Intel-Chef Pat Gelsinger im Interview in Berlin
Intel-Chef Pat Gelsinger beim Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT vor dem Kanzleramt in Berlin Bildrechte: MDR

Knapp zehn Milliarden vom Bund Intel-Chef Gelsinger: "Für jeden Euro der Regierung stecken wir zwei rein"

19. Juni 2023, 18:54 Uhr

Die Bundesregierung und der US-Chiphersteller Intel haben am Montag einen Fördervertrag über 9,9 Milliarden Euro unterzeichnet. Intel-Chef Gelsinger zeigte sich im MDR-Interview hoch erfreut. Kritik an den hohen staatlichen Subventionen wies er zurück. Er kündigte den baldigen Baustart an.

Nach der Unterzeichnung eines Fördervertrags über 9,9 Milliarden Euro hat Intel-Chef Pat Gelsinger am Montag einen baldigen Baustart für die geplante Chip-Fabrik in Magdeburg angekündigt. Noch Ende dieses Jahres oder Anfang des kommenden solle es losgehen, sagte Gelsinger MDR SACHSEN-ANHALT in Berlin vor dem Kanzleramt, wo die Verträge zwischen der Bundesregierung und dem US-Konzern kurz zuvor unterzeichnet worden waren.

Intel-Chef Pat Gelsinger im Interview in Berlin 9 min
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9 min

Bundesregierung und US-Chiphersteller Intel haben am Montag einen Fördervertrag über 9,9 Milliarden Euro unterzeichnet. Intel-Chef Gelsinger zeigte sich im MDR-Interview hoch erfreut. Hier das Gespräch in voller Länge.

MDR S-ANHALT Mi 21.06.2023 15:04Uhr 08:35 min

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Damit es Ende des Jahres losgehen kann, laufen die Vorbereitungen für die Baumaßnahmen laut der Stadt Magdeburg schon seit Monaten. Seit Jahresbeginn untersuchen Archäologen das Baugrundstück am Eulenberg. Auch die Standorte der wesentlichen Gebäude und der Verlauf von Versorgungsleitungen und Transportwegen wurden bereits geplant.

Intel-Chef Gelsinger: "Für jeden Euro der Regierung stecken wir zwei rein"

Einschließlich der staatlichen Hilfen will Intel nach Aussagen Gelsingers nun 30 Milliarden Euro in den neuen Standort investieren. Dass Intel das Gelingen des Projekts direkt an eine Zusage der knapp zehn Milliarden Euro aus Berlin knüpfte, hatte für viel Kritik gesorgt. In diesem Zusammenhang erinnerte Gelsinger daran, dass auch Intel seinen Anteil deutlich erhöht habe. "Für jeden Euro der Regierung stecken wir zwei Euro rein – ein großes Engagement für den deutschen und europäischen Markt", so der Intel-Chef.

Für jeden Job, den Intel schaffe, entstünden weitere zehn in der Region. Man bringe außerdem die fortschrittlichste Technologie, die je produziert wurde, nach Magdeburg und liefere somit einen wichtigen Beitrag, um im Chip-Bereich Lieferketten unabhängiger vom asiatischen Markt aufzustellen.

Fördersumme muss von EU-Kommission noch genehmigt werden

Zur Vertragsunterzeichnung mit Kanzler Scholz sagte Gelsinger, es sei ein spektakulärer Tag für ihn. Schließlich handle es sich um die größte ausländische Investition in Europa, die je getätigt worden sei. Er freue sich darauf, das Projekt jetzt vor die EU zu bringen, um die eine Zulassung der Fördersumme durch die Europäische Kommission zu erwirken. Erst dann könne eines der "größten Bauprojekte für die Produktion von einigen der kleinsten Gegenstände" beginnen. Vier bis fünf Jahre werde es dann dauern, um die Fabrik hochzuziehen und die Produktion zu beginnen.

Eine Computergrafik zeigt die in Magdeburg geplante Chipfabrik des US-Konzerns Intel.
Bildrechte: picture alliance/dpa/Intel Corporation

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MDR (Sebastian Mantei, Daniel Salpius, Leonard Schubert, Max Hensch)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. Juni 2023 | 13:00 Uhr

35 Kommentare

ElBuffo vor 48 Wochen

Diese Erfahrung kann man auch in den USA machen. Dafür muss er nicht nach Deutschland kommen. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass Intel an südeuropäischen Stränden nach Mitarbeitern Ausschau halten wird.

ElBuffo vor 48 Wochen

Nun ist Intel natürlich nicht für den Eisenbahnausbau oder gar -betrieb zuständig, trotzdem hinkt der Vergleich. Die Bahn bekommt längst jedes Jahr diese Summe an Subventionen, kann das aber gar nicht schnell genug verbauen. Da würden also auch 10 Mrd. zusätzlich keinen Meter Schiene zusätzlich bringen. Die 13.000km müssten dann auch noch betrieben werden, wobei die Bahn schon mit dem Vorhandenem stark ausgelastet zu sein scheint. Und dann machen wir uns nix vor: Auch in Süd-West-Sachsen würden sich genug finden, die sich von einer neuen Eisenbahnstrecke geschädigt fühlen und dagegen klagen würden.

Peter W. vor 48 Wochen

Am Ende ist es doch egal ob Bund oder Land. Es geht um die Frage, wieviel Investition von volkswirtschaftlich erzeugtem Wohlstand (Steuergelder) bzw. gesamtgesellschaftlich getragenen Verbindlichkeiten (Staatsschulden) in privatwirtschaftliche Projekte mit privatem Renditeabwurf noch ok ist, und ob hier nicht ab einen gewissen Grad eine Zweckentfremdung der Mittel vorliegt.

Dass nun auch noch aus Mitteln zum Klimaschutz die Strompreise für Intel dauerhaft weit unter Marktniveau subventioniert werden, passt da nur zu gut in das verzerrte Bild.
Als ob Intel nicht imstande wäre vor Ort eine eigene Stromversorgung auf Basis von erneuerbaren Energien mit aufzubauen um so die Stromkosten in den Griff zu bekommen.

Ich bin mal gespannt ob und wieviel Steuern Intel später mal in Deutschland zahlen wird, wenn der Standort dann wie versprochen so richtig gut läuft.

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