken im Landtag im Innenausschuss diskutieren, wie die Polizei diese besser schützen kann.

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Nach dem Angriff auf vier Teilnehmende beim Christopher Street Day in Halle ermittelt der Staatsschutz der Polizei gegen einen 16- und einen 20-jährigen Mann aus Afghanistan. Die Personalien von acht weiteren Personen seien festgestellt worden, deren Tatbeteiligung aktuell noch geprüft werde, teilte die Polizei der Nachrichtenagentur epd mit.

Am Samstagabend hatte eine Gruppe von vier Männern die Personen angegriffen und verletzt. Eine 41-jährige Frau musste danach mit schweren Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Nach dem Angriff auf vier Teilnehmende des CSD in Halle zeigen sich die Veranstalter der Demonstration entsetzt.

CSD-Organisatoren fordern Unterstützung für Beratungsangebote

"Wir verurteilen diese Attacke auf das Schärfste", teilten Sprecher des Begegnungs- und Beratungszentrums "lebensart e.V." und der Aidshilfe Halle mit. Jeder queerfeindliche Übergriff sei einer zu viel und müsse verfolgt werden. Die Veranstalter bieten nach eigenen Angaben den Betroffenen und allen anderen Teilnehmenden des CSD Beratung an, um sie dabei zu unterstützen, mit dem Vorfall umzugehen.

Der Überfall zeige, dass die Gesellschaft noch lange nicht so offen sei, wie durch die Politik gern propagiert werde. Auch im Alltag würden queere Menschen Diskriminierung und Gewalt erfahren. Die Politik solle daher Bildungs- und Beratungsangebote unterstützen.

Polizei hat Ermittlungen gegen Angreifer aufgenommen

Nach Angaben der Polizei kam es im Bereich Schülershof zu dem Angriff. Die Täter haben die CSD-Gäste demnach zunächst beleidigt und dann mit Tritten und Schlägen attackiert. Eine 41 Jahre alte Frau sei dabei schwer verletzt worden, die weiteren drei Personen leicht. Darüber, wie es der Schwerverletzten zwei Tage nach der Tat ging, konnte die Polizei am Montag keine Angaben machen.

Einsatzkräfte konnten laut Polizei nach dem Angriff zwei der vier mutmaßlichen Angreifer stellen.

CDU fordert Krisengipfel nach Angriff auf CSD

Ob es sich bei der Tat um Hasskriminalität handelte, dazu machte die Polizei keine Angaben. Ein Sprecher erklärte, es werde wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung und der Beleidigung ermittelt.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Konstantin Pott zeigte sich bestürzt über die Attacke. Der Angriff und weitere Zwischenfälle zeigten, dass der CSD nichts an Aktualität eingebüßt habe.

Die CDU Halle forderte von Stadt, Polizei, Justiz und Migrantenorganisationen, einen Krisengipfel zum Thema Migranten- und Jugendkriminalität einzuberufen. Halle habe ein ungelöstes Problem mit Gewalt durch Migranten, erklärte der Kreisverband. In der Stadt hatte es in den vergangenen zwei Jahren mehrfach Gewalttaten durch Jugendliche gegeben. Die Zahl der Delikte war zuletzt zurückgegangen. Rund 25 Prozent der mutmaßlichen Täter hatten keinen deutschen Pass.

Tausende feiern und demonstrieren bei CSD in Halle

Beim Christopher Street Day am Samstag waren in Halle Tausende Menschen für die Interessen von homosexuellen und queeren Menschen auf die Straße gegangen. Nach Aussage der Veranstalter nahmen rund 4.000 Menschen an dem Umzug teil. Die Polizei sprach in der Spitze von rund 2.800 Teilnehmern.

Schon während der Demonstration kam es zu Störungen. Wie die Polizei mitteilte, fanden mehrere kleine Versammlungen statt, die sich gegen den CSD richteten. Zudem sei es immer wieder zu wechselseitigen Beleidigungen gekommen.

Grundsätzlich sei die Veranstaltung dennoch weitgehend friedlich abgelaufen, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Zunächst hatte die Polizei von einem grundsätzlich friedlichen Ablauf gesprochen. Die vier verletzten Personen waren erst am Sonntagnachmittag bekannt geworden.

Linke will Schutz von CSD-Demos im Innenausschuss debattieren

Die Veranstaltenden des CSD hatten sich nach eigenen Angaben vorab mit der Polizei für ein Sicherheitskonzept ausgetauscht. Schon im vergangenen Jahr war der CSD in Halle gestört worden. In Weißenfels im Burgenlandkreis hatte es im August Angriffe auf den CSD gegeben, der laut den Veranstaltenden nicht ausreichend durch die Polizei geschützt worden ist.

Die Linken-Landtagsabgeordnete Henriette Quade erklärte, der Angriff in Halle stehe in einer Reihe mit mehreren Attacken, Beleidigungen und Störversuchen gegen CSD-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt. Das sei auch ein Ausdruck der massiven LGBTIQ*-feindlichen Einstellungen in verschiedenen Spektren der Gesellschaft.

Der Innenausschuss des Landtags soll sich in seiner nächsten Sitzung am 21. September damit beschäftigen, wie CSD-Veranstaltungen geschützt werden. Das hatte die Fraktion der Linken in der vergangenen Woche beantragt. Der Antrag solle nun um den Vorfall in Halle erweitert werden, erklärte Quade.

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dpa, MDR (Hannes Leonard, Annekathrin Queck, Maren Wilczek, Christoph Dziedo), epd | erstmals veröffentlicht am 09.09.2023.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. September 2023 | 12:00 Uhr

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