"White Angel – Das Ende von Marinka" "Perspektive der Opfer": DOK Leipzig eröffnet mit Film über die Ostukraine

Das diesjährige DOK Leipzig wird mit einem Film über die Ostukraine eröffnet. Darin dokumentiert der Leipziger Regisseur Arndt Ginzel Rettungseinsätze in der vom Krieg zerstörten Stadt Marinka in der Region Donezk. Mit der Doku will er den Fokus auf die Opfer in einer der am härtesten umkämpften Städte der Ukraine lenken.

Zwei Polizisten im Tarnanzug, mit Schutzhelm und -weste sitzen in einem Fahrzeug
Für den Film "White Angel – Das Ende von Marinka" dokumentierten die Polizisten vor Ort ihre Einsätze mit der Kamera. Bildrechte: DOK Leipzig 2023 / "White Angel – Das Ende von Marinka", Arndt Ginzel

Das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm DOK Leipzig wird in diesem Jahr mit einem Film aus der Ostukraine eröffnet. Das kündigte die Festivalleitung am Dienstag in Leipzig an. In "White Angel – Das Ende von Marinka" dokumentiert der Regisseur und Journalist Arndt Ginzel Evakuierungs- und Rettungseinsätze durch Polizisten in der Kleinstadt Marinka in der Region Donezk in der Zeit zwischen Frühjahr und Herbst 2022. Der Film stelle "die Perspektive der Opfer dar", sagte Ginzel bei MDR KULTUR.

Marinka ist eine Stadt mit 10.000 Einwohnern, die es de facto nicht mehr gibt. Der Krieg hat die Stadt aufgefressen.

Arndt Ginzel, Regisseur

Doku über Ukraine-Krieg eröffnet DOK Leipzig

Die Nahaufnahmen der Einsätze stammten von einer mobilen Go-Pro-Kamera, so Ginzel weiter. Polizisten hätten diese mit sich geführt, während sie in Marinka mit einem Einsatzfahrzeug unterwegs gewesen seien. Der Wagen wurde von Zivilisten "Weißer Engel" genannt. Die Aufnahmen habe der Regisseur von einem Mitglied der Evakuierungsgruppe mit einer klaren Botschaft erhalten: "Er hat mir gesagt, er will, dass die Menschen sehen, was er mit eigenen Augen gesehen hat".

Ein Kind und eine Frau mit besorgtem Blick sitzen neben einem Polizisten im Auto
Zwei Bewohner*innen von Marinka sitzen im "Weißen Engel", dem Fahrzeug, dem der Film von Arndt Ginzel seinen Namen verdankt. Bildrechte: DOK Leipzig 2023 / "White Angel – Das Ende von Marinka", Arndt Ginzel

Besonders berührt habe den Regisseur eine Aufnahme, in der eine Frau mit ihrem Mann auf dem Feld Kartoffeln erntet. "Dann schlägt eine Granate ein und von jetzt auf gleich wird dieses Paar auseinander gerissen". Er habe sich gefragt, wer diese Frau sei und was genau vorgefallen sei. Im Film erfahre man ihre Geschichte: "Man sieht, wie sie ins Krankenhaus gefahren und auf eine Liege gelegt wird. Und dann erfährt man, dass ihr Mann wenige Augenblicke später gestorben ist."

Ein Mann mit Schutzhelm und -Weste begleitet eine alte Frau mit Stock zu einem Wagen.
Mit seinem Film "White Angel – Das Ende von Marinka" lenkt Regisseur Arndt Ginzel den Blick auf die Opfer des russischen Angriffskriegs Bildrechte: DOK Leipzig 2023 / "White Angel – Das Ende von Marinka", Arndt Ginzel

Leipziger Regisseur über das Leid in der Ukraine

Um die Geschichten der vielen Opfer aus Marinka zu erfahren, habe er sich entschlossen, mit seinem Team in die Ostukraine zu fahren und einen Dokumentarfilm zu drehen, erzählt Ginzel im Gespräch mit MDR KULTUR. Vor Ort habe er mit den Überlebenden, aber auch ihren Angehörigen und Rettern über ihre traumatischen Erlebnisse gesprochen und über den Untergang ihrer Heimatstadt. "Ich hätte nie gedacht, dass man dem Sterben und Leiden dieser Stadt und ihrer Einwohner so nahe kommen könnte."

Quelle: MDR KULTUR (Ellen Schweda), Redaktionelle Bearbeitung: vp

Informationen zum DOK Leipzig

Die 66. Ausgabe von DOK Leipzig findet vom 8. bis 15. Oktober statt. Das Programm wird am 21. September veröffentlicht.

Die Eröffnung von DOK Leipzig findet am 8. Oktober 2023 um 19 Uhr im CineStar 4 mit dem Film "White Angel – Das Ende von Marinka" statt. Der Regisseur Arndt Ginzel wird für ein Filmgespräch anwesend sein.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. September 2023 | 07:10 Uhr

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